Zum zweiten Mal in dieser Spielzeit hat sich der SV Eintracht Gommern im Ehle-Derby der Handball-Verbandsliga den Sieg gegen den SV Eiche Biederitz gesichert. Anders als es die Paarung Erster gegen Vierter versprach, war der 29:26 (14:14)-Erfolg der Gommeraner jedoch alles andere als ein hochklassiges Duell zweier Lokalrivalen.

Gommern l Sören Große schüttelte immerhin den Kopf. Dirk Heinrichs war bemüht, Gefühlsausbrüche völlig zu unterdrücken. Wer die große Emotionen suchte, wurde allenfalls auf der Tribüne fündig, wenn sich einmal mehr der Zorn der Zuschauer entlud. Nein, echtes Derbyfieber wollte am Sonnabend nur in wenigen Momenten in der neuen Gommeraner Sporthalle aufkommen. Die Reaktionen des Eiche-Halblinken und des Eintracht-Trainers standen exemplarisch dafür.

Etwas daran zu ändern vermochten zunächst nur die beiden Unparteiischen Michael Köhler/Tobias Heck (Oschersleben). In der ersten Halbzeit sorgte das Gespann mit einer zugegebenermaßen kreativen Vergabe von Zeitstrafen für einen engen Spielverlauf: Wer in Überzahl spielte, hatte nach dem 5:5 (9.) auch die Führung inne. Mal nutzte die Eintracht die Chance und ging in Sechs-gegen-Fünf-Konstellation mit 6:5 in Führung, dann brachte der aufs Feld zurückgekehrte Eiche-Rechtsaußen Enrico Sonntag seine Farben mit 9:8 nach vorn (17.), während Gommerns Jens Schmidt bereits das zweite Mal einen der ungeliebten Zettel vom Zeitnehmertisch in Empfang nahm. "Unser Spiel baut auf Ballgewinne aus der Abwehr heraus auf. Wenn die Entscheidungen nicht zu unseren Gunsten ausfallen, wird es natürlich schwer - vor allem in Unterzahl", stellte Heinrichs nach der guten Startphase seiner Sieben fest.

Allerdings beging sie dabei auch den Fehler, Frust zu sammeln anstatt ihn regelmäßig in Treffern abzubauen. Allein zehn Fehlwürfe sowie fünf Ballverluste und Technik-Regel-Fehler produzierte Gommern im ersten Abschnitt, konnte sich aber darauf verlassen, dass es beim Gegner kaum anders aussah. Nachdem Eiche-Shooter Große zunächst in Eintracht-Überzahlsituationen, ab der 23. Minute aber konsequent in Manndeckung genommen wurde, erlahmte der Biederitzer Angriff. Seinem Bewacher Steffen Bretschneider blieb es vorbehalten, mit dem Halbzeitpfiff das 14:14 zu erzielen.

Damit lagen natürlich die Zutaten für eine packende zweite Hälfte bereit. Diese währte allerdings nur bis zur 37. Minute, als die Gäste beim 17:17 letztmalig Gleichwertigkeit erreichten. "Eigentlich haben wir unsere Angriffe gut gespielt. Aber dann finden wir die Lücke nicht mehr oder der letzte Pass kommt nicht an. Diese Fehler resultieren nicht aus dem Gegnerdruck, denn Gommerns Abwehr war nicht unbezwingbar. In der Summe brechen sie uns das Genick", beschrieb Eiche-Coach Uwe Werkmeister. Tatsächlich verlor sein Team die Partie nicht in der Abwehr, zumal Torhüter Andreas Wichmann einen klasse Tag erwischte (13 wichtige Paraden im Spiel). Doch schwache Abschlüsse und sich häufende Fehlabspiele wurden ab dem 19:17 (39.) bestraft - nicht eiskalt, aber konsequent genug, um den Abstand zwischen zwei bis fünf Treffern zu halten.

So durfte sich der Spitzenreiter am Ende trotz aller Widrigkeiten über den Derbysieg freuen. Belastendes Fotomaterial bestätigte, dass im weiteren Verlauf des Abends doch noch einmal großes Gefühlskino geboten wurde: In gemeinsamer Feierrunde beim Abendessen wurden schließlich jene Siegerfäuste geballt und Gesänge angestimmt, die eben dazugehören zu einem echten Derby der beiden Ehle-Gemeinden.

SV Eintracht Gommern: Hartung, Braatz - Bretschneider (10), Eckhardt (4), Koch, D. Einwiller (6), Zitzmann, Sommerfeld (6), Böttcher (1), Kaese, Zater, Schmidt (2), Bomke, Hoffmann

SV Eiche 05 Biederitz: Wichmann, Wilken - Sonntag (3), Enke (1), Krebs, Peters (1), Steinweg (1), Große (7), Freistedt (2), Gottschalk (4), Schnetter (7)

Siebenmeter: Eintracht 4/3 - Eiche 7/5; Zeitstrafen: Eintracht 5 - Eiche 3; Rot: Jens Schmidt (60., 3x2 Minuten) -Gommern

 

Bilder