Die Handball-WM ist Musik in meinen Ohren. Zumindest meistens. Überall erklingen in den proppenvollen Hallen deutsche Fan-Gesänge. Gotthilf Fischer hätte seine wahre Freude am Singsang auf den Rängen. Der absolute Hit – neben der Na tionalhymne natürlich, die inzwischen auch uns Ostdeutschen fehlerfrei über die Lippen kommt – ist die Ode an den Sieg : " Oh, wie ist es schön, oh, wie ist es schön. Sowas hat man lange nicht gesehn, so schön, so schön !"

Dröhnt in der Halle ein " We will, we will Rock you ... " aus den Lautsprechern, um den Zuschauern richtig einzuheizen und sie zum Klatschen zu animieren, gerate ich regelmäßig aus dem Schreibtakt. Denn das ist der Rhythmus, bei dem ich mit muss. Ich wippe den Kopf wie ferngesteuert im Takt mit, fühle mich in alte Internats-Zeiten an der Sportschule zurückversetzt, als wir im Disko-Raum im Keller auf den Knien hockend zum Queen-Song abwechselnd auf Boden und Oberschenkel schlugen. Ach, war das schön ...

Nicht erst seit Dieter Bohlen wissen wir auch, dass sich mit Musik, oder das, was uns manch einer als solche zu verkaufen versucht, treffl ich Geschäfte machen lassen. Dabei ist es hilfreich, aber nicht immer Bedingung, eine schöne Stimme und Taktgefühl zu haben oder die Tonlage halten zu können. Doch auch wenn die Kultband " De Höhner " zu ihrer Ehre all dies vorweisen kann, so wird ihr eingängiger WM-Song mit dem sinnigen Text " Wenn nicht jetzt, wann dann ?" eher kein Kassenschlager werden.

Das liegt weder an dem Titel noch an einer fehlenden Rechenformel, die zu " 38, 78, 2007 " führt ( wenn es eine gäbe, hätte es sicher ein naseweiser Mathe-Freak die " Sportfreunde Stiller " wissen lassen ). Vielmehr fällt der Reibach mangels Lobby und Werbung aus. Da wird es sicher nicht ausreichen, wenn ich sage : Leute, der WMSong ist ein echter Ohrwurm.

Auf die Nerven gehen mir dagegen die diversen Klingeltöne, die im Pressezentrum dudeln und mich bei der Arbeit stören. Am schlimmsten ist " Pippi-Langstrumpf ". Wenn die wie wild aus dem Handy trällert, würde ich der Besitzerin am liebsten die Zöpfe langziehen ...