Dormagen/Magdeburg. Für den Morgenluft witternden TSV Dormagen hieß es gestern in der Handball-Bundesliga: "Jetzt oder nie!" Ein Heimsieg gegen den SC Magdeburg sollte her, nachdem die direkte Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt (Minden, Düsseldorf und Balingen) zuvor gepatzt hatte. Nur so hätte man den Relegationsplatz endgültig sicher und der Abstieg von Minden und Düsseldorf wäre besiegelt. Am Ende gab es beim 28:28 (17:13) eine Punkteteilung, an die zumindest die wenigen mitgereisten SCM-Fans zwischenzeitlich kaum noch zu glauben gewagt hatten.

Den besseren Start erwischten die ersatzgeschwächten Gäste, die ohne Rojewski, Krause, Böhm, Eijlers und kurzfristig auch noch Kabengele (Mandelentzündung) auskommen mussten. Verstärkung kam im Dreierpack von den Youngsters (Salzer, Thoke, Schulz). Nach sechs Minuten führte man 5:2. Auch beim 7:3 (9.), das der überragende Weber (11/5) vom Strafpunkt aus erzielte, sah es danach aus, als hätten die Magdeburger die Partie im Griff.

Doch just in dem Moment, da Dormagens Deckung aggressiver zulangte, fiel das Spiel der Liesegang-Truppe wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der TSV bestrafte die leichten Fehler im Angriff konsequent und zog durch sechs Tore am Stück auf 9:7 (15.) davon. Zwar brachte Grafenhorst sein Team in Unterzahl beim 11:10 noch einmal heran (23.), doch danach das gleiche Bild: der SCM vorn ohne Linie und Verstand, die Deckung willen- und körperlos. Dormagen packte die Chance konsequent beim Schopfe und ging mit 17:13 in die Kabine.

Sport1-Co-Kommentator Daniel Stephan packte in seiner Halbzeit-Analyse die Gäste an der Ehre: "Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass der SCM viele Verletzte hat und auf jüngere Spieler zurückgreifen muss – so darf man sich den Schneid nicht abkaufen lassen."

Und der SCM bestand den "Charaktertest", kämpfte sich zuerst vom 14:18 (33.) auf 19:21 (38.) und dann noch einmal vom 22:26 (49.) auf 27:28 (56.) heran. Mit seinem elften Treffer stellte Weber drei Minuten vor Ultimo sogar den Ausgleich her. Der Pfosten verhinderte Wiegerts Führungstreffer, im Gegenzug parierte der sich in der Schlussphase steigernde Youngster-Keeper Schulz einen Gewaltwurf von Nippes – und rettete so zumindest einen Punkt.

Dormagen: Feshchanka, Vortmann – Balomenos 3, Nippes 3, Lochtenbergh 6/4, Chantziaras, Mahe 2, Meyer 6, Wittig , Schagen 5, Linder 2, Dmytruszynski 1, Holst

Magdeburg: Müller, Schulz - Wiegert 5, Grohmann, van Olphen 2, Theuerkauf, Grafenhorst 4, Tönnesen 2, Coßbau 2, Weber 11/5, Jurecki 2, Thoke, Salzer.

Schiedsrichter: Biaesch/Sattler (Kriftel/Oberursel). Zuschauer: 2255. Zeitstrafen Dormagen 6, SCM 4, Rot: Grafenhorst (43./3. Zeitstrafe) . Siebenmeter: 4/4, 6/5