Zadar. Am Tag danach konnte Heiner Brand schon wieder lächeln. Etwas verlegen zwar, aber immerhin. " Als ich die Bilder gesehen habe, war ich schon etwas erschrocken ", berichtete der 56-jährige Trainer der deutschen Handballnationalmannschaft von einer Videosichtung der seltenen Art.

Der Gummersbacher hatte sich selbst nicht wiedererkannt in diesen Sekunden nach der Schlusssirene des Hauptrundenspiels gegen Norwegen ( 24 : 25 ). Wutentbrannt lief er auf die slowenischen Schiedsrichter Nenad Krstic / Peter Ljubic zu, mit erhobener rechter Faust, so, als habe er vor, die erste Niederlage seines Teams bei der 21. WM in Kroatien umgehend zu rächen. " Ich verabscheue Gewalt ", versicherte Brand gestern im Hotel Kolovare in Zadar. " Und außerdem ist in meinem Alter keine Kraft mehr in meiner rechten Geraden ", fügte er ironisch hinzu.

Extrem bemerkenswert ist, dass Brand sich zwar von seinem Ausraster distanzierte, nicht aber in der Sache. Im Prinzip erneuerte er vielmehr seine grundsätzliche Kritik, dass die deutsche Mannschaft von den Schiedsrichtern benachteiligt werde. " Wenn sie ein Gewissen haben, dann ein schlechtes ", so kommentierte er die Leistung der Slowenen. Er wolle zwar nicht verallgemeinern, aber Tatsache sei, " dass seit der WM in Deutschland schon eine gewisse Tendenz zu bemerken ist ".

Solche Aussagen nähren Verschwörungstheorien. Das Image der Internationalen Handball-Föderation ( IHF ) in dieser Hinsicht war allerdings schon vor dieser WM verheerend.

Krstic / Ljubic standen bereits unter Korruptionsverdacht: Beim Champions League-Halbfinalrückspiel des Jahres 2007 zwischen Valladolid und der SG Flensburg. Als damals der Flensburger Torwart Dan Beutler den letzten unberechtigten Siebenmeter hielt und so Flensburg ins Finale gegen Kiel brachte, stürmten die Flensburger nicht auf den Helden des Spiels zu, sondern sie bedrohten zunächst die beiden Slowenen, weil sie Betrug witterten.

Es gibt weitere Paare bei dieser WM, die einen äußerst zweifelhaften Ruf besitzen, etwa die Polen Baum / Goralczyk. Ihnen warf Frank Birkefeld, der damalige Geschäftsführer der Internationalen Handball-Föderation ( IHF ), im Jahr 2007 öffentlich vor, sie hätten das Finale des olympischen Frauenturniers zugunsten der Däninnen verschoben.