Der SV Eintracht Gommern, Spitzenreiter der Handball-Verbandsliga, ist am Sonnabend in seinem Heimspiel gegen den BSV 93 Magdeburg II mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar gewann die Eintracht mit 34:29 (16:11), doch ließ sie einiges an Souveränität vermissen.

Gommern l Man sollte meinen, diese Zeiten gehörten seit August 2010 der Vergangenheit an, als die neue Sporthalle am Europagymnasium eingeweiht wurde. Doch am Sonnabend setzte der unter Sportlern verbreitete Fluchtreflex wieder ein. Getreu dem Motto: Rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze oder auch - heißes Wasser. "Die ersten 20 Minuten waren top. Aber dann verabschieden wir uns quasi unter die Dusche", fasste Eintracht-Trainer Dirk Heinrichs lakonisch zusammen.

Aber wer wollte es seinen Schützlingen verdenken? Speziell in der Schlussphase wurde es in der Halle ungemütlich. Auf dem Parkett hatten die Olvenstedter einen zwischenzeitlichen 7:16-Rückstand (26.) zum 20:21 (41.) verkürzt. Zudem wurden Gommerns Philipp Eckhardt und Jens Schmidt zu ständigen Diskussionspartnern der Gäste - um eine Ehrenmitgliedschaft beim BSV 93 wird es dabei weniger gegangen sein. Und auch auf der Tribüne fühlte sich eine Handvoll ungebetener Gäste kurzzeitig zum Rummelboxer berufen - befeuert von Übermut, Testosteron und ein, zwei Getränken zuviel.

Dass die negative Krönung ausblieb, sprich die Gäste ihre Aufholjagd noch mit einem Punktgewinn vergoldeten, lag daran, dass die Eintracht trotz aller Nachlässigkeiten immer noch soviel Disziplin aufbrachte, um den Sieg zu verwalten. So sorgte ein schneller Doppelpack von Dennis Einwiller zum 24:21 (43.) wieder für etwas entspanntere Gesichter. Auch die eigene 6-0-Abwehr fing sich zum Ende wieder, war jedoch das Gommeraner Problemkind, wie auch der Trainer befand: "In den ersten 25 Minuten lassen wir sieben Gegentore zu, in der restlichen Spielzeit sind es 22. Darunter waren Schlagwürfe aus sieben, acht Metern - so etwas darf einfach nicht sein." Noch dazu war mangelnde Beweglichkeit auch vereinzelt im Angriff zu beobachten.

Der in dieser Saison gefürchteten SVE-Dynamik hätte es jedoch bedurft, um frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Die BSV-Reserve operierte über 60 Minuten mit einer offensiven Deckung, versuchte mit einer 3-2-1-Variante dem Gommeraner Rückraum entgegenzutreten. Doch statt die sich bietenden Räume zu nutzen und öfter das Anspiel auf den Kreisläufer zu suchen, verzettelten sich die Gastgeber zu häufig in Einzelaktionen und Standhandball.

Dass dem SVE dennoch nicht die Luft ausging, lag augenscheinlich daran, dass er das Zeitstrafen-Festival in der Schlussphase (insgesamt sieben Hinausstellungen in den letzten zehn Minuten) besser wegsteckte als die Magdeburger. Gut so, denn sonst hätte wohl niemand mehr über den klasse Beginn der Partie gesprochen, in der die Eintracht das zeigte, was von einem Tabellenführer erwartet wird. Nach dem 3:2 (5.) übernahm Gommern die Initiative. Angeführt vom besten Schützen Robert Kaese (acht Treffer) baute die Heimsieben ihr Polster aus. Torhüter Julian Hartung mit fünf Paraden im ersten Abschnitt und die zwischenzeitliche 5-1-Abwehr mit Steffen Bretschneider auf Spitze ließen die Gäste verzweifeln.

Auf die Startphase gilt es dann auch in einer Woche beim Auswärtsspiel gegen Oebisfelde II aufzubauen. Stützen kann sich das Team bis dahin auf die Fehleranalyse ihres Trainers: "Man hat gesehen, dass unsere junge Mannschaft zu schnell aus ihrer Routine kommt und nicht zügig genug wieder hereinfindet. An diesen Abläufen müssen wir arbeiten."

Eintracht Gommern: Hartung, Braatz - Bretschneider (7), Eckhardt (6), Koch, D. Einwiller (6), Zitzmann, Sommerfeld (3), Böttcher (3), Kaese (8), Zater, Schmidt (1), Hoffmann

Siebenmeter: Gommern 5/5 - BSV 93 II 3/5; Zeitstrafen: Gommern 8 - BSV 93 II 8; Rot: Jens Schmidt (57., 3x2 Minuten) -Gommern

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