Was nutzen dem SCM Komplimente der Gegnerschaft, so wie am Sonntagabend nach der 28:31-Niederlage in Balingen? Deren Trainer Rolf Brack sowie Geschäftsführer Benjamin Chatton lobten die engangierte Spielweise der Elbestädter. Doch SCM-Coach Sven Liesegang entgegnete: "Ein schwacher Trost. Wir müssen endlich mal wieder ein Ding machen!"

Balingen/Magdeburg. Liesegang brauchte Minuten, um sich nach der hart umkämpften Partie bei den abstiegsgefährdeten Schwaben zu sammeln. Minutenlang wandelte der 38-Jährige nach dem Spiel den Kabinengang entlang – allein mit sich und seinen Gedanken. Dann sein Resümee: "Wir haben es verpasst, auswärts mindestens einen Punkt zu holen." Und immer wieder kommt "Liese" bei seiner Analyse auf jene Szene zurück, als Kabengele nach einem Foul in der 41. Minute wie es sie beim Handball eine Unmenge in jedem Spiel gibt, die Rote Karte und zusätzlich eine Zeitstrafe erhielt – Kabengele, dem die Referees schon im ersten Abschnitt fast jede Abwehraktion "weggepfiffen" hatten. Minuten darauf war aus dem Drei-Tore-Vorsprung der Magdeburger (17:14/38.) ein Zwei-Tore-Rückstand geworden (21:23/48.).

Der Kongolese, dem ganz offensichtlich beim Zug zum Tor immer noch das Schreckgespenst seiner schweren Schulterverletzung im Kopf herumspukt, kommentierte diese Szene so: "Ich habe meinen Gegenspieler geblockt. Als der Pfiff kam, habe ich meine beiden Hände an den Kopf genommen. Das hat der Schiedsrichter wohl falsch interpretiert und mich und die Mannschaft mit dieser sehr harten Strafe belegt."

Als "spielentscheidend" sah im Übrigen auch Balingens Trainer Rolf Brack das vorzeitige Aus für Kabengele an. Trotzdem: "Beim 14:17-Rückstand habe ich die Abwehr auf 5:1 umgestellt. In der ersten Halbzeit war es mit elf Gegentoren recht gut gelaufen. Um so erstaunter war ich, dass wir dann zwischenzeitlich so unsere Linie verloren hatten."

SCM-Rechtsaußen Robert Weber, vor einem Jahr noch in Balingen spielend, ergänzte: "Wir haben ganz einfach zu viele Chancen vergeben. In der ersten Halbzeit standen wir mit zwölf Gegentoren hinten gut, 19 Gegentore nach der Pause waren aber zu viel. Der Ausfall von Damien war spielentscheidend."

Der ebenfalls aus Balingen zum SCM gewechselte Keeper Jürgen Müller, der mit dem schwedischen Team Ystad IF in Verbindung gebracht wird (Entscheidung voraussichtlich in dieser Woche), sah eine andere Ursache: "Balingen konnte durchwechseln und so immer wieder frische Leute bringen. Uns ging am Ende die Kraft aus."

Angemerkt sei, dass der SCM in eigener Überzahl immerhin fünf (!) Balinger Tore zuließ. Und noch eine Bemerkung sei gestattet: Den Vorwurf, sich in Balingen kampflos in sein Schicksal ergeben zu haben, kann man dem SCM nun wirklich nicht machen. Doch Fakt ist auch, mit jener Sieben, die 2001 deutscher Meister wurde und ein Jahr darauf die Champions League gewann, hätte das Liesegang-Team das Spiel bei den Schwaben nicht verloren. Doch davon ist der SCM zurzeit elf Tabellenplätze entfernt …