In der O 2-Arena, ganz in der Nähe des Berliner Ostbahnhofes, wird sich morgen entscheiden, wohin die Reise des SC Magdeburg nach vier Niederlagen in Folge geht. Oberstes Gebot vor dem Punktspiel bei den Berliner Füchsen ist, den Sand aus dem Getriebe zu entfernen, denn im Angriff knirschte es zuletzt am meisten. Die zuhauf produzierten Fehler beschäftigen auch Fabian van Olphen und Stian Tönnesen, denn ihre Aufgabe ist es, als Kapitän beziehungsweise Spielmacher die entscheidenden Impulse zu geben.

Magdeburg. Stian Tönnesen ist ein " Leisetreter ". Den norwegischen Spielmacher des SC Magdeburg, der heute seinen 35. Geburtstag feiert, bringt so schnell nichts aus der Fassung. Kritik an seinen Mitspielern würde der Familienvater niemals öffentlich äußern.

" Ich bin nicht der Typ, der die anderen auf dem Feld zusammenscheißt, wenn ‘ s mal nicht läuft. Das ist in meinen Augen nicht der richtige Weg, denn jeder ärgert sich selbst am meisten über die eigenen Fehler. Da hilft es nicht, wenn ich auch noch laut werde und draufzuhaue ", erläutert der fligrane, 1, 88 große Denker und Lenker seine Def nition vom Führungsspieler. " Ich denke schon, dass ich ein Führungsspieler bin. Aber was zu sagen ist, sage ich eben in der Kabine. Und da kann ich auch schon mal böse werden. "

So kann man also getrost davon ausgehen, dass der Norweger die Fehler-Arie gegen Gummersbach und die ebenso wenig rühmliche erste Halbzeit gegen Hamburg in der Kabine ausgewertet hat. " Seit drei Spielen läuft es im Angriff einfach nicht, wir machen durch die Reihe einfach zu viele Fehler – auch ich. Es sind nicht unglaublich viele, aber eben zu viele Fehler, und das fällt auf ", übt der Ex-Nationalspieler auch Selbstkritik.

Doch Kapitän Fabian van Olphen springt ihm sofort zur Seite. " Dass es vorn nicht läuft, liegt bestimmt nicht zuerst an Stian. Er versucht alles, um seine Nebenmänner in Position zu bringen. Wir würden viel besser dastehen, wenn wir alle seine Top-Anspiele in Torerfolge ummünzen würden ", bricht der Holländer eine Lanze für den Spielmacher.

Doch eine Antwort auf die Frage, warum momentan im Angriff der Wurm steckt, hat auch van Olphen nicht parat : " In der Hinrunde waren wir ein ICE, jetzt sind wir eher als Regionalbahn unterwegs – der Spielfuss ist einfach weg. Früher, da ging der Ball schnell durch die Reihen, jetzt stockt es schon nach ein, zwei Stationen. Aber ich habe keine Ahnung, warum das so ist. "

Für Tönnesen, der im Sommer 2007 vom TuS Lübbecke kam und seinen Vertrag beim SCM vorzeitig bis 2011 verlängerte, weil er und seine Familie sich in Magdeburg pudelwohl fühlen, ist es " eine spannende und verantwortungsvolle Aufgabe ", im Zusammenwirken mit Trainer Michael Biegler Ideen und Strategien zu entwickeln, wie man zu alter Stärke zurückfndet. Dass er dabei auf der Mitte nahezu allein auf sich gestellt ist, weil der SCM seit Jahren ein " Nachwuchsproblem " auf der Spielmacherposition hat, macht ihn nicht amtsmüde. " Wieso sollte das ein Problem sein, ich kenne das seit zehn Jahren nicht anders. Früher bei Ystad und danach in Lübbecke war ich auch der einzige Spielmacher. "

Und so hat sich Tönnesen in den letzten Tagen viele Gedanken darüber gemacht, wie er sein Team wieder zurück in die Erfolgsspur dirigieren kann : " Es ist schwer zu sagen, woran es am Ende liegt, dass die Erfolge ausbleiben. Aber Handball ist nun mal kein Hokuspokus – es sind viele Kleinigkeiten, die zusammenkommen und am Ende zum Ergebnis führen ", so der Norweger.

Im " superwichtigen Spiel bei den Füchsen " hofft er nun auf die Wende zum Guten. " Eigentlich haben wir ja gute Chancen, aber wir machen im Abschluss zu wenig daraus. Das heißt, wir müssen im Training daran arbeiten, dass wir sicherer werden und das Gefühl füreinander wiederbekommen. Ich bin sicher, dann bleibt auch der Erfolg nicht aus. "