Die personell gebeutelten SCM-Handballer konnten beim 28:28 gegen die unter Zugzwang stehenden Dormagener zumindest ein kleines Erfolgserlebnis feiern. Schließlich war der eine Punkt ein wenig mehr als in den vorangegangenen elf Auswärtsspielen, in denen man mit leeren Händen dastand. "Wenn man sich den Spielverlauf anschaut, dann war es doch ein gerechtes Remis", kommentierte Interimstrainer Sven Liesegang seinen allerersten Punktgewinn auf fremden Parkett überhaupt.

Magdeburg. Die Reaktionen der Spieler beider Mannschaften nach dem Abpfiff waren ähnlich, wusste doch niemand so recht, ob man nun einen Punkt verloren oder gewonnen hatte. Am Ende überwog eher beim Gastgeber die Freude, schließlich war durch den ersten Punktgewinn gegen Magdeburg seit 15 Jahren überhaupt auch die Relegation um den Bundesliga-Verbleib so gut wie sicher.

"Vor der Partie wäre ich mit dem Punkt mehr als zufrieden gewesen, doch nach dem Spielverlauf bin ich etwas enttäuscht. In den letzten zehn Minuten ist uns etwas die Luft ausgegangen. Leider waren wir in dieser Phase aber häufig in Unterzahl. Da kommen dann auch Fehler vor", erklärte TSV-Trainer Kai Wandschneider, dessen Team das Heimspiel über weite Strecken dominiert hatte.

Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, als würden die Magdeburger an die mehr oder weniger klaren Erfolge gegen den TSV der Vergangenheit anknüpfen können: Neun Minuten, sieben Tore und nur zwei Gegentreffer. "In dieser Phase haben wir stark gespielt. Aber noch stärker haben wir dann nachgelassen. Warum selbst die erfahrenen Spieler leichte Fehler machen, kann ich nicht nachvollziehen", hatte Liesegang keine Erklärung für den plötzlichen Wandel vom Dominator zum Dominierten.

Vor allem Dormagens Lochtenbergh und Schagen starteten nach Angriffsfehlern der Magdeburger im Tempogegenstoß durch bzw. waren vom Siebenmeterpunkt erfolgreich. Zusammen erzielten die Außen zehn der 17 TSV-Tore in der ersten Halbzeit. Das Gros des SCM, bei dem die Youngster Thorsten Salzer und Patrick Schulz ihr Erstliga-Debüt gaben (Liesegang: "Beide haben ihre Sache mehr als ordentlich gemacht"), schien dabei taten- und willenlos zuzuschauen.

Erst in den letzten zehn Minuten, als dem Gastgeber die Luft ausging und dem Rückraum die Durchschlagskraft abhanden kam, besannen sich die Magdeburger eines besseren und warfen die seit längerem vermissten Tugenden wie Siegeswille und unbändigen Kampfgeist in die Waagschale. Vor allem Schulz mit seinen Paraden und Weber, der mit seinem elften Tor in der 57. Minute für den 28:28-Ausgleich sorgte, waren es, die den Punkt festhielten. Weber: "Nur durch die sehr gute Torhüter-Leistung und die Steigerung in der Deckungsarbeit in der zweiten Halbzeit konnten wir zumindest einen Punkt mit nach Hause nehmen."