Rückraum-Kanonier Karol Bielecki spielt bei den Rhein-Neckar Löwen die Saison seines Lebens. Mit dem 26-jährigen polnischen Vizeweltmeister von 2007, der von 2004 bis 2007 beim SC Magdeburg spielte und in der laufenden Saison mit 73 Toren erfolgreichster Werfer der Löwen ist, sprach Volksstimme-Redakteur Klaus Renner.

Volksstimme : Was empfinden Sie, nachdem Ihr ehemaliger Verein bei Ihrem neuen Verein so arg unter die Räder gekommen ist ?

Karol Bielecki : Das war eine starke Leistung von uns. Bei uns lief fast alles. Wenn wir das wiederholen können, werden es auch ganz andere Gegner schwer haben. Da muss man sich beim SCM nicht grämen.

Volksstimme : Verfolgen Sie noch die aktuelle Entwicklung beim SCM ?

Bielecki : Weniger. Klar, habe ich immer noch einen recht engen Kontakt zu Bartosz Jurecki. Wir sehen uns in der polnischen Nationalmannschaft und haben auch in der Woche vor dem Spiel miteinander telefoniert, aber gegenseitig natürlich keine taktischen Maßnahmen verraten.

Volksstimme : Wie sehen Sie Ihre Zeit beim SCM fast auf den Tag zwei Jahre nach Ihrem Wechsel zu den Löwen ?

Bielecki : Ich hatte in Magdeburg schöne, aber auch schwierige Phasen. In positiver Erinnerung bleibt die Zusammenarbeit mit den tollen Trainern Alfred Gislason und Bogdan Wenta. Und nicht zu vergessen : Wir haben 2007 mit dem SCM den EHFPokal gewonnen. Was dann folgte, war nicht mehr so schön, aber darüber möchte ich nicht mehr reden. Das ist abgehakt. Jetzt konzentriere ich mich auf Top-Leistungen bei den Rhein-Neckar Löwen.

Volksstimme : War dennoch das Spiel gegen den SCM ein besonderes für Sie ?

Bielecki : In Deutschland muss man in jedem Spiel 100 Prozent bringen, damit man erfolgreich ist. Darum kann ich nicht noch motivierter als sonst sein. Aber gerade gegen die alten Freunde ist es schön zu gewinnen und dann entspannt in der Kabine zu sitzen.

Volksstimme : Haben Sie eine Erklärung für Ihr Formhoch ?

Bielecki : Ich fühle mich hier wirklich sehr gut, seit Ola Lindgren unser Trainer ist. Er vertraut mir und glaubt fest an mich. Das tut mir gut und lässt mich selbstbewusster auftreten. Hinzu kommt, dass ich im Sommer zum ersten mal seit zwei Jahren richtig Urlaub hatte und meine Akkus voll aufladen konnte.

Volksstimme : Mit Olafur Stefansson spielt ein weiterer Ex-Magdeburger bei den Löwen. Wie ist Ihr Verhältnis zu " Ole "?

Bielecki : Ich profitiere eindeutig von seinen Zuspielen und seiner Übersicht. Die gesamte Mannschaft wird besser, wenn solch ein Spieler dabei ist.

Volksstimme : Gegen den SCM haben Sie es viermal bewiesen –Ihr Wurf ist einer der härtesten der Liga ? Trainieren Sie das speziell ?

Bielecki : Die besonders harten Würfe habe ich nie extra trainiert. Ich hatte diesen Wurf von Anfang an. Er ist sozusagen ein Geschenk Gottes. Aber ich kann auch mehr, wie etwa meine Außenspieler oder den Kreisläufer einsetzen und helfe damit der Mannschaft.

Volksstimme : Im ersten EMSpiel treffen Sie mit Polen auf Deutschland. Hätten Sie sich ein anderes Los gewünscht ?

Bielecki : Es kommt wie es kommt. Wir sind eben mal wieder mit den Deutschen in einer Gruppe, wie zuletzt bei der WM in Kroatien. Vor einem Jahr haben wir das Duell verloren. Diesmal wollen wir den Spieß umdrehen.

Volksstimme : Was ist Ihr Ziel bei den Europameisterschaften in Österreich ?

Bielecki : Wir haben eine schwere Gruppe erwischt. Aber wir sind eine sehr gute Mannschaft. Ich glaube, dass wir wieder um die Medaillen kämpfen werden. Warum sollte es uns nicht möglich sein, unseren dritten Platz von der WM 2007 bei der EM zu wiederholen.