Halle / Westfalen - Die Niederlage der deutschen Handballer im letzten Vorrundenspiel gegen Polen hat Heiner Brands Masterplan durcheinandergewirbelt. " Doch noch ist nichts verloren ", war der Grundtenor beim Trainer und den Spielern, die im Crash-Kurs von braven Jungs zu frechen Männern " umgepolt " werden sollten, damit das erste Spiel der Hauptrunde heute gegen Slowenien ( 17. 30 Uhr / live ARD ) und die nächsten drei folgenden gewonnen werden.

Am Tag danach schien die Sonne, der Himmel über Halle erstrahlte in hellblau, und auf einmal sah die Welt schon wieder viel freundlicher aus. " Nach dem Spiel gingen alle noch mit hängenden Schultern zurück ins Hotel. Kaum einer hat gesprochen, jeder wollte nur noch schnell hoch aufs Zimmer und die Niederlage auf seine Weise verarbeiten ", gewährte Christian Zeitz (" Ich habe einfach nur aus dem Fenster geschaut und das Spiel im Zeitraffer an mir vorbeilaufen lassen und dann ferngesehen ") einen kleinen Blick in seine Spieler-Seele. " Doch als wir uns dann zum Frühstück trafen, war der Kopf bei den meisten schon wieder oben und die Zuversicht in die Gesichter zurückgekehrt. "

Seinen Beitrag dazu hatte auch Christian Schwarzer geleistet. Der Lemgoer, der 825 Tage nach seinem Abschied aus der Nationalmannschaft gegen Polen sein Blitz-Comeback gefeiert hatte, übernahm sofort nach seiner Rückkehr die ihm zugedachte Rolle als Sprachrohr und Leitwolf der Mannschaft. Sowohl nach dem Spiel in der Kabine als auch gestern betätigte sich der 37-J ährige als Mental-Trainer, baute seine Mitspieler auf und gab ein Lehrbeispiel in Sachen " positiv denken " ab : " Wir haben keinen Grund, den Kopf hängenzulassen, alles ist noch möglich. Wir wissen ja, dass wir es besser können, ab jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel. "

Derweil zog Heiner Brand Plan B aus der Tasche. Das öffentliche Pressetraining am Vormittag wurde abgesagt, stattdessen wurde um 15 Uhr ein längeres Training an einem geheimen Ort anberaumt. Und auch das Video-Studium beschäftigte sich nicht wie geplant mit dem heutigen Gegner Slowenien, sondern zunächst mit der Analyse des Spiels am Vortag. " Es war mir wichtiger, den Jungs die eigenen Fehler vor Augen zu führen, als den nächsten Gegner zu beobachten. " Die Mannschaft war schon erstaunt, wie sie gespielt hat ", erklärte der Bundestrainer mit einem Augenzwinkern.

Und was waren die größten Stolpersteine, die das Team trotz einer 23 : 21-F ührung ( 50. Minute ) noch vom Erfolgspfad abbrachten ? Brand : " Erstens : Wir haben das Spiel im Angriff verloren. Die Chancenverwertung war nicht optimal. Wir haben keine Geduld gezeigt, und es wurde nicht für das Tor gearbeitet. Es fehlte die Durchschlagskraft. Und zweitens : Wir sind in der Abwehr – bis auf Oliver Roggisch, der immer ohne Rücksicht auf sich und andere in die Zweikämpfe geht – viel zu brav und anständig. Da waren die Polen viel frecher, vielleicht auch rücksichtsloser. "

Die Spieler selbst sahen es ähnlich. Zeitz, der von elf Würfen nur vier im Tor untergebracht hatte (" Beim Video habe ich dann gesehen, dass ich noch schlechter war, als ich mich in Erinnerung hatte ") nahm sich vor, " noch geduldiger auf meine Chancen zu warten ". Auch Abwehrchef Oliver Roggisch fasste sich zuerst einmal an die eigene Nase : " Ich versuche immer, aggressiv zu sein, provoziere dadurch aber Zeitstrafen. Die dritte gegen Polen ärgert mich natürlich, weil ich der Mannschaft damit geschadet habe. Wenn ich mich bei den nächsten Spielen etwas zurücknehme und jeder von den anderen fünf Prozent drauflegt, dann haben wir vielleicht ein Level, und die Deckung steht wieder besser. "