Niegripp l Gemessen am heutigen fußballerischen Zeitgeist wirkten die Spieler die SG Blau-Weiß Niegripp am Sonnabend wie 50 Jahre zu spät geboren. Zumindest schien ihr Spielstil im Landesklasse-Derby gegen den SV Union Heyrothsberge wie aus einer Ära zu entspringen, in welcher Fußballschuhe noch einheitlich schwarz, der Ball aus Leder und die Oberschenkel eines Liberos massive Muskelberge waren: altmodisch, schnörkellos und so destruktiv, dass der Gegner irgendwann entnervt die Punkte hergibt. Freiwillig ließen die Unioner dabei ganz sicher nicht zum zweiten Mal in dieser Saison zwei Zähler gegen die Niegripper liegen. Dennoch musste der Tabellenzweite anerkennen, dass einfach nicht mehr möglich war als ein 0:0-Remis - ein Fakt, der natürlich für die Blau-Weißen und ihren Rennen-Schießen-Grätschen-Stil sprach.

SG-Trainer Joachim Greisner hatte sich im Vorfeld seine Gedanken gemacht, vor der Partie eine ziemlich eindringliche Ansprache gehalten und eine Defensivtaktik ausgeklügelt, in der es mit Paul Sandmann nur einen echten Stürmer gab. Dies zahlte sich vom Anpfiff weg aus. In Sachen Spielaufbau kam der SV Union selten über Ansätze hinaus. "Fußballerisch war von beiden wenig zu sehen", bemängelte auch Gästecoach Torsten Völckel, der ebenso wie sein Gegenüber und die 72 Zuschauer am Alten Kanal eine höhepunktbefreite erste Halbzeit sah.

Dagegen begann der zweite Abschnitt umgehend mit einem Aufreger. Niegripps Libero Alexander Reiprich sah wegen wiederholten Foulspiels die Ampelkarte (53.). In Unterzahl sahen die Gastgeber ihre Chancen auf Zählbares nahe dem Nullpunkt, denn Heyrothsberge erhöhte nun den Druck. Doch SG-Torhüter Steffen Rateike parierte in dieser Phase dreimal glänzend. "Ich habe gedacht, er hätte drei Hände, so wie er die Bälle unter Latte weggekratzt und an den Pfosten gelenkt hat", wunderte sich auch der eigene Coach. Den Gästen kam neben der numerischen Überlegenheit vor allem die Hereinnahme von Daniel Ziemann zugute, der das Offensivspiel seiner Mannschaft reanimierte.

Allerdings erhielten die Bemühungen in der 71. Minute einen jähen Dämpfer, als Unions Marcus-Antonio Bach ebenfalls mit Gelb-Rot vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. "Bei Zehn gegen Zehn waren wir auch wieder annähernd gleichwertig, konnten befreiter aufspielen", hatte Greisner registriert. Und tatsächlich mussten die Gäste ihre Hoffnungen begraben, während die Uhr ausschließlich zugunsten der Heimelf tickte.

Vom Punktverlusst wollten sich die Unioner allerdings nicht entmutigen lassen, wie ihr Trainer klarstellte: "Angst haben, dass wir in der Vorbereitung auf die Rückrunde viel falsch gemacht haben, müssen wir nicht. Wir dürften uns durch dieses Ergebnis nicht abschrecken lassen, sondern müssen in der nächsten Woche gegen Gommern unser eigenes Spiel durchbringen."

Niegripp: Rateike - Reiprich, Müller, Mlynek, Zeuch (80. Rennwald), Ackmann, Wehr (89. Komin), Böttcher, Briest (74. B. Schlüter), M. Schlüter, Sandmann

Heyrothsberge: Nagel - Schumburg, Vaz, Hoppe (76. Müller), Raugust, Seipold, Thormeier, Völckel, Pinno (57. Ziemann), Bach, Groth (57. Beyer)

Tore: Fehlanzeige; SR: Mario Lach (Redekin), Gerhard Herrmann, Michael Pieper; ZS: 72