Mit 16 : 20 Punkten " überwintert " der SC Magdeburg in der Handball-Bundesliga auf Rang zehn. In den bisherigen 18 Spielen der Saison 2009 / 2010 hatte die Mannschaft von Trainer Michael Biegler, der sich zum Jahresende in Richtung TV Großwallstadt verabschiedet hat, weder gravierende " Ausreißer " nach unten noch nach oben. Lässt man die ruhmreiche Geschichte vergangener Zeiten mal beiseite, könnte man ein solches sportliches Abschneiden als " solide " bezeichnen - blamabel dagegen das, was im Pokal abging : Aus in Runde drei.

Magdeburg. Gemessen am Saisonziel einstelliger Tabellenplatz, das sich die Mannschaft trotz erheblicher Personalprobleme zu Beginn der Hinserie gestellt hat, ist das Abschneiden zur " Halbzeit " sicher keine Enttäuschung. Kapitän Fabian van Olphen bewertet es so : " Der zehnte Platz entspricht in etwa unseren Möglichkeiten, wesentlich mehr war mit Blick auf den Kader und die verletzungsbedingten Ausfälle zum Start in die Saison, als einfach nicht drin ", schätzte der Holländer das Zwischenergebnis zur Winterpause relativ nüchtern als " unspektakulär " ein.

Auch René Bethke kommt zu keiner anderen Erkenntnis. " Trainer Michael Biegler hat mit der Mannschaft, die vier Angänge zu verkraften hatte ( Heinevetter Sprenger, Stiebler Vasilakis / d. Red. ), in der Hinserie die Punkte geholt, die man holen musste. Nicht mehr, aber auch nicht weniger - somit hat er einen ordentlichen Job gemacht ", zollte der SCM-Vizepräsident der Arbeit des Trainers, den man zum Jahresende vorzeitig aus seinen bis Juni 2010 laufenden Vertrag entlassen hatte, Respekt. " Ein gesicherter Mittelfeldplatz entspricht in etwa dem, was die Mannschaft in der gegebenen Konstellation zu leisten in der Lage war. "

Acht Pflichtsiege und

ein deftige " Klatsche "

Unterm Strich steht der SCM mit seinen gut eingeschlagenen Neuzugängen Gerrie Eijlers und Robert Weber also genau da, wo er der Statistik nach hingehört. Die acht Erfolge, die bislang verbucht werden konnten, sind allesamt Pflichtsiege gegen Vereine, die in der Tabelle unter dem SCM platziert sind. Doch gegen die Teams, die auf einem einstelligen Rang über dem SCM zu finden sind, gab es leider nichts zu holen.

Während durchaus positiv zu bewerten ist, dass die Magdeburger vor heimischer Kulisse gegen Top-Teams wie Kiel ( 29 : 30 ) und Flensburg ( 28 : 29 ) sich mit denkbar knappen Niederlagen so teuer wie möglich verkauft haben, taten die 40 : 21-Klatsche bei den Rhein-Neckar Löwen sowie die 25 : 29-Heimpleite gegen den " Ost " -Rivalen Berliner Füchse oder der verpatzte 30 : 38-Saisonauftakt in Lemgo besonders weh.

Ebenso ernüchternd ist auch die Auswärtsschwäche. So standen die Magdeburger in acht Partien in der Fremde gleich sechsmal mit leeren Händen da. Wenig tröstend ist auch die Erkenntnis, dass von dem einst gefürchteten Heimnimbus der " Grün-Roten " nicht mehr viel übrig ist. So gingen in der Hinserie von zehn Spielen in der Bördelandhalle vier verloren. Und selbst gegen vermeintlich " kleine Gegner " wie Minden oder Dormagen tat sich der SCM vor heimischer Kulisse zuletzt so schwer, dass einem Angst und Bange vor der Rückrunde wird. Da stehen solche " Kracher " wie Hamburg, Göppingen, die Löwen oder auch Gummersbach ins Haus.

Sven Liesegang, der die Mannschaft ab 13. Januar als Interimstrainer übernimmt und am Ende der Saison möglichst auf einem " gesicherten Mittelfeldplatz " an den neuen Cheftrainer Frank Carstens übergeben soll, ist um seinen Job nicht zu beneiden. Nicht nur das Rückrundenprogramm hat es in sich, Liesegang übernimmt auch viele unfertige Baustellen. Denn, dass sein Vorgänger Biegler in seinem 22-monatigen " Gastspiel " beim SCM aus einem minimalen Kader das Maximale herausgeholt hat, ist nämlich nur die halbe Wahrheit. Es gab durchaus auch Dinge im Umfeld, die über Monate hinweg schiefgelaufen sind und nun mit einem Kraftakt in die richtigen Bahnen gelenkt werden müssen.

Bieglers Verdienste

und Versäumnisse

So ist auffällig, dass beim SCM neben der miserablen Siebenmeterquote von unter 60 Prozent ( 57 / 99 ) und dem schlecht umgesetzten Überzahlspiel vor allem die Abwehr in der Hinrunde zunehmend schwächelte. Dabei war diese vor einem Jahr noch das Prunkstück, als man in der Hinserie zum Team mit den wenigsten Gegentoren avancierte. Damals sicher auch ein Verdienst von Abwehr-Chef Steffen Stiebler, dessen Abgang die Biegler-Truppe nicht kompensieren konnte.

Youngster Dennis Krause, der prädestiniert schien, in die Fußstapfen seines Vorgängers hineinwachsen zu können, bekam von Biegler nie eine echte Chance und wurde nach sieben Einsätzen zur zweiten Mannschaft abgeschoben. Ebenso negativ ist zu sehen, dass die Positionen des Spielmachers, Halbrechten und Rechtsaußen nur einfach besetzt sind und es an Alternativen mangelt.

Überhaupt scheint es dem SCM jetzt auf die Füße zu fallen, dass Biegler und auch Ex-Sportdirektor Stefan Kretzschmar frühzeitig den Spielern der zweiten Mannschaft die Erstligatauglichkeit abgesprochen und man sich stattdessen bei der A-Jugend bedient hatte. So " versauerten " hoffnungsvolle Talente. Dabei hätten die Linkshänder Tobias Reichmann oder Hannes Lindt ( beide verließen die SCM-Reserve im Sommer ) bzw. aktuell ein Alexander Auerbach, Nicolay Hauge als Mittelmann oder Patrick Schulz im Tor eine Chance durchaus verdient gehabt. Möglicherweise hätten sie der Mannschaft phasenweise genauso gut oder gar besser helfen können, als es die ( zu ) jungen Christoph Steinert und Frank Grohmann vermochten. Beide konnten nicht wie erhofft fest ins Team integriert werden.

SCM-Interimstrainer Sven Liesegang obliegt nun im nächsten halben Jahr die schwere Aufgabe, die Schwächen ab- und die Stärken auszubauen sowie im Sinne einer sportlichen Perspektive und Weiterentwicklung der Talente die Zusammenarbeit der ersten mit der zweiten Mannschaft zu forcieren.