Wer am Mittwochabend im altehrwürdigen Handball-Tempel Gieselerhalle das begeisternde Spiel der SCM-Youngsters beim 40 : 27-Kantersieg über Bernburg gesehen hat, dürfte sich ein Déjàvu-Erlebnis 48 Stunden später in der Bördelandhalle gewünscht haben. Ob heute tatsächlich ähnlich die Post abgeht, wenn der SCM um 19. 45 Uhr die HSG Wetzlar empfängt, liegt zuallererst an der Biegler-Truppe selbst, zumal sie nach der letzten Heimniederlage gegen die Füchse noch etwas gutzumachen hat. Von Janette Beck

Magdeburg. " Das ist ja schon langsam unheimlich ", staunte auch Olaf Haase, Co-Trainer der SCM-Youngsters, nachdem die " jungen Wilden " gegen Bernburg nahtlos an die starke Leistung im vorangegangenen Heimspiel gegen HSV Hannover ( 37 : 22 ) anschließen konnten. Die Herzen der Magdeburger Fans hatten die ehrgeizige Mannschaft von Neu-Trainer Christan Prokop ohnehin mit ihrer Präsentation der Magdeburger Handball-Tugenden im Sturm erobert. Der Tenor von den Rängen war angesichts der Spielfreude, des Torhungers, einer starken Abwehrleistung und der offensichtlichen Harmonie einhellig : So macht das Zuschauen Spaß !

Allen voran beeindruckte Nicolay Hauge. Der Norweger, der 2008 von Ex-Sportdirektor Stefan Kretzschmar zum SCM geholt worden war, um Stian Tönnesen als Spielmacher zu beerben, erzielte auf Halblinks insgesamt 13 Tore, zehn davon in der ersten Hälfte. Dabei profitierte der 21-Jährige, der seit der neuen Saison nicht mehr zum Kader der ersten Mannschaft gehört, von dem erneut grandios aufspielenden Regisseur Alexander Auerbach. Der gebürtige Köthener spielt nach Aussage von Prokop bislang eine überragende Saison, hält sich diszipliniert an die taktische Vorgabe und setzt seine Mitspieler hervorragend in Szene. Wenn nach Krause, Grohmann, Coßbau und Steinert, die ohnehin bereits " oben " aushelfen, einer eine Einsatzchance in der ersten Mannschaft verdient hätte, " dann wohl zuallerst Auerbach ", glaubt auch der Youngsters-Coach.

Dass neben Auerbach und Hauge auch die beiden Torhüter Schulz und Quenstedt laut an die Gladiators-T ür klopfen, wird auch deren Trainer Michael Biegler nicht verborgen geblieben sein. Allerdings wollte sich dieser gestern zur Leistung der ambitionierten Talente nicht äußern. " Das kann und will ich nicht, da ich das Hannover-Spiel nicht gesehen habe und aufgrund unserer eigenen Vorbereitung auf Wetzlar mir nur die zweite Halbzeit anschauen konnte und mich zuallererst auf die Spieler konzentriert habe, die derzeit bei mir spielen ", so Biegler, der zudem darauf verweist, dass derartige Leistungen " natürlich auch immer vom Gegner abhängig " sind. " Aus meiner Sicht ist Bernburg kein echter Gradmesser, sondern Ahlen, Hamm oder Nordhorn-Lingen. "

Unabhängig davon müsse man aber die größte Baustelle im eigenen Team im Auge haben, betonte Biegler gestern, " und das ist nun mal bei uns der rechte Rückraum ", so der Coach, der heute gegen Wetzlar erstmals alle Spieler an Bord haben wird. " Aber auch wenn unsere Brennpunkte derzeit andere als das Tor oder die Spielmacherposition sind, so heißt das nicht, dass irgendwo Türen zu sind. Ich habe noch nie jemanden weggeschickt, der bei mir trainieren wollte ... "