Wenn es wirklich einen Handball-Gott gibt, dann hat der sich am späten Dienstagabend wohl eine kleine " Auszeit " gegönnt. Denn gerecht erschien es in der gut gefüllten Bördelandhalle allenfalls den mitgereisten Kieler Fans, dass die aufopfernd kämpfenden SCM-Spieler trotz einer 28 : 27-Führung drei Minuten vor Ultimo als Verlierer vom Feld gingen. Verständlich, dass weder der anerkennende Beifall der Fans noch Lob des Gegners über die Enttäuschung hinwegtrösten konnten.

Magdeburg. Der mit neun Toren überragende Andreas Rojewski hätte der Spieler des Abends werden können, doch dem Linkshänder war das Glück des Tüchtigen nicht hold. So standen dem " tragischen Helden " nach dem Abpfiff zum 29 : 30 Tränen in den Augen.

Und es war in der Tat zum Heulen, dass die Biegler-Truppe trotz zuvor ereilter Hiobsbotschaft vom vorzeitigen Abgang des Trainers mit vereinter Kraft den Goliath THW Kiel zwar zum Wanken, aber eben nicht zu Fall gebracht hatte. " Der letzte Eindruck bleibt, und das war eben mein verschossener Siebenmeter ", fiel es Rojewski schwer, sich an seiner starken Leistung aufzurichten. Auch wenn sie jedem anderen angesichts der Tatsache, dass der Rückraumschütze nach seiner schweren Fußverletzung erst seit vier Wochen wieder im Spielbetrieb ist, riesigen Respekt zollte.

" Hätte ich zum 29 : 29 getroffen, wäre noch eine Minute Zeit gewesen, um noch einmal mit der bis dahin superstarken Abwehr den Angriff der Kieler abzuwehren und im Gegenzug das Ding noch zu ziehen. Aber so ist die Enttäuschung riesengroß, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen und wir für unser Aufbegehren und unseren Kampf und das Publikum für die tolle Stimmung in der Halle nicht belohnt wurden ", war der 24-Jährige zunächst einmal untröstlich.

Ebenso erging es Rechtsaußen Robert Weber, der den Punktverlust aufgrund seines " Aussetzers " in der entscheidenden Schlussphase auf seinen Tisch ziehen wollte. " Da hatten wir die Chance, mit zwei Toren in Führung zu gehen, und ausgerechnet ich muss patzen. Im Gegenzug gleicht Jicha zum 28 : 28 aus, das war ‘ s ", ärgerte sich der Neuzugang über seinen Fehler und vergaß dabei völlig, dass gerade auch der Kleinste, wie überhaupt die gesamte SCM-Abwehr, Großes geleistet hatte. Wie sich Wiegert, Kabengele, van Olphen oder auch Jurecki den Zwei-Meter-Recken des THW Kiel entgegenstemmten, rührte das grün-rote Handball-Herz.

Auch der Neu-Kieler Christian Sprenger staunte nicht schlecht. " Wir haben uns teilweise sehr schwergetan, dabei hatten wir den perfekten Start. Durch leichte Fehler haben wir Magdeburg wieder ins Spiel gebracht. Aber der THW wäre nicht der THW, wenn er nicht in der entscheidenden Phase wieder voll da ist ", rekapitulierte der Rechtsaußen, der im Sommer verkauft werden musste, um dem SCM die Lizenz zu retten.

Dass noch immer zwei Herzen in seiner Brust schlagen, war allein unverkennbar. Nicht nur, dass " Sprengi " nach dem Einlauf aus Gewohnheit zur Magdeburger Bank ging und über seinen Irrtum lachen musste. Auch nach dem Spiel saß er noch bis tief in die Nacht mit den alten Kumpels zusammen. " Es war eine Wahnsinnsstimmung in der Halle und für mich sehr interessant, aber auch komisch, dies nun aus der Sicht des Gegners mitzuerleben. Auch wenn ich mich als Kieler über den Sieg freue, so tut es mir für meine ehemaligen Mitspieler und die einmaligen SCM-Fans leid, dass es nicht gereicht hat. "

Und auch SCM-Geschäftsführer Lesse spendete Trost : " Wir hätten zumindest einen Punkt verdient. Ich bin trotzdem stolz auf die Leistung des Teams, denn es hat mit Würde verloren. Das Spiel war Werbung für den Handball. "