Magdeburg. Vier Niederlagen in Folge, hängende Köpfe, Ratlosigkeit ... Wie gerne würde Reinhard Schütte " seinen " SCMHandballern in diesen schweren Zeiten zur Seite stehen, ihnen unmittelbar vor dem schweren Spiel am Sonntag bei den Füchsen Berlin ( 17. 45 Uhr / Max-Schmeling-Halle ) Mut zusprechen. Doch sie mit einem Schulterklopfen aufbauen oder vielleicht auch den einen oder anderen Spieler mit dem sprichwörtlichen " Tritt in den Hintern " auf Trab bringen, geht leider nicht. Der schwere Schlaganfall vor gut eineinhalb Jahren hat " Reinis " enge Verbindung zur Mannschaft gekappt.

Jahrzehntelang war der einstige Handball-Nationalspieler als " gute Seele des Vereins " und Mannschaftsleiter hautnah dabei, er hat viele Höhen und auch einige Tiefen erlebt. " Es ist sehr schwer für mich, nicht helfen und direkt eingreifen zu können, gerade jetzt, wo es nicht so richtig läuft ", ist der 58-jährige Ehren-Mannschaftsführer traurig und auch ein wenig wütend, dass er noch immer mit den Folgen des Schicksalsschlags zu kämpfen hat. " Es geht einfach nicht so voran, wie ich es gern hätte ", hadert der Europacup-Sieger von 1978 damit, dass er nach wie vor auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Doch inzwischen ist Schütte der Mannschaft wieder ein Stückchen näher gerückt, kämpft er doch tagsüber in der Reha, unweit der Bördelandhalle, um jeden Fortschritt – und sei er noch so klein. Wenn ihm bei seinen Gehversuchen in den Gängen dann Grafenhorst, Rojewski & Co. entgegenkommen, strengt sich " Reini " immer besonders an, schließlich will er zeigen, dass er ein Kämpfer ist und nicht aufgibt.

Gleiches fordert er nun auch von Mannschaft und Trainer : " Es nützt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn ‘ s mal nicht so läuft. Dass es mal bergauf und mal bergab geht, gehört zum Leben dazu. Nur, der Blick muss immer nach vorn gehen ", so der Ex-Handballer, der psychologische Aufbauarbeit betreibt, indem er mit den Spielern spricht : " Den Magdeburger Handball hat immer ausgezeichnet, dass die Jungs nie aufgeben und bis zum Umfallen gekämpft haben. Das wollen die Leute sehen, und das sage ich den Jungs auch, wenn ich sie hier treffe. "

Mit Wohlwollen hat Reinhard Schütte registriert, dass mit Steffen Stiebler (" Der müsste vielleicht noch entscheidungsfreudiger werden "), Sven Liesegang (" Sven kenne ich nur als Spieler, seine Arbeit als Trainer kann ich nicht beurteilen ") und Oleg Kuleschow (" Seine Fähigkeiten, ein Spiel zu lesen, sind Gold wert ") derzeit drei Ehemalige die Geschicke des Vereins mit leiten.

" Das sind welche von hier, die haben Stallgeruch, und das befürworten die Fans des SCM bestimmt. Aber es braucht sicher seine Zeit, bis erste richtige Erfolge sichtbar werden. Das fordert Geduld und Vertrauen. Und beides sollte man ihnen auch zugestehen ", so Schütte, zu dessen Gunsten beim traditionellen Preisskat des SCM am 11. März ein Nationaltrikot von " Jogi " Bitter versteigert werden soll.

Derweil drückt " Reini " ganz fest die Daumen, dass sein " Kumpel " Oleg ihn bald mal nach einem Spiel anruft und von einem Sieg des SCM berichten kann.