Island gegen Polen ( 35 : 33 ) – das war ein sehr emotionsgeladenes Hauptrunden-Duell, bei dem sich mit Alfred Gislason und Bogdan Wenta nicht nur zwei ehemalige Bundesligaspieler, Teamkollegen ( Irun ) und Freunde gegenüberstanden, sondern auch zwei Nationaltrainer, die in enger Verbindung mit dem SCM stehen. Mit Gislason, der mit seinem Team am Sonntag auf Deutschland trifft, sprach Volksstimme-Redakteurin Janette Beck.

Volksstimme : Vier Tore Vorsprung in der zweiten Halbzeit, und doch hat Island das Spiel noch verloren. Eine Vorrunden-Niederlage gegen die Ukraine, ein sensationeller Sieg gegen Europameister Frankreich. Wie erklären Sie sich, dass Ihre Mannschaft bei dieser WM so wechselhaft und unberechenbar auftritt, wie ein Geysir in Ihrer Heimat ?

Alfred Gislason : Ich bin zwar sauer, dass wir gegen die Polen verloren haben und wir uns das Leben teilweise mit dummen Fehlern selber schwer gemacht haben. Aber auch die Schiris haben mit sehr einseitigen Entscheidungen zugunsten der Polen, vor allem in der heißen Schlussphase, dazu beigetragen, dass wir das Ruder nicht mehr herumreißen konnten. Ein großes Manko von uns ist generell, dass wir nicht die Breite auf der Bank haben wie die Polen oder Frankreich. Wir spielen fast nur mit einer Sieben und da sind ein hoher Kräfteverschleiß und Schwankungen ganz normal.

Volksstimme : Nach dem Abpfiff gab es tumultartige Szenen. Nur mit Mühe konnten die Spieler eine handfeste Auseinandersetzung mit Trainer Bogdan Wenta verhindern. Was war da los ?

Gislason : Ich bin menschlich sehr enttäuscht worden. Es sind im Vorfeld des Spiels ein paar Dinge abgelaufen, die nicht in Ordnung waren. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.

Volksstimme : Am Sonntag trifft Istand auf Gastgeber Deutschland. Das wird sicher ein ebenso interessantes Prestige-Duell. Wie beurteilen Sie ihre Siegchancen ?

Gislason : Ehrlich gesagt, sehe ich bessere Chance, Slowenien zu schlagen als Deutschland. Deswegen liegt unsere volle Konzentration auch auf dem morgigen Spiel. Da wollen wir uns die nötigen Punkte holen, um im Viertelfi - nale dabei zu sein. Dann ist es auch egal, wie wir gegen die Deutschen spielen. Was aber nicht heißen soll, dass wir bei einem Sieg gegen Slowenien den Deutschen einen Erfolg schenken werden. Ich will jedes Spiel gewinnen, denn ein Sieg gegen den Gastgeber im letzten Hauptgruppenspiel würde uns sicher auch viel Rückenwind fürs Viertelfinale geben.