Am Ende trat das ein, was man vom Duell Schlusslicht gegen Spitzenreiter erwarten konnte: Mit 0:4 (0:2) unterlag der SV Traktor Tucheim dem TSV Rot-Weiß Zerbst am Sonnabend im Heimspiel der Fußball-Landesklasse II.

Tucheim l Welch besseren Tag hätte sich das Schlusslicht für einen Favoritensturz aussuchen können als einen 15. März? Exakt 2058 Jahre vor dem vergangenen Sonnabend, am Idus Martii 44 v.Chr., trug sich schließlich eine der berühmtesten Herrscherablösungen der Geschichte zu: Gaius Julius Cäsar, römischer Diktator auf Lebenszeit, fiel während einer Senatssitzung 23 Dolchstichen zum Opfer, mit denen eine Gruppe von Verschwörern um den berüchtigten Marcus Iunius Brutus seiner Regentschaft ein jähes Ende bereitete.

Hieb- und Stichwaffen sind natürlich auch auf dem Tucheimer Sportplatz tabu. Doch etwas mehr Wehrhaftigkeit hätten die rund 50 Zuschauer den Gastgebern dann doch gewünscht. "Uns war klar, dass wir gegen den Tabellenführer keine Welten zum Einsturz bringen würden", bekannte Tucheims Trainer Mike Schnorrer, "dennoch ist es schade für die Jungs, das zwei kleine Fehler so bestraft werden. Mit dem 0:2 war schließlich die Vorentscheidung gefallen."

Fehler Nummer eins war nach einem Freistoß von Carsten Kosel bei Thomas Haack zu suchen. Ihm kam die wenig neiderweckende Aufgabe zu, mit Otto Möbius den derzeit besten Torschützen der Liga abzumelden - über 90 Minuten gesehen sicher ein Ding der Unmöglichkeit. Doch verpasste es Haack vor dem 0:1, Möbius noch bei der Ballannahme zu stören, eine Drehung, ein Schuss und in der 38. Minute trat mit dem Tucheimer Rückstand das Erwartbare ein.

Den zweiten folgenschweren Patzer leistete sich ausgerechnet Torhüter Michael Weise, ansonsten regelmäßig bester Vertreter seines Teams. Wiederum einen Freistoß von Kosel faustete er Möbius direkt vor den Kopf. Der Goalgetter der Rot-Weißen ließ sich nicht lange bitten und sein Team mit dem 2:0 endgültig auf die Siegerstraße (43.) abbiegen.

Erschwerend hinzu kamen jedoch auch "kleine Faktoren", wie Schnorrer bemerkte. So war der Elfmeterpfiff, der Möbius` drittem Treffer vorausging, zumindest umstritten. Thomas Möhring nahm beim Zweikampf im Tucheimer Strafraum die Einladung dankend an, Schiedsrichter David Siegel deutete auf den Punkt. Umso ärgerlicher für die Gastgeber, dass die resolute Geste des Unparteiischen in der ersten Hälfte bei einem offensichtlichen Handspiel im Strafraum der Gäste noch ausgeblieben war. Gegentreffer Nummer vier durch Daniel Ernst (57.) hatte hingegen allenfalls noch statistischen Wert.

So blieb unter dem Strich der Tucheimer Brutus-Effekt aus. Wenig überraschend: Der Klassenerhalt rückte nach der 17. Saisonniederlage im 19. Spiel nicht näher. Doch immerhin blieb auch eine positive Erkenntnis - nämlich jene, dass zwischen dem Ersten und Letzten der Landesklasse II am Sonnabend keine Welten lagen: "Zwischenzeitlich war der Gegner mehr als nur nervös. Dass sich Zerbst vor allem in der ersten Halbzeit gegenseitig anging, war sicher auch ein wenig unser Verdienst. Die Mannschaft hat die taktische Marschroute gut umsetzt", stellte der Gastgebercoach fest.

Tucheim: Weise - Handke, C. Kandora, Haack, Paulini, Schröder, Schmidt (75. Gobel), Schulze, Feuerherdt, Diers, Ziemert (68. Keltner)

Zerbst: Werner - F. Sens, Fischer (57. Reichhardt), D. Ernst, H. Ernst, Kosel (57. Gieseler), Möhring, Möbius, Syring, S. Sens, Böning (63. C. Sens)

Tore: 0:1, 0:2, 0:3 Otto Möbius (38., 43., 57., FE), 0:4 Daniel Ernst (82.); SR: David Siegel (Magdeburg), Detlef Charnowski, Axel Bänsch; ZS: 50