Magdeburg. Die aktuellen Querelen bei den Handballern des SC Magdeburg haben inzwischen auch voll auf das Präsidium des Gesamtvereins durchgeschlagen. Gestern Abend traf sich das Gremium zu einer Sondersitzung. Die Volksstimme sprach mit Interims-Präsident René Bethke.

" Das erschüttert mich einfach ", sagte Bethke zu den Vorgängen der vergangenen Tage. Am Montag waren Manager Holger Kaiser und Aufsichtsratschef Johannes Kempmann überraschend zurückgetreten. Dem vorausgegangen war ein Machtkampf zwischen Sportdirektor Stefan Kretzschmar und Kaiser.

In einer Presseerklärung zur aktuellen Lage in der Handball-GmbH hatte es das Präsidium " als oberste Priorität " bezeichnet, " dass im Mittelpunkt der Anstrengungen die Verantwortung um den SC Magdeburg stehen muss ". Das bedeutete de facto : Sportdirektor Stefan Kretzschmar darf bleiben, Kaiser muss gehen. Bethke bedauerte diese Entwicklung und den entstandenen Machtkampf zwischen beiden. Er habe stets eine Tandemlösung angestrebt. Mit Blick auf Kretzschmar sagte der Interims-Präsident : " Es gab überhaupt keinen Grund, Terror zu machen. Dieser Machtkampf war so überf üssig wie ein Kropf. "

Zur Situation nach dem Rücktritt von Kaiser und Kempmann meinte er : " Ich bin enttäuscht von Herrn Kretzschmar, wie er es geschafft hat, die Leute aufzuwiegeln. "

Er sei überrascht, so der Interims-Präsident, welche " Angriffswut " es im Internetforum des SC Magdeburg gebe. Es sei " ein Fehler ", diese Plattform zu bieten. " Das habe ich nicht beachtet. " Das Präsidium hatte in seiner Erklärung von einer " angeheizten Treibjagd " gegen Kaiser gesprochen.

Bethke bestätigte erstmals öffentlich, dass er auf der SCM-Delegiertenkonferenz am 14. Mai nun doch nicht, wie zunächst angekündigt, für das Präsidentenamt kandidieren werde. " Ich bin eher der, der im Hintergrund f eißig aktiv ist. In dieser Phase wird ein starker Mann gebraucht. "

Durch die jetzt bekanntgewordenen neuen positiven Fakten zur wirtschaftlichen Situation der Handball-GmbH ( Kempmann : " Wir sind f nanziell über den Berg. ") sieht Bethke die Chance dafür, wieder mögliche Bewerber für das Präsidentenamt anzusprechen. In den zurückliegenden Monaten war immer wieder Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre als ein Kandidat gehandelt worden. Der CDU-Politiker hat sich in dieser Frage bislang bedeckt gehalten.

Es müsse nunmehr darum gehen, so Bethke, im SCM " einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir müssen die Geschäfte sachlich weiterführen ". Einen Rücktritt des Präsidiums lehne er persönlich zum derzeitigen Zeitpunkt allerdings ab. " Wenn aber alle Stricke reißen, müssen wir am 14. Mai die Vertrauensfrage stellen. Das ist auf jeden Fall eine Option. "