Magdeburg: Heinevetter, Müller – Vasilakis 5, Grafenhorst 5, Theuerkauf 4 / 1 van Olphen 3, Wiegert 1, Rojewski 1, Krause 1, Tönnesen, Kabengele, Jurecki, Grohmann, Coßbau,

Gummersbach: Stojanovic, Gorobtschuk – Ilic 8 / 2, Szilagyi 6, Alvanos 4, Gunnarsson 4, Rahmel 3, Zrnic 2, Krantz 2, Tuzolana 1, Wagner, Vukovic, Pfahl.

Zuschauer: 5500. Schiedsrichter : Peter Horvath, Balasz Marton ( Ungarn ). Siebenmeter : SCM 2 / 1, VfL 4 / 2. Zeitstrafen: SCM 5 / Vfl 3. Disqualifikation: Heinevetter ( 42. / Tätlichkeit ) / Zrnic ( 42. / Tätlichkeit ), Krantz ( 42. / 3. Zeitstrafe ), Alvanos ( 56. / 3. Zeitstrafe ).

Magdeburg. Die ruhmreiche Europacup-Geschichte des SCM erlebte am Sonnabend in der Bördelandhalle ein trauriges Jubiläum: Zum 50. Mal gingen die Magdeburger als Verlierer vom Parkett. Allerdings war eine Mannschaft in all den Jahren noch nie so von der Rolle wie die Biegler-Truppe bei der 20 : 30 (8 : 10)-Demontage durch den VfL Gummersbach. Die Gäste, die bereits das Hinspiel mit 26 : 24 gewonnen hatten, stehen damit im EHF-Cup als einziges deutsches Team in der Runde der letzten Acht.

Rund 5 500 Handball-Fans waren gut gelaunt und erwartungsfroh in die Bördelandhalle gepilgert. Die Hoffnung, dass ihr SCM den Zwei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel wettmachen kann, war groß und keinesfalls unberechtigt. Denn reihenweise hatte die Biegler-Truppe in dieser Saison Kampfgeist gezeigt und Spitzenteams die Stirn geboten.

Doch statt eines erneuten Handball-Festes erlebten die SCM-Anhänger ein Fehler-Festival sondersgleichen. Nach der 3 : 1-Führung in der 8. Minute – der VfL hatte kurz zuvor den im Hinspiel überragenden Wagner mit Muskelfaserriss in der Wade vom Feld nehmen müssen – kam der totale Einbruch. Minutenlang ging gar nichts mehr beim Gastgeber. Schon beim 3 : 6 (20.) deutete sich an, dass der kollektive Blackout ins Desaster führen wird – ja muss. Die Fehlpässe und technischen Fehler sowie das Verballern hundertprozentiger Chancen war Handball zum Gruseln. Zwar hatte Trainer Michael Biegler " zur Halbzeit immer noch an eine Wende geglaubt, doch dann wurde unser Angriff immer mehr zur Farce ".

Einige Fans konnten das Elend nicht mehr ansehen und verließen Mitte der zweiten Halbzeit den Ort des Schreckens. Als der SCM wieder einmal vorne den Ball " wegwarf " und der VfL im Tempogegenstoß zum 28 : 16 erhöhte (55. Minute) war die Leidensfähigkeit der Anhängerschar erschöpft. Mit Pfiffen und Buh-Rufen machten die Enttäuschten sich Luft.

Wie tief der Frust über die blamable Vorstellung auch bei den Akteuren selbst saß, machte der verbale Rundumschlag von Silvio Heinevetter nach dem Abpfiff deutlich. Aufgebracht zählte der SCM-Keeper, der in der 41. Minute nach einem Gerangel um den Ball genau wie der Gummersbacher Zrnic Rot sah (" Ein Skandal – das war regelkonform und weder für mich noch für ihn eine Rote Karte "), seine Mitspieler vor laufender Kamera an. " Ich bin mega-enttäuscht von unserer Leistung. Die, die bei uns auf der Platte gestanden haben, da hat nicht ein einziger Eier gezeigt. Das sind Spiele, in denen Männer geboren werden, aber das waren alles nur Kinder ", so der Nationalkeeper, der seinen Mitspielern " Angsthasen-Handball " vorwarf: " Was wir vorne gespielt haben, war halbherzig und ohne Emotionen. Als ob wir vor denen Angst hatten. Was wir uns die gesamte Saison über aufgebaut haben, haben wir heute mit dem Hintern wieder eingerissen. "

Etwas diplomatischer äußerte sich der ins Tor eingewechselte, aber ebenso enttäuschende Jürgen Müller: " Egal, wen wir heute eingewechselt haben, es ging gar nichts. Auch nicht bei mir. Das zog sich wie ein roter Faden durch die Mannschaft. Aber so etwas passiert, es ist nur schade, dass es im Europacup war und wir das nicht wieder gutmachen können ".

Steffen Stiebler sah es ähnlich: " Wir hätten noch vier Tage weiterspielen können, es wäre nicht besser geworden. Aber das ist vielleicht bei einer solchen Mannschaft, wie wir es sind, so: Wir haben zuvor viele Spiele gewonnen, weil alle gekämpft und 120 Prozent gegeben haben, nun sind wir auch gemeinsam untergegangen. "

Auch Biegler konnte sich den kollektiven Einbruch nicht erklären: " Von dem, was wir aufbieten können, waren wir heute Lichtjahre entfernt. Wir haben von Anfang an reihenweise Bälle weggeworfen und hatten zu keiner Zeit eine Sicherheit. Dann sind wir immer wieder an Torhüter Stojanovic gescheitert. Wir sind völlig auseinandergebrochen und jeder hat sein Schärfein dazu beigetragen. Was ich tun kann, ist, mich bei den Zuschauern für die Leistung meiner Mannschaft zu entschuldigen ", so der Coach.

Öffentlich anzählen wollte Biegler keinen seiner Spieler. Wohl auch, weil die Liste zu lang geworden wäre, denn nur Grafenhorst und eben Heinevetter (12 Paraden bis zu seiner Roten Karte) zeigten halbwegs Normalform. Allerdings ließen die Worte des Chefs – " Es gab da Dinge, die können einfach nicht sein. Und ich habe einige Fragen, die mir die Mannschaft beantworten muss. " – vermuten, dass es beim Rapport, zu dem er die Spieler am Sonntag gebeten hat, etwas konkreter und wohl auch lauter zugegangen sein muss ...

Abwehrchef Stiebler weiß natürlich auch ohne " Ansage ", was am Mittwoch beim Heimspiel gegen Hamburg (20.15 Uhr) auf dem Spiel steht: " Wir müssen zusehen, dass wir wieder den Kopf hochkriegen. Noch so ein Ding dürfen wir uns nicht erlauben, denn dann haben wir unseren hart erkämpften Kredit bei unseren Fans wohl endgültig verspielt. "