Der SC Magdeburg steht zum elften Mal hintereinander auf fremden Parkett ohne Punkte da. Auch beim 30:34 (10:16) gegen MT Melsungen gab es nichts zu holen für die Liesegang-Truppe, die nur in der Anfangsphase führte, danach immer wieder auch große Rückstände mit viel Kampfgeist aufholte, die Niederlage aber dann doch nicht abwenden konnte. Auf SCM-Seite traf Weber (10/2) am besten, beim Gastgeber überzeugte der Ex-Magdeburger Vasilakis (9).

Kassel. Das Bad in der begeisterten Menge gefiel Alexandros Vasilakis, und die Schulterklopfer und Handschläge gingen ihm "runter wie Öl". Der griechische Rückraum-Kanonier stand in der Kasseler Rothenbach-Halle nach der Partie auf einer kleine Bühne im Rampenlicht und wurde als "Spieler des Tages" gefeiert und interviewt.

Ausgerechnet der Ex-Magdeburger avancierte zum Matchwinner der Melsunger. Seine neun Tore ebneten den Gastgebern, die zuvor gegen Flensburg und Göppingen trotz guten Spiels mit leeren Händen dagestanden hatten, diesmal den Weg zum verdienten Sieg. "Ich bin überglücklich, dass wir gewonnen haben. Ich bin zwar noch nicht wieder ganz fit, aber ich wollte unbedingt gegen mein Ex-Team spielen und habe auf die Zähne gebissen. Das ist schon komisch, vor genau einem Jahr habe ich hier acht Tore gegen Melsungen gemacht, diesmal sogar neun, aber gegen Magdeburg", freute sich Vasilakis über seinen speziellen Coup wie ein kleines Kind.

Dann aber hob er die "kollektive Leistung" hervor: "Wir haben alle gekämpft bis zum Umfallen, wollten unbedingt gegen Magdeburg gewinnen und haben die beiden Punkte deshalb auch verdient", erklärte der Linkshänder:

Mit seiner Dynamik und seinem unwiderstehlichen Zug zum Tor dürfte der Torjäger bei den wenigen mitgereisten SCM-Fans Wehmut hervorgerufen haben. Denn: So ein "Shooter" hatte den Magdeburgern am Mittwoch Abend einmal mehr gefehlt. Zur Erinnerung: Vasilakis wäre nur zu gerne in Magdeburg geblieben, hatte aber umsonst auf ein klares Zeichen der damaligen sportlichen Leitung Biegler/Kretzschmar gewartet und war so im Sommer 2009 notgedrungen nach Melsungen weitergezogen ...

Und so fiel es beim SCM in Kassel um so mehr ins Gewicht, dass die Kaderdecke ausgedünnt, Kapitän van Olphen (nur ein Treffer) ausgepowert war, Rojewski erneut aussetzen musste und Wiegert (5) zwar traf, aber auch genausoviel hinten einriss, wie er sich vorn mühsam aufgebaut hatte. So blieben klassische Tore der Magdeburger aus dem Rückraum Mangelware.

Dass Interimscoach Sven Liesegang nach der Partie "durch den Wind" war, hatte aber auch noch einen anderen Grund: Die Spielstände – 1:0 (2. Minute), 4:2 (9.), 7:4 (12.), 7:6 (17.), 10:16 (Halbzeit), 16:13 (32.), 17:15 (35.), 20:15 (38:), 21:19 (45.), 25:19 (48.), 26:23 (52), 30:26 (58.) – dokumentieren ein Auf und Ab der besonderen Art.

"Also, ich habe als Spieler und auch als Trainer schon einiges erlebt, aber so etwas noch nicht. Das war die größte Achterbahn der Welt. Das fing mit den frei vergebenen Hundertprozentigen von Weber und Coßbau sowie dem Lattenknaller bei Tönnesens Siebenmeter gleich zum Start an und hörte nicht wieder auf", raufte sich der Trainer bei der Analyse nach der Partie das kaum vorhandene Haar.

"In der Kabine habe ich mich dann gefragt, warum wir zur Halbzeit eigentlich mit sechs Toren hinten lagen. Dann erwischen wir einen Super-Start in Hälfte zwei, kämpfen uns auf zwei Tore heran, um dann wieder vorne die Bälle wegzuwerfen. Letztendlich muss ich sagen: Einstellung und Kampf haben gestimmt, aber wir haben uns wieder einmal selber geschlagen, weil wir in der Vorwärtsbewegung eklatante Fehler gemacht haben und uns die Durchschlagskraft im Rückraum fehlte."

Das sah auch Goalgetter Robert Weber so: "Es war ein Spiel mit Höhen und Tiefen, in dem wir es durch unsere Abschlussschwächen und technischen Fehler uns einmal mehr selbst schwer gemacht haben. Auch in der Deckung standen wir nicht konstant gut, wir waren erst richtig heiß, als wir in der zweiten Halbzeit auf zwei Tore herangekommen sind. Schade, dass wir auswärts weiter einem Erfolgserlebnis hinterherlaufen. Unsere nächste Chance ist Dormagen, aber auch das wird verdammt schwer, denn die stehen mit dem Rücken zur Wand und werden kämpfen wie die Löwen."

Melsungen: Kelentric, Lechte – Brovka 2, Schöngarth 1, Anusic 1, Tellander 4, Tzimourtos, Vasilakis 9, Treutler, Lechte, Danner 5, Sanikis 5, Karipidis 3, Vuckovic 4.

Magdeburg: Müller, Quenstedt – Böhm, Wiegert 5, Kabengele, Grohmann, Krause , van Olphen 1, Theuerkauf 1, Grafenhorst 6, Tönnesen 2, Coßbau 2, Weber 10, Jurecki 3.

Schiedsrichter: Christoph Immel/Ronald Klein (Tönisvorst/Ratingen). Zuschauer: 2154. Siebenmeter: Melsungen 3/1, SCM 3/2. Zeitstrafen: Melsungen 3, SCM 4.