Magdeburg. Handball-Bundesligist SC Magdeburg befindet sich im Sinkflug. Trauriger Tiefpunkt war das 19:21 (8:8) in Wetzlar am Freitagabend. In der Rittal-Arena kassierten van Olphen & Co. bereits ihre 15. Niederlage und erzielten dabei so wenig Tore wie nie in dieser Saison. Seit Ende Oktober (30:29 bei TuS Nettel- stedt-Lübbecke) wurde kein Auswärtsspiel mehr gewonnen.

Sicher hat der alte Handball-Grundsatz, dass man Spiele in der Abwehr gewinnt, auch heute noch Gültigkeit. Doch ebenso musste Interimstrainer Sven Liesegang nach sechs Partien unter seiner Regie konstatieren: "Heutzutage kannst du in der Liga ohne die einfachen Tore aus dem Rückraum keine Spiele mehr gewinnen." In Wetzlar waren es nach seiner Rechnung "nur zwei klassische – und damit viel zu wenig".

Der Abwärtstrend ist demnach vor allem der fehlenden Durchschlagskraft im Rückraum geschuldet. Die rechte Seite ist und bleibt dabei die größte Achillesferse: Wenn der einzige etatmäßige Linkshänder, Rojewski, derzeit verletzungsbedingt fehlt, strahlt der rechte Rückraum so gut wie überhaupt keine Gefahr aus. Die "aushelfenden" Rechtshänder erscheinen genauso überfordert wie die einst von Ex-Trainer Michel Biegler hochgeholten Youngster Steinert oder Grohmann, die den Nachweis der Erstligatauglichkeit schuldig blieben.

Van Olphen, mit 110 Toren bester Feldschütze, versucht es auf der Königsposition im linken Rückraum derzeit zu häufig mit der Brechstange. Zudem kraucht der Kapitän aufgrund seines Dauereinsatzes auf dem Zahnfleisch. Es mangelt an Alternativen. Kabengele kommt nach seiner Schulterverletzung nicht richtig in Schwung, den jungen Böhm und Krause fehlt es an Spielpraxis und (Selbst-)Vertrauen.

In der Mitte herrscht seit Wochen Tor-Flaute. Der in die Jahre gekommene Tönnesen, ohnehin nicht der Torgefährlichste, steckt in einer sportlichen Krise. Ersatz-Spielmacher Wiegert will zwar, aber kann die Lücke nicht annähernd mit Klasse füllen.

Und so ziehen sich mangelnde Chancenauswertung, stockender Spielfluss, unvorbereitete Würfe, ideenlose Angriffe und Spieler, denen die Luft ausgeht, inzwischen wie ein roter Faden durch die Spiele der Rückrunde.

Dabei kann es Liesegang nur wenig trösten, dass der derzeit "katastrophale Zustand der Angriffsleistung" nicht zuallerest auf seine Kappe geht, sondern vielmehr das Resultat einer verfehlten Vereins-, Finanz- und Personalpolitik ist. Dazu kommt, dass die von Biegler in der Hinrunde auf Erfolg getrimmte Mannschaft kaum etwas zuzusetzen und der Ex-Coach es zudem versäumt hat, geeignete Alternativen auf entscheidenden Positionen, besonders auf der Mitte, zu entwickeln.

Und so müssen die "Macher" beim SCM, allen voran Interims-Geschäftsführer Steffen Stiebler und sein designierter Nachfolger Marc Schmedt, erkennen: Es gibt mehr als nur die zwei Baustellen ... Gelingt es nicht, den Rückraum für die kommende Saison namhaft zu verstärken, findet sich der SCM vielleicht schon bald im Abstiegskampf wieder.