Es gibt viele Nationalmannschaften auf dieser Welt, die nicht annähernd so gut besetzt sind wie Handball-Bundesligist HSV Hamburg. Die Hansestädter, in der Punkterunde zuletzt in Göppingen überraschend 35 : 36 unterlegen, erwarten heute ( 19. 15 Uhr / live DSF ) in der Color-Line-Arena den SCM.

Magdeburg. " Es ist wie in der vergangenen Saison : Wir treffen fast immer auf Mannschaften, die im Spiel zuvor gepatzt haben ", erinnert sich SCM-Rückraumspieler Bennet Wiegert. Und richtig : Abgesehen vom erwarteten 34 : 27-Auswärtssieg in der Champions League beim FC Kopenhagen verpasste es der HSV Hamburg, sich in der Bundesliga mit einem Erfolg in Göppingen ganz vorn zu etablieren. So bleibt es beim Kopf-an-Kopf-Rennen der derzeitigen " Übermannschaften " in Deutschlands Eliteliga, Kiel ist mit einem, Hamburg mit zwei Minuspunkten belastet.

HSV-Trainer Martin Schwalb stellt dem SCM ein gutes Zeugnis aus : " Eine homogene Truppe mit großem Kampfgeist und durch den Auftritt gegen Kiel im Aufwind. Wir stellen uns auf einen Kampf bis zum Schluss ein und gehen dementsprechend ins Spiel. Mit unseren Fans im Rücken haben wir aber auch einen großen Vorteil auf unserer Seite. "

Bis gestern waren für die heutige Partie weit über 9000 Tickets verkauft. SCM-Trainer Michael Biegler rechnet wohlbegründet mit mehr als 10 000 Fans : " Diese stimmgewaltige Kulisse macht es uns ungleich schwerer als im Heimspiel gegen Kiel. Machen wir uns nichts vor : Kiel und Hamburg sind die Top-Teams der Bundesliga. Beide heben sich in Quantität und Qualität deutlich von allen anderen ab. Trotzdem wollen wir an unser Kiel-Spiel anknüpfen. "

Nach Bieglers Auffassung kann derzeit keine Mannschaft der Liga den beiden norddeutschen Teams das Wasser reichen : " Wenn sie ihr perfektes Spiel zeigen, kommt keiner heran. Sie haben eben solche personellen Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass der HSV leider in Göppingen einen großen Unfall produziert hat und sich so schnell nicht noch einmal überraschen lassen wird. "

Zwar angriffslustig, aber auch realistisch zeigt sich SCM-Kapitän Fabian van Olphen : " Der HSV wird nach der Niederlage gegen Göppingen gegen uns hoch motiviert sein. Andererseits haben wir zuletzt gegen Kiel 55 Minuten lang einhundert Prozent gespielt, und es gibt bestimmt noch Prozentpunkte, wo wir nachlegen können. " Den HSV stuft der Holländer " noch besser als Kiel und mit dem Publikum im Rücken " sogar als ersten Meisterschafts-Anwärter ein. Und doch keimt bei " Tulpe " ein Fünkchen Hoffnung : " Auch die Hamburger sind Menschen und keine Roboter. Unser Ziel ist, sie zu schlagen, obwohl das sehr, sehr schwer wird. " Dass Hamburg wie Kiel " ein anderes Kaliber " darstellt, weiß auch Bennet Wiegert : " Allein, wenn man die großen Namen sieht, weiß man, was dahintersteht. Aber ich hoffe, wir kommen wie gegen Kiel über den Kampf ins Spiel. "

Der letzte Jubel der Gladiators nach einem Sieg über den HSV Hamburg liegt schon mehr als drei Jahre zurück. Bei jenem 31 : 20 am 13. Oktober 2006 in der Bördelandhalle standen aus dem heutigen SCM-Team nur vier Aktive auf der Platte : Theuerkauf, van Olphen, Jurecki und Rojewski.

Übrigens : Der SCM reist heute direkt zum Spiel an, nutzt kein Tageshotel. Das war zuletzt vor dem Pokal-Aus in Lübbecke der Fall. Der Glaube versetzt bekanntlich Berge …