Der SCM außer Rand und Band. Mit einem sensationellen 30:24-(15:12)-Heimsieg gelang es den Schützlingen von Trainer Frank Carstens im zehnten Versuch, endlich die "Festung" THW Kiel einzunehmen.

Magdeburg. Vor 6610 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Bördelandhalle zwangen die Magdeburger den Handball-"Riesen" in der zweiten Hälfte mit einem dynamischen Angriff, einem vor allem vom Punkt treffsicheren Torjäger Weber (9/6), einer bärenstarken Deckung und einem erneut überragenden Quenstedt im Tor (20 Paraden) in die Knie.

Die Partie nahm gleich nach dem Anpfiff Fahrt auf: erster Angriff, erstes Tor durch die Gäste (Andersson). Der SCM ließ sich dagegen zweimal bitten: Nachdem Natek noch an Top-Torhüter Omeyer scheiterte, machte es Weber besser und verwandelte den fälligen Siebenmeter zum 1:1.

Dann aber rückte Quenstedt in den Fokus. Der Youngster machte genau da weiter, wo er zuletzt gegen Wetzlar aufgehört hatte – mit Paraden am laufenden Band. Ob ein Andersson, ein Jicha oder Zeitz – egal, woher die Bälle kamen, Quenstedt war zur Stelle.

Die Supervorlagen durch den Keeper sowie die kräftezehrende Schwerstarbeit in der Deckung wusste der SCM im Angriff zwar ein paarmal nicht in Torerfolge umzumünzen, dennoch hielt man mit den Kielern, die anfangs gewohnt auf die Tempo-Tube drückten, mit.

Mehr noch: In der neunten Minute lag Magdeburg erstmals mit zwei Toren vorn (5:3). Zwar kam der THW ran, glich zweimal aus, doch mehr ließen die Magdeburger nicht zu. Als dann auch noch Damir Doborac in der 19. Minute das Zepter als Spielmacher übernahm, ging die Post richtig ab. Der Bosnier wirbelte die THW-Hünen in der Deckung teilweise schwindelig, war für die spektakulärsten drei Treffer zuständig und stellte nach genialem Zuspiel von Rojewski beim 11:8 (21.) die erstmalige Drei-Tore-Führung her. Und dieser Vorsprung wurde bis zum Halbzeitpfiff mit Mann, Maus und Teufelskerl Quenstedt im Kasten verteidigt.

In der zweiten Halbzeit spielte sich der SCM, frenetisch angefeuert vom Publikum, in einen wahren Rausch. Fünf Tore am Stück vom 18:16 auf 23:16 (49.) waren der Anfang vom Ende der Kieler. Während die "müden Krieger" mehr und mehr an Quenstedt und dem SCM-Deckungswall verzweifelten, erreichte die Party auf den Rängen den Höhepunkt. Beim Stand von 26:18 (54.) schwappte die La-Ola-Welle durch die Halle. Den Sieg, da waren sich alle sicher, wird sich Magdeburg an diesem nicht mehr nehmen lassen. "Ooooooh, wie war das schön!" – der Meister hatte seinen Meister gefunden.

SCM-Trainer Carstens war selig nach dem "Meisterstück" seiner Männer: "Ich bin überglücklich, dass es gelungen ist, in allen Mannschaftsteilen über sich hinauszuwachsen – das war genau das, was nötig war, um den THW Kiel zu bezwingen."

SCM: Quenstedt, Schulz – van Olphen 3, Tönnesen 1, Jurecki 2, Landsberg, Grafenhorst 4, Natek 4, Weber 9/6, Wiegert 1, Doborac 3, Hornke, Rojewski 4, Coßbau.

Kiel: Omeyer, Palicka – Andersson 4, Kubes, Zeitz 3, Palmarsson 4, Ilic 6/3, Jicha 3/1, Lundström, Sprenger, Dragicevic, Ahlm, Klein 3, Reichmann 1.

Schiedsrichter: Damian/Wenz (Bingen/Mainz). Zuschauer: 6610. Siebenmeter: SCM 5/5; Kiel 7/5. Zeitstrafen: 3/3.

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