Magdeburg. Trotz der jetzt bekanntgewordenen Steuernachforderungen kann der SC Magdeburg mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er auch für die kommende Saison die Lizenz für die Handball-Bundesliga erhält. Noch-Manager Holger Kaiser zeigte sich gestern " sehr, sehr zuversichtlich ". Am 17. April müssen die Unterlagen eingereicht werden, Mitte Mai wird mit einer Entscheidung gerechnet.

Nachdem die Handball-GmbH ( HMD ) seit 2007 zweimal vor der Insolvenz gestanden hatte, ist sie nach den Worten von Kaiser jetzt " vollumfänglich saniert ". Die Lage sei " entspannt ".

Der scheidende Aufsichtsrats-Vorsitzende Johannes Kempmann : " Die HMD steht heute so solide da wie seit zehn Jahren nicht mehr. Alle Altlasten wurden sauber abgearbeitet. Das war eine Titanenarbeit. Wir mussten viel, viel Geld einsammeln. Jetzt können wir ein geordnetes Haus übergeben. Wir sind f nanziell übern Berg. Und sportlich stehen wir sehr gut da. "

Kaiser ergänzend : " Wir haben unsere Arbeit gemacht. Unsere Nachfolger müssen nun mit dem Geld auskommen, was sie einnehmen. "

Bis zuletzt war für die HMD die zu erwartende Steuernachforderung des Finanzamtes Magdeburg eine unbekannte Größe gewesen. Nach dem gestrigen Abschlussgespräch mit der Finanzbehörde steht fest : Es müssen für die Jahre 1999 bis 2007 insgesamt 252 000 Euro nachgezahlt werden. Es war weit Schlimmeres befürchtet worden. Der ursprüngliche Betrag hatte nach Volksstimme-Informationen vorübergehend sogar bei über 1, 7 Millionen Euro gelegen.

Die HMD will die Steuerschuld auf jeden Fall noch vor dem Saisonende im Juni auf einen Schlag begleichen.

Ursache für die Steuernachforderungen ist ein Fehlbetrag aus den Spielzeiten 1999 bis 2007 in Millionenhöhe. Zum ersten Mal enthüllte Kaiser in diesem Zusammenhang mit konkreten Zahlen, wie es fnanziell in der Ära Hildebrandt gelaufen ist. Demnach wurden in den genannten Jahren 1999 und 2007 insgesamt 2, 522 Millionen Euro aus dem Tresor der HMD entnommen. Diese Summe tauchte dann später nicht in der offiziellen Bilanz auf. Allein in der Saison 2004 / 2005 seien 560 000 Euro aus der Kasse entnommen worden.

Wohin all das Geld floss, damit, so Kempmann, müsse sich die Staatsanwaltschaft befassen. " Wir wissen es nicht. Es wurde auf jeden Fall ein immenser Schaden angerichtet, bei der HMD und beim Eigentümer SCM. "

Natürlich müsse sich die HMD auf zivilrechtlichem Wege diese Summe bei Ex-Manager Bernd-Uwe Hildebrandt zurückholen : " Das kann ja gar nicht anders sein. Das ist Vermögen der HMD, das schlicht fehlt. Daran ist nichts zu drehen. "

In den 2, 522 Millionen Euro sind laut Kaiser auch Schwarzgelder in Höhe von 90 000 Euro enthalten, die an die inzwischen beim Bundesliga-Rivalen Rhein-Neckar Löwen spielenden Grzegorz Tkaczyk und Karol Bielecki gezahlt worden waren. Das hätten die beiden Spieler bei Vernehmungen durch die Polizei zugegeben, so Kempmann. Keine Abgaben wurden ebenso für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit sowie für von der HMD für Spieler bereitgestellte Autos und Wohnungen gezahlt.

Trotz des finanziellen Wirbels müssen die Spieler des aktuellen Kaders, die gestern Mittag über die aktuellen Entwicklungen informiert wurden, nicht um ihre Gehaltszahlungen fürchten. " Die Gehälter sind bis Saisonende sicher ", sagte Kempmann. " Da sind wir noch in der Verantwortung. "

Ebenso werde sein Unternehmen SWM seine als Sponsor gegebenen Zusicherungen einhalten. " Wir haben Interesse daran, dass es in Magdeburg weiter guten Handball gibt. Solange das Produkt SCM positiv besetzt ist ", so der scheidende Aufsichtsrats-Chef, " werden wir uns deshalb auch nicht schmollend zurückziehen ".