Für Christoph Theuerkauf fiel am Mittwochabend endgültig der Vorhang. Das letzte Heimspiel der Bundesliga-Saison 09/10 war auch für den 25-jährigen Kreisläufer das ultimativ letzte in der Bördelandhalle. "Glaubt mir, ich hätte mich gern anders von meinen Fans verabschiedet", tat sich der zum TBV Lemgo wechselnde Publikumsliebling mit der trostlosen 26:33-Niederlage gegen den VfL Gummersbach sichtlich schwer.

Magdeburg. Einen so emotionalen und extrovertierten "Handballer mit Leib und Seele" wie Christoph Theuerkauf brauchte man eigentlich nicht zu fragen, wie er sich nach dem Abpfiff fühlte. In jeder Bewegung, jedem Blick, jedem Wort des Ur-Magdeburgers schwang Wehmut mit. Man sah ganz einfach: "Abschied ist ein bisschen wie Sterben ...."

Und so wog für Theuerkauf, der noch eine Stunde nach Spielschluss Autogramme schrieb, Fans herzlich umarmte und rote Rosen von weiblichen Groupies entgegennahm, die Niederlage doppelt schwer. "Ich bin enttäuscht, dass mein letztes Heimspiel so enden musste, und dass es uns als Mannschaft nicht gelungen ist, uns mit einem Sieg aus der Saison zu verabschieden", haderte Theuerkauf ("Die letzten drei Tage waren wenig spaßig, ich war irgendwie schwermütig und melancholisch drauf") mit der glanz- und freudlosen Vorstellung.

Und wie man es von dem Spieler mit der Nummer 13, der sich wie kaum ein anderer über zehn Jahre mit dem Verein identifiziert hat, gewohnt war, fand er auch diesmal für die blamable Vorstellung klare Worte: "Die Fans, die uns in dieser Saison trotz mancher Tiefen und Querelen immer die Treue gehalten haben, hatten etwas anderes verdient. 27 Minuten haben wir ganz gut gespielt, keine Ahnung, was danach passiert ist. So darf man sich vor heimischem Publikum nicht verkaufen. Und eigentlich kann man sich dafür nur entschuldigen."

"Vielleicht habe ich es ja wirklich nicht drauf ..."

Zumindest hatte Theuerkauf, für den das "Bankdrücken" mehr und mehr zur traurigen Gewohnheit geworden war, gegen Gummersbach mehr Spielanteile als in den vorangegangenen Spielen. Aber das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Saison für den Nationalspieler, der an Top-Kreisspieler Bartosz Jurecki einfach nicht vorbei kam, "definitiv unbefriedigend" war. "Bartek ist ja nicht umsonst Spieler der Saison geworden, und obwohl ich der Leidtragende war, erkenne ich natürlich an, dass er ein Weltklasse-Kreisspieler ist. Dennoch bin ich traurig, dass ich zu wenig Chancen bekommen hatte, mich zu beweisen. Ich kann nur hoffen, dass die Leute nachvollziehen können, dass ich mit 25 Jahren nicht anders entscheiden konnte als den Verein zu wechseln."

Obwohl er in der ersten Mannschaft durch die Hände etlicher Trainer ging (Gislason, Licu, Wenta, Kurrat, Biegler, Liesegang) konnte Theuerkauf nie den Makel loswerden, nicht in der Abwehr eingesetzt werden zu können. "Hinter einem Jurecki hätte es sicher jeder schwer gehabt. Und wenn man erstmal einen Stempel weghat, dann ist es schwer, diesen wieder loszuwerden", sinniert der Kreisläufer, der es in dieser Spielzeit bislang auf 57 Tore brachte. "Vielleicht habe ich es ja wirklich nicht drauf. Aber um das herauszufinden, musste ich gehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Wechsel der Schritt in die richtige Richtung ist und hoffe, in Lemgo unbeschwert, ohne Stigma und Stempel neu starten zu können."

Doch mag die sportliche Herausforderung noch so groß sein, in einer Beziehung gibt sich der in Magdeburg geborene Gymnastik-Lehrer keinen Illusionen hin: "Heimat ist Heimat – diese familiäre Wärme, die ich in Magdeburg gespürt habe, werde ich am meisten vermissen."

Trotz allem will Theuerkauf seinen Wechsel zu einem Zeitpunkt, da der Fahrstuhl mit dem SCM nach unten geht, weder als Fahnenflucht noch als charakterlos beurteilt wissen. "Der Wechsel war ausschließlich eine persönliche Entscheidung, die meine perspektivische Entwicklung betraf", so "Theuer", dessen Einsatz in den verbleibenden zwei Spielen aufgrund einer Knieverletzung fraglich ist. "Ich glaube nach wie vor an den Magdeburger Handball und bin überzeugt davon, dass mit Frank Carstens anderer, frischer Wind beim SCM weht." Zwar wäre Platz eins bis sechs zuviel erwartet, so der Mädchenschwarm, "aber es wäre wichtig, dass man die Heimspiele durchdrückt und vor allem auch mal wieder auswärts punktet. Das ist nämlich zum großen Teil auch eine Charakterfrage."