Der Plan ist ganz einfach: Der SC Magdeburg gewinnt die letzten drei Saisonspiele in der Bundesliga, Frisch Auf Göppingen gewinnt am Sonntag den EHF-Pokal und bezwingt am 27. Mai Flensburg-Handewitt, dann beendet der SCM die Serie auf Rang sechs, und Magdeburg erhält wieder eine Sondermarkierung auf der Handball-Europakarte. Oder, Yves Grafenhorst? "Das würde mich auf jeden Fall freuen", sagt der 27-Jährige.

Magdeburg. Auf dem Weg zur Verwirklichung gibt es allerdings noch Gegner – oder vielmehr: zum Glück. "Wir können in dieser Saison noch etwas erreichen, freuen uns auf jedes Match. Für uns ist das doch positiv, nicht nur um die goldene Ananas zu spielen, das ist für jeden motivierend", weiß Grafenhorst. Also arbeiten die Magdeburger mit Vorfreude derzeit auf die morgige Partie in der heimischen Bördelandhalle gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke (19 Uhr) hin. Allerdings dosierter als in anderen Phasen der Saison: "Es wird immer schwerer, den Akku wieder aufzuladen", berichtet der Linksaußen, der in den bisherigen 31 Punktspielen 89-mal getroffen hat.

Zuletzt traf er weniger regelmäßig, und Grafenhorst lässt deshalb auch das Bild vom stotternden Motor zu. "Ich suche noch nach meiner Topform", erklärt er. Vielleicht hat er sich von der einen oder anderen vergebenen Chance zu sehr beeindrucken lassen, weshalb das Selbstvertrauen ein wenig gelitten hat. Seinem Trainer Frank Carstens ist es jedenfalls wichtig, dass sein Schützling die nächste Möglichkeit sucht. "Er arbeitet im Training sehr konzentriert", berichtet Carstens. "Ich gebe im Training Vollgas", bestätigt Grafenhorst. Dem Rechtshänder kann man eine schöne Weisheit mit ins Spiel gegen Lübbecke geben: Man sollte nicht immer ein Hindernis suchen, es gibt vielleicht keins. Carstens ist jedenfalls von den Qualitäten seines Linksaußen überzeugt.

Konzentration also auf Lübbecke – ein Gegner, der dem SCM ein 29:29 in der Hinrunde abgerungen hat, "weil wir uns in der Schlussphase leichte Ballverluste geleistet hatten", erinnert sich Grafenhorst. Das auch, und außerdem hatte Magdeburg Probleme mit Arne Niemeyer, der damals zehn Treffer markierte. Niemeyer ist "nur" 1,90 Meter groß, aber er ist mit 29 Jahren sehr erfahren, er kommt über Rückraum links, er nimmt sich Würfe in der Bedrängnis, er ist unberechenbar, und er verfügt über eine tolle Übersicht. Das ist die Analyse von Grafenhorst, und sie verdeutlicht, wie wichtig der SCM diesen Kontrahenten, der jenseits von Gut und Böse in der Tabelle steht, nimmt. Und Platz zwölf "sagt nichts darüber aus, zu welchen Leistungen Lübbecke tatsächlich imstande ist", erklärt Grafenhorst. Zu routiniert ist dieses Team von Trainer Markus Baur, als dass es auf Aktionen des Gegners nicht reagieren könnte. "Das wird ein Geduldsspiel."

Geduld muss Frank Carstens allerdings schon im Vorfeld aufbringen, denn Andreas Rojewski (muskuläre Probleme in der Wade), Kjell Landsberg (Oberschenkel) und Stian Tönnesen (Rückenprobleme) sind angeschlagen. Carstens ist aber zuversichtlich: "Ich plane mit ihnen."