Der SCM kann es ja doch noch! Gestern feierte die Mannschaft von Interimstrainer Sven Liesegang einen standesgemäßen 34:29 (14:15)-Heimsieg gegen Tabellennachbar TuS N-Lübbecke. Vor 4565 Zuschauern drehten die Gastgeber in der zweiten Halbzeit richtig auf und zelebrierten den lang vermissten Gegenstoß-Handball. Ein Zwischenspurt vom 21:19 auf 25:19 stellte 15 Minuten vor Ultimo die Weichen zum Sieg.

Magdeburg. Die Gäste aus Lübbecke, die den SCM im Oktober noch aus dem Pokal gekickt (33:24) und sich danach sogar bis ins Final Four nach Hamburg gekämpft hatten, plagten Besetzungssorgen. Neben den beiden etatmäßigen Linkshändern fiel kurzfristig auch noch Rückraumkanonier Michal Jurecki aus. Der Bruder von SCM-Kreisspieler Bartosz Jurecki stand aufgrund einer Schulterverletzung nicht im Aufgebot. SCM-Trainer Liesegang hatte sich für einen doppelten Angriffs-/Deckungswechsel entschieden. So tauschten die vorn agierenden Tönnesen und Rojews-ki mit Kabengele und Wiegert die Plätze auf der Bank. Das funktionierte über weite Strecken sehr gut. Der Gastgeber ging mit 2:0 (2. Minute) in Führung. Doch das konnte den Gast nicht schocken. Drei Treffer in Folge, und er zog auf 3:2 (7.) vorbei.

Auch nach dem 4:4-Ausgleich durch Jurecki (8.) gelang es den Magdeburgern nicht, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Im Gegenteil. Trotz Überzahl kassierte man zwei Tore und geriet so sogar mit 6:9 (14.) ins Hintertreffen. Doch das wirkte wie ein Weckruf: Der SCM bekam einen Lauf, fünf Tore am Stück und schon sah die Welt beim 11:9 (21.) besser aus.

Doch statt so weiterzumachen, ließ der Gastgeber den TuS nach dessen Auszeit wieder zurück ins Spiel kommen: Dem 12:12-Ausgleich (25.) folgte der Sprung auf 15:12 (28.). Doch zum Halbzeitpfiff kämpfte sich der SCM auf ein Tor wieder heran.

In der zweiten Halbzeit erlebten die grün-roten Fans endlich die langersehnte Wiedergeburt der Magdeburger Handballtugenden. Aus einer sicheren Deckung heraus, mit einem sich steigernden Eijlers im Tor (16 Paraden) ging die Post nach vorn ab. Nun wurden auch die vielbesprochenen "einfachen Tore" reingemacht. Zudem fanden die Anspiele an den Kreis zu Jurecki (7 Tore) ihren Vollstrecker.

In der 37. Minute erzielt Grafenhorst per Konter die erste Drei-Tore-Führung. Und diesmal blieben van Olphen & Co. am Drücker. Der "Fünferpack" zum 24:19 (43.) war die Vorentscheidung. Beim 30:21 (51.) drohte der Gegner unter die Räder zu geraten – was dann doch noch gelang, war nicht mehr als Ergebniskosmetik.

"Das war ein enorm wichtiger Sieg für uns – auch mit Blick auf unsere Fans, denen wir noch etwas schuldig waren", war Liesegang nach dem Abpfiff sichtlich erleichtert. "In der zweiten Hälfte haben wir endlich so gespielt, wie ich mir das vorstelle."

SCM: Eijlers, Müller – Rojewski 6, Kabengele, van Olphen 4, Tönnesen 3/2, Jurecki 7, Theuerkauf, Grafenhorst 3, Krause, Weber 8/1, Wiegert 3, Böhm, Coßbau.

Lübbecke: Blazicko, Putera - Bartsch 1, Hansen 1, Niemeyer 7, Wiese 6, Olafsson 1, Remer, Rui 1, Tluczynski 8/4, Loke 1, Siodmiak, Tesch 3.
Schiedsrichter: Immel/Klein (Tönisvorst/Ratingen). Zuschauer. 4565.

Siebenmeter: SCM 4/3, Lübbecke 4/4. Zeitstrafen: SCM 2, Lübbecke 2.