Varazdin. Keine Medaillen-Prognose des Präsidenten, Zurückhaltung bei Bundestrainer und Spielern sowie Sorgen um den Spielmacher : Der neu formierte Titelverteidiger Deutschland kämpft beim WM-Turnier von heute an bis zum 1. Februar in Kroatien um einen Achtungserfolg. Das " Projekt : Gold " von der Heim-WM vor zwei Jahren wurde von dem bescheidenen Ziel Hauptrunde abgelöst.

" Das Projekt ist, eine gute Leistung zu bringen. Wir kommen mit einer ambitionierten Mannschaft und einem engagierten Trainer. Und wenn es am Ende der vierte Platz ist, gratuliere ich genauso, als wenn es der Titel ist ", sagte Ulrich Strombach, Präsident des Deutschen Handballbundes ( DHB ).

Durch den Umbruch nach dem Vorrunden-Aus und Platz neun bei Olympia in Peking sehen sich die deutschen Handballer nur in der Außenseiterrolle. " Weltmeister waren wir mit einer anderen Mannschaft. Wir sind zwar Titelverteidiger, aber ich sehe uns nicht als Weltmeister. Favoriten sind andere ", erklärte Bundestrainer Heiner Brand und zählte Gastgeber Kroatien, Olympiasieger Frankreich und Europameister Dänemark auf.

Deswegen zählt zunächst nur der Einzug in die Hauptrunde. " Wenn wir die erreicht haben, können wir weitersehen. Dann haben wir sicher auch das Selbstvertrauen und dann sind da keine unlösbaren Aufgaben ", sagte der Gummersbacher und forderte von seinem umgebauten Team leidenschaftlichen Einsatz : " Eine neue Mannschaft muss immer brennen. Das wird auch in Kroatien so sein. " Dies muss der EM-Vierte an den Tag legen, um die kniff ige Vorrunde in der Gruppe C zu meistern. Dem Einstand gegen Russland kommt dabei vorentscheidende Bedeutung zu. " Das ist das Schlüsselspiel ", betonte Verbandschef Strombach. Und nach den folgenden Partien gegen Tunesien, Algerien, Mazedonien sowie der Neuaufage des WMFinales 2007 gegen Polen muss die DHB-Auswahl mindestens Dritter sein, um die Hauptrunde zu erreichen. " Wir fahren als Weltmeister hin, aber es wird schwer, das zu wiederholen ", bekannte das Hamburger Rückraum-Ass Pascal Hens. Und die DHB-Auswahl spielt auch gegen die Statistik an : Bei Weltmeisterschaften direkt nach Olympischen Spielen gab es noch nie ein Medaille. Rang sechs 1993 war die beste Platzierung.

Erschwert wird die Aufgabe durch das erneute Verletzungspech. Ausgerechnet Spielmacher Michael Kraus vom TBV Lemgo droht für den Turnier-Auftakt auszufallen. " Die ersten WMSpiele plane ich ohne ihn ", sagte der Bundestrainer, der am Mittwoch das letzte WM-Ticket an den Wetzlarer Sven-S ören Christophersen vergab und zugleich auf den Mindener Michael Haaß als Ersatzmann verzichtete.

Der Handball-Weltverband IHF hat angekündigt, seinen Verpfichtungen gemäß des Codes der Welt-Anti-Doping-Agentur ( WADA ) nachzukommen. Die IHF teilte auf ihrer Internetseite mit, am Rande Weltmeisterschaft in Kroatien zu einem Treffen zusammenzukommen und alle wichtigen Punkte umzusetzen.

ZDFonline hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass die IHF drei wesentliche Punkte des WADA-Codes nicht erfülle und daher sogar der Ausschluss aus dem olympischen Programm drohe. So gebe es nach Angaben der Dänin Inge-Lis Kanstrup, Mitglied der medizinischen Kommission des Verbandes, keine Vor-Wettkampf-Kontrollen, ein begleitendes pädagogisches Programm fehle ebenso wie unabhängige Anti-Doping-Kontrollen.

Eine gewichtige Rolle bei den Verstößen soll nach dem ZDFonline-Bericht IHF-Präsident Hassan Moustafa spielen. So beharre der Ägypter darauf, dass jede Ansetzung einer Vor-Wettkampf-Kontrolle über seinen Tisch gehe. Das widerspreche jedoch den internationalen Standards im Anti-Doping-Kampf. Zudem habe Moustafa die Anti-Doping-Unit der IHF aufgelöst.