Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin ! Denn endlich geht sie los, die Handball-WM in Deutschland. Die zwanzigste Weltmeisterschaft überhaupt, die sechste auf deutschem Boden, die vierte mit Magdeburg als Spielort und meine erste als Handball-Berichterstatterin. Ich bin für die Volksstimme mittendrin statt nur dabei – quasi hautnah am Puls von Kehrmann, Bitter & Co.

Und der wird heute Abend in Berlin beim Anpfiff des Auftaktspiels gegen Brasilien – gemessen an meiner noch völlig ungetrübten Vorfreude, Begeisterung und eines Blutdruck-Bilderbuchwertes von 120 zu 80 – wohl eher pathologische Ausmaße erreichen. Schließlich weiß jeder Akteur im 16-köpfigen Team von Bundestrainer Heiner Brand nur zu gut, dass eine gelungene Premiere für den weiteren Turnierverlauf und die generelle Begeisterung im Lande für das " Projekt WM-Gold 2007 " von immenser Bedeutung ist.

Der " große Bruder " Fußball hat die Messlatte nahezu unerreichbar hoch gelegt. Das ist nicht fair, weil hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Wenn sie nicht als billige Kopie enden oder dafür verantwortlich gemacht werden wollen, dass aus einer " schwarz-rot-geilen WM " binnen eines halben Jahres eine " schwarz-rot-graue " und aus dem Sommermärchen ein Winterdrama wird, dann müssen unsere Jungs wohl oder übel ihr Schicksal im wahrsten Sinne des Wortes selbst in die Hand nehmen.

Auch ich denke positiv und möchte nicht schon vor dem Auftakt als Spielverderber gelten. Statt den Niederlagen-Teufel an die Wand zu malen, zeige ich lieber Flagge und hoffe auf Nachahmer. Mit tiefstem Brand-Vertrauen hole ich die Deutschland-Fahne aus dem Keller und klemme sie an meinen Dienstwagen. Selbstbewusst und froher Erwartung, denn die Organisatoren haben mir und all den anderen Handball-Fans im Lande das WM-Heimspiel mit Superlativen schmackhaft gemacht. Dabei wurde nicht gerade gekleckert, sondern mächtig geklotzt : Es wird die schönste, beste, größte WM aller Zeiten. Wohl auch die teuerste ...

Also nur zu – auf dass den Worten in den nächsten 17 Tagen der WM Taten folgen !

Janette Beck