Er steigerte sich langsam, aber gewaltig. Im fünften Pfl ichtspiel der Saison schließlich zeigte Stian Tönnesen, der Spielmacher des SC Magdeburg, die bisher beste Leistung der Saison. Vor allem der ersten Halbzeit gegen Aufsteiger Hannover-Burgdorf drückte der Norweger seinen Stempel auf, glänzte einmal mehr mit seinen tollen Anspielen, aber auch als sechsfacher Torschütze.

Magdeburg. Der Aufwärtstrend deutete sich schon im Pokalspiel vergangene Woche beim HC Neuruppin an. Da steuerte der 35-Jährige, der im Sommer 2007 zum SCM gekommen ist und davor vier Jahre in Lübbecke spielte, acht Tore zum 32:28-Erfolg bei. Auch wenn dies "nur" gegen einen unterklassigen Gegner war, so zog sich Tönnesen an seiner guten Wurfquote hoch. "Acht Tore werfe auch ich nicht alle Tage. Das gibt einem das Selbstvertrauen und die Sicherheit, so dass man wieder ohne groß nachzudenken abziehen kann", so der Norweger, der dem Oberligisten "mittleres Regionalliga-Niveau" attestierte.

Gegen Hannover-Burgdorf unterstrich der Wahl-Biederitzer, der sich mit Frau und Sohn Colin am Rande Magdeburgs "pudelwohl" fühlt, seinen Formanstieg erneut. Und mit etwas Verzögerung bestätigte Tönnesen damit die Voraussage von Trainer Michael Biegler, der seinem Spielmacher eine "hervorragende Vorbereitung" bescheinigte hatte, ("Stian hat sich auffallend positiv präsentiert und ist für den Saisonstart richtig gut aufgestellt.").

Doch wider Erwarten lief es gar nicht so gut bei Tönnesen an. Er kam nicht wie erhofft zum Zuge, ihm unterliefen mehr Fehler, als man es von dem Routinier gewohnt war, und er strahlte teilweise noch zu wenig Torgefahr aus. Beim Blick zurück auf die drei Auftaktniederlagen und den damit schlechtesten Bundesliga-Saisonstart der Vereinsgeschichte spart "Toni", der erst mit 28 sein Nationalmannschaftsdebüt feierte und bislang 16 Länderspiele für Norwegen bestritt, auch nicht mit Selbstkritik: "Natürlich war ich unzufrieden, weil es bei mir anfangs nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt habe." Dabei sehe er das Missverhältnis des Leistungsvermögens zwischen Vorbe reitung und Saisonstart ähnlich wie der Trainer: "Die Vorbereitung, die ich erstmals beim SCM komplett und ohne Probleme mitmachen konnte, lief tatsächlich sehr gut für mich. Doch Vorbereitung und Punktspiele sind eben zwei ganz verschiedene Paar Schuhe", erklärte der Regisseur, der beim SCM bis zum Sommer 2011 unter Vertrag steht, am Rande des Sonntagsspiels.

Bei seiner Formsuche habe er sich nicht unter Druck gesetzt, sondern die Kraft aus der Ruhe geschöpft. Tönnesen: "Ich bin lange genug dabei, um zu wissen: So ist der Sport. Man kann sich super vorbereiten und trotzdem klappt es nicht immer, wie man sich das vorstellt. Ich bin aber nicht der Typ, der nach Rückschlägen oder Niederlagen den Kopf in den Sand steckt oder sich zu Hause eingräbt. Ich versuche trotzdem, mich zu steigern, es beim nächsten Mal besser zu machen und der Mannschaft zu helfen."

Und so weiß der introvertierte Handballer mit dem genialen Händchen für finale Pässe auch, wo seine größten Reserven liegen: "Da wir personell noch immer geschwächt sind, müssen wir im Angriff die Last auf breite Schultern verteilen. Das heißt für mich, dass ich nicht nur Vorbereiter sein darf, zumal jeder weiß, dass das Anspiel an den Kreis kommt, sondern alternativ auch versuchen muss, selber Tore zu machen."

Ebenso wie er habe auch die Mannschaft ihr Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft, glaubt der 1,88 Meter große Mittelmann. "Uns war klar, dass der Auftakt ganz schwer wird. Nach 0:6 Punkten konnte es ja nur noch besser werden. Der Sieg gegen Hannover-Burgdorf war ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber wir können viel mehr. Wenn wir uns weiter stabilisieren, die Fehler minimieren und nach und nach die Langzeitverletzten wieder zur Mannschaft stoßen, wird es sicher noch weiter nach oben gehen."