Steffen Stiebler hatte in der SCM-Geschäftsstelle in der Hinserie nicht nur jede Menge Arbeit im administrativen Bereich zu bewältigen, sondern der ehemalige Kapitän musste auch sportliche Weichen stellen. Mit dem 38-Jährigen sprach Volksstimme-Redakteurin Janette Beck.

Volksstimme : Prokurist, Geschäftstellen-Mitarbeiter - zuletzt hieß es in Bezug auf Ihre Person mehrfach sportlicher Leiter. Welcher Titel wird ihrem Aufgabenbereich am ehesten gerecht ?

Steffen Stiebler : Titel sind mir völlig schnuppe, ich mache nur meinen Job. Nach dem Ausscheiden von Sportdirektor Stefan Kretzschmar mussten dessen Aufgaben auf andere verteilt werden. Und der sportliche Bereich mit der Suche nach dem Trainer und die Vertragsgespräche mit den Spielern fielen in mein Metier.

Volksstimme : Wie beurteilen Sie denn als sportlicher Leiter das Abschneiden in der Hinrunde ?

Stiebler : Man muss sich bei der Bewertung der Realität stellen. Zugegeben, der zehnte Platz ist nicht überragend, aber eben auch nicht enttäuschend. Wir sind momentan mit einer Mannschaft unterwegs, die um einen Mittelfeldplatz spielen kann und den nehmen wir ja auch ein. Dass wir nicht mehr das Niveau der letzten anderthalb Jahre erreicht haben, als bereits überm Limit gespielt wurde, hat Gründe. Die Abgänge der vier Leistungsträger haben Lücken im Kader hinterlassen, die aufgrund der finanziellen Situation nicht komplett aufgefüllt werden konnten. Zudem kam hinzu, dass mit Rojewski und Kabengele gerade zum Saisonstart zwei Leistungsträger nicht zur Verfügung standen. Sie und ein bisschen Glück haben uns gefehlt, um noch etwas besser dazustehen.

Volksstimme : Sind Sie mit den Neuzugängen Gerrie Eijlers und Robert Weber zufrieden ?

Stiebler : Ja, sie haben relativ schnell reingefunden, was auch für die Mannschaft spricht. Gerrie hat vor allem bei den Heimspielen der Deckung einen guten Rückhalt gegeben, so konnten Spiele gewonnen werden, die auf der Kippe standen. Robert spielt insgesamt eine sehr gute Saison.

Volksstimme : Die Rückrunde wird keineswegs leichter, befürchten Sie unter Interimstrainer Sven Liesegang einen Absturz ?

Stiebler : Dass es sehr schwer wird, ist jedem klar. Ich denke aber, wir haben mit Sven Liesegang die optimale Lösung gefunden. Die Entscheidung, ihn als Interimscoach vor den Karren zu spannen, war ja auch kein Alleingang, der Mannschaftsrat war mit eingebunden und hat sich vorbehaltlos hinter die Entscheidung gestellt. Jetzt wird es darauf ankommen, dass alle an einem Strang ziehen und dazu stehen, " Liese " bei seiner Arbeit zu unterstützen.

Volksstimme : Worauf konzentiert sich ihre Arbeit in den nächsten Wochen ?

Stiebler : Nachdem die Spieler nun wissen, dass Frank Carstens als Trainer am 1. Juli kommt, können die Vertragsgespräche forciert werden. Zuallererst die mit Grafenhorst und Theuerkauf, dann jene mit den Perspektivkadern, die man aus dem eigenen Nachwuchs hochholen will. Bei allem, was in diese Richtung getan wird, muss man bedenken, dass wir aufgrund der wirtschaftlichen Situation keine großen Sprünge machen können. Deshalb beschränken wir uns auch bei der externen Suche auf einen Halbrechten und einen Kreisspieler – für den Fall, dass Theuerkauf den Verein verlässt. Generell sind die nächsten Monate von immenser Bedeutung, denn da wird sich entscheiden, wohin die Reise in den nächsten drei, vier Jahren geht. An diesem Zukunftskonzept feile ich gerade kräftig mit, um es tragfähig zu machen.