Zadar - Stolz auf die eigene Leistung, aber wieder Wut auf die Schiedsrichter : Trotz Kampfgeist und Leidenschaft haben die deutschen Handballer das " Wunder von Zadar " aus eigener Kraft verpasst. Die Verlegenheitsmannschaft des Titelverteidigers musste sich gestern im letzten Hauptrundenspiel der Weltmeisterschaft in Kroatien mit 25 : 27 ( 14 : 14 ) Europameister Dänemark geschlagen geben und spielt um Platz fünf. " Das grenzt schon fast an Betrug ", schimpfte der aus Göppingen beim Sender RTL live zugeschaltete verletzte Spielmacher Michael Kraus.

Die letzte Halbfinal-Hoffnung zerstörte Polen durch einen 31 : 30 ( 14 : 14 ) -Erfolg über Norwegen und den eigenen Einzug in die Medaillenrunde. Die deutsche Mannschaft spielt nun morgen in Zagreb gegen Ungarn um Platz fünf. " Wenn wir jetzt um Platz fünf spielen, ist das mehr als erwartet ", sagte Bundestrainer Heiner Brand.

" Wir sind ganz klar benachteiligt worden. So eine Leistung darf auf internationaler Bühne nicht sein. Die Schiedsrichter haben uns um unseren Traum gebracht ", wetterte auch Torwart Johannes Bitter. " Ich denke, irgendwann werden wir das zurückbekommen ", meinte Trainer Heiner Brand, nachdem er seinen Jungs noch auf dem Parkett eine " sensationelle Leistung " attestiert hatte.

Nur durch ein Remis im anschließenden Spiel zwischen Polen und Norwegen wäre der Einzug in die Runde der besten Vier noch möglich gewesen. " Daran glaube ich nicht ", hatte Brand gesagt und Recht behalten. Gegen die Dänen zeigte die deutsche Mannschaft trotz des Fehlens von Kraus und des nur bedingten Einsatzes von Pascal Hens eine beherzte Leistung, hatte letztlich aber das Nachsehen. " Ein ganz, ganz großes Kompliment an die Jungs ", meinte Kraus, er sei aber " sehr, sehr enttäuscht, dass das Spiel schon wieder durch die Schiedsrichter entschieden wurde. "

Der Einsatz von Auswahlkollege Hens entschied sich erst kurz vor dem Anpfff. Der Hamburger hatte sich am Sonntag im Spiel gegen Norwegen ( 24 : 25 ) eine Verhärtung im linken Oberschenkel zugezogen und lief mit einer dicken Bandage auf. Zudem kehrte sein Clubkollege Stefan Schröder nach auskurierter Grippe in den Kader zurück. Nach dem WM-Aus von Kraus wegen einer Bänderverletzung musste gegen die Dänen in Zadar wie zu Turnierbeginn sein junger Lemgoer Vereinsmitspieler Martin Strobel die Verantwortung für den Spielaufbau übernehmen.

Von einer Außenseiterrolle in der Partie, wie Bitter vor dem Match noch bemerkt hatte, war zunächst nichts zu sehen. Schnell ging die deutsche Mannschaft mit 3 : 1 ( 4. ) in Führung. Die anschließende Schwächephase, als die deutschen Spieler gleich reihenweise selbst freistehend am dänischen Schlussmann Kasper Hvidt scheiterten und mit 3 : 5 ( 9. ) ins Hintertreffen gerieten, meisterten sie mit Disziplin. Bitter erwies sich als Rückhalt. Zudem wurde im Angriff Kreisspieler Sebastian Preiß von Strobel und Co. glänzend in Szene gesetzt, der mit drei Treffern in Serie eine 8 : 7-F ührung ( 16. ) herauswarf. " Ich bin unglaublich stolz auf diese Jungs. Wir haben uns alle zerrissen ", lobte Hens, der ab der 21. Minute wegen seiner Blessur ausf el.

Für ihn kam Lars Kaufmann. Und der Lemgoer führte sich mit dem Treffer zum 10 : 10 ( 22. ) glänzend ein. Als er dann den Ball in der 28. Minute zum 14 : 13 ins Netz der Dänen hämmerte, sorgte er für Staunen im weiten Rund : Mit 113 Kilometer pro Stunde schlug sein Wurf im Tor ein. Fortan blieb das Duell Weltmeister gegen Europameister ein Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften. Zwar erspielte sich der Titelverteidiger beim 17 : 15 ( 35. ) erstmals einen einen Zwei-Tore-Vorsprung. Der war jedoch nicht lange von Bestand. Das Spiel wogte hin und her, ohne dass sich der eine der beiden Teams einen entscheidenden Vorteil verschaffen konnte, ehe die Dänen letztlich zwei Tore mehr auf der Habenseite hatten.