Güsen/Biederitz (bjr) l Erhöhten Redebedarf hatten am Samstagabend eigentlich nur Rene Schnetter und Robert Gottschalk. Die übrigen Biederitzer Teamkollegen waren längst in die Kabine verschwunden und auch jubelnde Güsener hatten das Feld in der Elbe-Havel-Sporthalle geräumt. Zurück blieben der 35:24 (16:13)-Sieg der gastgebenden Verbandsliga-Handballer vom GHC, eine fast leere Halle und das Duo vom SV Eiche 05, das die just erlittene Niederlage noch vor Ort gestenreich auswertete.

Geht es nach dem Biederitzer Trainer Uwe Werkmeister, bestand für allzu langes Wundenlecken aber gar keine Veranlassung. Der Coach blickte lieber auf die Habenseite: "Die Enttäuschung überwiegt nicht unbedingt. Was wir mitnehmen, ist, dass wir zumindest eine Halbzeit lang mitgehalten haben." Tatsächlich sprach der Drei-Tore-Rückstand zur Pause eher für die Gäste, die in buchstäblicher Not-Besetzung nach Güsen gereist waren. Doch was wäre erst gewesen, wenn Gottschalks Treffer zum vermeintlichen 14:16 nicht einen Wimpernschlag nach, sondern vor dem Pausenpfiff gefallen wäre? Was wäre gewesen, wenn sich die Gäste im ersten Abschnitt keine sechs Pass- sowie drei Technik-Regelfehler erlaubt hätten? So blieben am Ende nur Überlegungen im Konjunktiv. Und ein Derbysieger, der nun die wesentlich besseren Chancen im Kampf um einen Medaillenplatz hat.

Wie wichtig dem GHC die "Mission Bronze" nach dem freiwilligen Gang in die Verbandsliga ist, unterstrich Trainer Bernd Bretschneider nach dem Erfolg vom Sonnabend noch einmal: "Wir wollen diesen dritten Platz am Saisonende inne haben und werden jetzt alles daran setzen, ihn zu verteidigen." Gegen die Biederitzer musste seine Sieben dafür zugegebenermaßen nicht bis an ihre Grenzen gehen. Den Ausschlag gab am Ende die breitere Bank der Gastgeber. Von dieser kamen jedoch keinesfalls nur Lückenbüßer, sondern auch viel Qualität, wie Bretschneider hervorhob: "Alle Spieler haben sich gut eingebracht - ob sie nun in der Startaufstellung standen oder eingewechselt wurden."

Angesichts der Maximalzahl von 14 Güsener Namen auf dem Spielprotokoll konnten die Gäste nur gequält lächeln. Nachdem am Donnerstag vergangener Woche die Entscheidung fiel, trotz aller Besetzungssorgen im Kreisderby anzutreten, blieb Werkmeister nichts anderes übrig, als mit Akteuren aus dem Nordliga- und sogar Stadtliga-Kader aufzustocken. Dennoch trat das Unvermeidliche ein: "Der Kräfteverschleiß war am Ende zu groß. In der zweiten Halbzeit hat uns der GHC förmlich überrannt."

Die Gefahr ist groß, dass die Ehle-Handballer dieses Schicksal vor dem Saisonendspurt nicht zum letzten Mal ereilt hat. Mit Sören Große kehrt zwar ein wichtiger Akteur in dieser Woche ins Training zurück, doch mit Kapitän Karsten Wolff fällt eine echte Stütze weiterhin verletzt aus - wohl noch länger als geplant.

Derweil will der GHC weiter an seiner Erfolgsserie von zuletzt vier Siegen in Folge stricken. "Allerdings erwartet uns am Wochenende mit dem Post SV Magdeburg ein ganz großes Kaliber", weiß Bretschneider. Nicht nur, dass die Postler vor anderthalb Wochen Tabellenführer Eintracht Gommern in die Knie zwangen, auch die Erinnerung an den eigenen katastrophalen Auftritt im Hinspiel (17:26) ist noch bei den Güsenern präsent. "Wir sind gewarnt."