Nicht einmal 48 Stunden nachdem Spitzenreiter HSV Hamburg ihnen die Flügel ein wenig gestutzt hat, müssen sich die Handballer des SCM zu neuen Höhenflügen aufschwingen. In der Mannheimer SAP-Arena treffen die Magdeburger heute Abend (20.15 Uhr/Live Sport1) auf die Rhein-Neckar Löwen. Und als wäre die Aufgabe aufgrund der Umstände nicht schon schwer genug, sind die "Löwen" durch das unerwartete Remis gegen Wetzlar auch noch "angeschossen" – und somit besonders gefährlich.

Magdeburg. Nach der 30:35-Niederlage gegen Hamburg war Frank Carstens mehr als Psychologe denn als Trainer gefragt. "Klar herrschte Enttäuschung bei den Spielern, denn sie hatten sich schon etwas ausgerechnet und daran geglaubt, erneut eine Überraschung gegen einen Großen landen zu können."

Somit habe seine erste Aufgabe darin bestanden, "dafür zu sorgen, dass die Sache ganz schnell abgehakt wird und wir nur die guten Sachen aus dem Spiel mitnehmen", so der 39-Jährige, der vor allem die Moral sowie die Abwehrarbeit in der ersten und die deutlich gestiegene Angriffseffektivität in der zweiten Halbzeit als positiv herausstellte. Mit Blick nach vorn sei es entscheidend, die richtigen Lehren aus dieser Niederlage zu ziehen. Carstens: "Wir müssen lernen, uns von solchen Negativ-Erlebnissen wie den Fehlwürfen in der ersten Halbzeit weniger tangieren zu lassen."

"Hartnäckig dranbleiben und mit Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten weitermachen", das will sich auch Yves Grafenhorst hinter die Ohren schreiben. Zumal er damit gegen Hamburg gute Erfahrungen gemacht hat. Nachdem der Linksaußen nämlich freistehend drei "Fahrkarten" gegen den stark parierenden Bitter geschossen hatte, folgten doch noch sechs Tore in Hälfte zwei. "In der Kabine habe ich mich tierisch über die Fehlwürfe geärgert, aber ich habe mir gesagt, die zweite Halbzeit fängt bei Null an – und dann lief es ja auf einmal auch", so der Flügelflitzer, der nach der Analyse der Partie gestern Morgen feststellte: "Hamburg hat doch in einer anderen Liga gespielt. Und die waren abgezockt genug, um uns nicht die Chance zu geben, den Rückstand aufzuholen."

Dennoch gehe er optimistisch an die heutige Aufgabe: "Unser Ego ist durch die Niederlage nicht so angekratzt, wie einige glauben. Wir haben nicht vergessen, was wir können. Vor allem, dass wir die zweite Halbzeit für uns entscheiden konnten, stärkt den Glauben daran, dass wir uns wie im Hinspiel gegen die Löwen behaupten können."

Beim Gegner hängt dagegen nach dem unerwarteten Punktverlust gegen Wetzlar der Haussegen ein wenig schief. Trainer Gudmundur Gudmundsson sprach gar von dem "schlechtesten Spiel meiner Amtszeit". Aber auch Henning Fritz haderte mit der schwachen Vorstellung in der heimischen SAP-Arena. Der Ex-Magdeburger, der erst vor kurzem seine Option gezogen hatte, womit sich der Vertrag des 36-Jährigen bei den Löwen um ein weiteres Jahr bis zum 30. Juni 2012 verlängert hatte, verließ nach 23 Minuten kopfschüttelnd die Platte und ließ sich durch Sawomir Szmal ersetzen, so unzufrieden war er mit sich und seinen Vorderleuten, die die Wetzlarer in schöner Regelmäßigkeit gewähren ließen.

"So brauchen wir gegen den SCM gar nicht antreten", so der Keeper rückblickend. Mit Blick auf die heutige Partie erwartet der 36-Jährige "eine Wende um 180 Grad". Die hält ein weiterer Ex-Magdeburger im Team, Oliver Roggisch, ebenso erforderlich wie machbar: "Da ist noch viel Luft nach oben."