Magdeburg – das Wort erzeuge bei ihm noch immer eine Gänsehaut, gesteht Christian Sprenger. "Die elf Jahre beim SCM haben mich einfach geprägt, und gegen das Gefühl von Heimat kann und will ich auch nicht ankämpfen", sagt der Rechtsaußen, der am Mittwochabend (19.15 Uhr/live Sport1) in der Bördelandhalle zum zweiten Mal im Trikot des THW Kiel auflaufen wird. Dann freut sich "Sprengi" einfach nur "auf ein geiles Spiel", und er hofft, dass sich sein THW den Frust der letzten Wochen "irgendwie" von der Seele spielen kann.

Magdeburg/Kiel. Denkt Christian Sprenger an seinen THW in der Nacht, dann ist er um den Schlaf gebracht ... Der Ex-Magdeburger lag nach dem vorzeitigen Ausscheiden des Titelverteidigers in der Champions League am Sonntagabend gegen den FC Barcelona (siehe auch nebenstehenden Beitrag) nicht das erste Mal in dieser Saison schlaflos im Bett und machte sich so seine Gedanken: "Nach so einem entscheidenden Spiel kann ich froh sein, wenn ich zwei, drei Stunden schlafe. Da geht einem viel durch den Kopf. Du liegst wach, suchst nach Erklärungen und fragst dich, was läuft da nur schief?", verriet der Ex-Magdeburger gestern im Volksstimme-Gespräch.

In seinem ersten Jahr beim erfolgsverwöhnten Seriensieger THW lief alles wie geschmiert. Man wurde in souveräner Manier deutscher Meister, gewann zudem die Champions League. Um so härter nimmt der außerhalb des Spielfeldes eher introvertierte Sprenger die derzeitige Bauchlandung wahr. Und auch der Nationalspieler hätte es sich nicht träumen lassen, dass man sich nach der gescheiterten Titelverteidigung und dem nunmehr besiegelten Aus in der Königsklasse ("So wie wir gespielt haben, hätten wir den Einzug ins Final Four auch nicht verdient ...") verzweifelt an den Strohhalm DHB-Pokal klammert. Nur, um am Ende der Saison nicht gänzlich titellos dazustehen, was letztmals 2003 der Fall war.

Wann der Nimbus der "Unbesiegbarkeit" verlorengegangen ist, weiß der Linkshänder mit dem Turbo-Antritt noch ganz genau. "Alles fing mit der völlig unerwarteten Heimniederlage gegen Großwallstadt an." Warum, dafür hat Sprenger bis heute noch keine richtige Erklärung: "Eigentlich wird nichts anderes deutlich, als dass wir keine Maschinen sind. Dass auch wir nur Menschen sind, die mal einen schlechten Tag haben und dann eben verlieren können."

Außerdem sei der europäische Spitzenhandball noch näher zusammengerückt. "Auch die anderen können Handball spielen und begegnen uns auf Augenhöhe, da kann man auch schon mal zu Hause gegen Barcelona verlieren. Das ist zwar enttäuschend und traurig, aber so ist das, damit müssen wir uns abfinden", so Sprenger, der weder einen Sinn darin sieht, sich in Selbstmitleid zu ertränken, noch darin, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. "Angesichts des Termindrucks bleibt uns auch einfach keine Zeit zur tiefgründigen Analyse, wir müssen die Phase gemeinsam durchstehen, nach vorn schauen und uns darauf konzentrieren, den zweiten Platz und damit die direkte Qualifikation für die Champions League abzusichern."

Was nichts anderes heißen soll: "Wir reisen in Magdeburg an, um das Spiel zu gewinnen. Punkt. Dass das schwer wird, zumal uns eine hitzige Atmosphäre in der proppevollen Halle erwartet, weiß niemand so gut wie ich", so der 28-Jährige, der die Entwicklung des SCM mit viel Wohlwollen und Respekt beobachtet: "Für mich ist es keine Überraschung, dass Magdeburg um einen Europacupplatz spielt, denn da gehört man meiner Meinung nach auch hin. Die Mannschaft hat deutlich an Qualität und Stabilität gewonnen und ich gönne dem SCM jeden Punkt – außer es geht um die beiden gegen uns."