Magdeburg l SCM-Trainer Bennet Wiegert hat bei seiner Vorbereitung auf Erlangen einen kleinen Vorteil: Er kennt die Fähigkeiten des Denkers und Lenkers der Gäste aus dem Effeff, denn es ist kein Geringerer als Michael Haaß. Der Weltmeister von 2007, der am 12.  Dezember 33 Jahre alt wird, hat drei Jahre beim SCM gespielt und vor seinem Wechsel im Sommer noch ein halbes Jahr unter Wiegert trainiert.

Der 120-fache Nationalspieler sei aber nicht der einzige gestandene Erstliga-Spieler im Team der Gäste, weiß Wiegert. „Das ist keine Fahrstuhlmannschaft. Sie haben Ambitionen, in der Bundesliga drin zu bleiben, und wollen bei uns punkten“, ist sich der Coach, der heute aller Voraussicht nach auf seinen kompletten 15er-Kader zurückgreifen kann, sicher. Seine Vorgabe lautet deshalb: „Wir müssen sehr geduldig und konzentriert im Spiel sein.“

Darauf die passende Antwort zu finden, obliegt nunmehr Haaß, der von Cheftrainer Robert Andersson übrigens zu Saisonbeginn zum Kapitän bestimmt worden war. Das Amt hatte davor der beim HC etablierte Ole Rahmel inne – momentan mit 68 Treffern auch Nummer eins in der Liga. Der Ex-Magdeburger („Der Wechsel hat mir gut getan. Mir geht‘s persönlich wunderbar, alles passt.“) übt die Rolle als Leitwolf jedenfalls mit viel Spaß aus, wie er im Gespräch mit der Volksstimme betonte: „Die Truppe ist cool. Wir verstehen uns gut, und die Stimmung ist angesichts dessen, dass wir uns aus dem Abstiegskampf raushalten können, super.“

Den Schlüssel zum Erfolg sieht der Regisseur in der Zusammenstellung der Mannschaft: „Wir haben eine sehr gute Mischung aus jungen, ehrgeizigen, hungrigen Spielern und erfahrenen alten Hasen, die wissen, was in Stresssituationen zu tun ist.“ Zudem sorgten zum Saisonauftakt die Überraschungs-Heimerfolge gegen Melsungen (29:25) und Gummersbach (30:29) ebenso für Aufwind und Selbstbewusstsein wie die zuletzt gewonnenen Spiele gegen direkte Kontrahenten im Abstiegskampf (BHC, Balingen).

Doch so schön wie der aktuelle zehnte Platz auch sei, „es ist nur eine Momentaufnahme nach 13 Spieltagen, darauf dürfen wir uns nicht ausruhen“, mahnt Haaß und bekräftigt, dass die Rollen in der Getec-Arena heute klar verteilt seien. „Wenn man auf die Tabelle schaut, könnte man von einem Spiel auf Augenhöhe sprechen. Aber das wäre vermessen, denn wir wissen sehr wohl, wozu der SCM in der Lage ist. Erst recht zu Hause. Wir sind Außenseiter, und als solcher können wir entspannt anreisen und versuchen, uns so teuer wie möglich zu verkaufen.“

Auch persönlich ist die Vorfreude auf Magdeburg bei Haaß groß: „Ich hatte eine sehr schöne Zeit hier und freue mich, viele Leute wiederzusehen.“ Zwar sei der SCM nicht mehr seine Baustelle, aber er weiß natürlich um dessen Probleme: „Was gegen Hannover passiert ist, tat mir echt leid für die Jungs.“ Das Auf und Ab kommt Haaß dabei bekannt vor: „Der SCM hat das Potenzial zur Spitzenmannschaft. Es gibt viele gute Einzelspieler mit super Ideen. Aber es gelingt einfach nicht, das zu einer konstanten Leistung zu summieren.“