Dormagen. Wie Trainer Frank Carstens da am Freitagabend nach dem Abpfiff des 27:32 (13:17) beim DHC Rheinland bei der Pressekonferenz im Podium saß und die Niederlage des SCM zwar sichtlich "angefressen", aber dennoch gefasst und nüchtern kommentierte ("Wir haben zuletzt eine sehr stabile Leistung gezeigt, das ist uns heute nicht gelungen") und den Gegner für den "verdienten Sieg" und die "gute Torhüterleistung" lobte, das grenzte schon an eine oscarreife schauspielerische Leistung.

Nie und nimmer konnte man sich vorstellen, dass eben dieser Mann wenige Minuten zuvor noch in der Kabine getobt und lauthals seinem Frust und seiner Enttäuschung über den in dieser Art und Weise völlig unerwarteten Ausrutscher seiner Männer minutenlang Luft gemacht hatte. Verärgert vor allem darüber, dass offensichtlich aufgrund der fehlenden Einstellung passiert war, was eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Und so war beim bereits als Zwangsabsteiger feststehenden Tabellensechzehnten (DHC-Trainer Kai Wandschneider: "Es war uns eine Ehre, die Überraschungsmannschaft der Saison zu schlagen.") nicht nur die Serie von zehn Spielen ohne Niederlage gerissen. Auch der glänzende Lack vom stabilen, immer aufs Ziel fokussierten und stets kämpferisch vorbildlichen SCM hatte aufgrund der Pleite unnötige Kratzer bekommen.

"Ja, es wurde ganz schön laut, und die Worte von Frank waren auch sehr deutlich", redete Bennet Wiegert am Tag danach auch gar nicht lange um den Brei herum. Er sei froh gewesen, dass der Trainer die Rückfahrt im Mannschaftsbus nicht mit angetreten hatte und stattdessen nach Köln weitergereist war, um sich beim Finale Four um die Champions-League-Krone "weiterzubilden".

So sei es im Bus sehr still gewesen, verriet der Rückraumspieler, und dank eines Staus auf der A2, ("Ich war erst um fünf Uhr im Bett") habe es auch genügend Zeit gegeben, dass jeder für sich die Partie noch einmal auseinanderpflücken konnte. Wiegert kam schließlich zu folgendem Ergebnis: "Die Dormagener wollten ihr letztes Erstligaspiel vor heimischem Publikum unbedingt gewinnen, und dementsprechend haben sich die Jungs noch einmal ins Zeug gelegt. Und wir, wir haben überhaupt nicht ins Spiel gefunden und haben uns bis auf die Knochen blamiert", so der 29-jährige Routinier. "Ehe wir uns versahen, lagen wir nach einer Viertelstunde schon mit fünf Toren zurück. Zwar konnten wir uns noch einmal 20 Minuten vor Schluss mit viel Kraft auf 21:21 herankämpfen, dann aber kamen ein paar unglückliche Aktionen, ein paar Pfiffe gegen uns sowie zwei Zeitstrafen und rums, lagen wir wieder mit fünf Toren hinten - das war‘s dann."

Doch nichts ist so schlecht, dass es nicht auch etwas Gutes hat. Und so brennen die Magdeburger nun mehr denn je darauf, die Scharte im allerletzten Spiel der Saison gegen den Erzfeind aus Berlin auszuwetzen. Wiegert: "Nun erst recht: Alle sind heiß, die Fuchsjagd ist eröffnet!"