Spezialkameras, völlig neue Perspektiven und jede Menge technische Spielereien : Mit riesigem Aufwand will der Privatsender RTL die Handball-WM zum TV-Ereignis machen. Mit 25 eigenen Mitarbeitern reisen die Kölner nach Kroatien, um Pascal Hens, Michael Kraus und Teamkollegen auf Schritt und Tritt zu begleiten. Selbst in der Kabine soll eine Kamera installiert werden – diese Bilder gibt es allerdings nur nach ausdrücklicher Absprache mit Bundestrainer Heiner Brand.

Der ist mit seiner Mannschaft schließlich auch für den wohl wichtigsten Aspekt im Handball-Projekt des TV-Senders zuständig, denn nur mit dem entsprechenden sportlichen Erfolg des Titelverteidigers dürften wieder ähnliche Traumwerte zu erreichen sein wie die durchschnittlich 16 Millionen vom WM-Finale vor zwei Jahren in Köln. Damals hielten ARD und ZDF noch die Rechte.

Doch nun will RTL nach Formel 1, Skispringen oder Boxen auch Handball auf seine Weise an den Zuschauer bringen. Unter dem Motto " Der ganz große Wurf " will der Sender " die TV-Ü bertragung von Handballspielen nicht neu erfnden, aber inhaltliche wie ästhetische Innovationen einführen ", wie RTL-Sportchef Manfred Loppe formuliert.

Dazu gehören auch feste Sendezeiten : Alle deutschen WMSpiele beginnen um 17. 30 Uhr, eine gute halbe Stunde vorher steigt RTL mit Moderator Marco Schreyl und Experte Markus Baur in die Vorberichterstattung ein. Hinzu kommt direkt nach den Liveübertragungen ein Magazin beim Schwestersender n-tv, wo morgens auch das " Handball-Frühstück " die neuesten Nachrichten aus dem deutschen Lager verbreitet.

Während der Spiele sollen vor allem eine im dreidimensionalen Raum über dem Feld " f iegende " Spidercam sowie eine ferngesteuerte Kamera, die Spielszenen aus Torwartsicht zeigt, für ein neues Handballgefühl sorgen. Die " Antelope ", eine Highspeed-Superzeitlupen-Kamera wird erstmalig im Handball eingesetzt und mit etwa 250 Bildern pro Sekunde Spielszenen um ein Vielfaches der Realgeschwindigkeit verzögern. Hinzu kommen Analyseinstrumente wie die Messung der Wurfgeschwindigkeit.

Natürlich gehen die Kölner vom Erfolg ihres Produkts aus, allein in die aufwändige Vorstellung ihres Konzepts in Hamburg vergangenen Dezember wurde viel investiert. Dass die neu formierte deutsche Mannschaft in Kroatien nicht zum Favoritenkreis gehört, stört die Macher nicht. Schließlich hätten vor der WM 2007 auch nur Fachleute die deutschen Spieler gekannt.

Damit es keine Flops wie zuletzt mit Beachvolleyball oder Motorrad-Sport im Programm gibt, wurde alles generalstabsmäßig geplant. In der Kölner Finalhalle von 2007 wurden die neuen Kameratechniken schon bei Bundesligaspielen des VfL Gummersbach getestet.

Während sich RTL in den Verhandlungen mit Sportf ve als Vermarkter der Rechte des Handball-Weltverbandes IHF alle deutschen Spiele sowie das Finale sicherte, zeigt der Spartensender DSF Spiele ohne deutsche Beteiligung aus Kroatien. Den Auftakt macht das heutige Eröffnungsspiel zwischen dem Gastgeber und Südkorea in Split.