Am Ende standen zwar nur die üblichen drei Zähler, doch der SV Eintracht Gommern hat am Sonnabend das wichtige "Sechs-Punkte-Spiel" in der Fußball-Landesklasse, Staffel II, gegen Roter Stern Sudenburg mit 4:0 (1:0) für sich entschieden. Dabei hielten die Gäste eine echte Überraschung in Sachen Personal bereit.

Von Björn Richter

Gommern l Die meisten Fußballer besitzen ein besonderes Gespür dafür, wann ein Ball im Tor landet oder nicht. Immerhin hatte auch ein Andreas Möller einst schon "vom Feeling her ein gutes Gefühl". Also zögerte Gommerns Florian Schulze in der 76. Minute nicht lange und nahm einen abgewehrten Freistoß am rechten Strafraumeck volley. Ein kurzes Verharren, Hinterherblicken und dann herrschte Gewissheit: Der Ball senkte sich über "Sterne"-Keeper Enrico Kunze hinweg und genau im richtigen Winkel unter die Torlatte. Das so erlösende 2:0 für den SV Eintracht war gefallen - auf eine zugegebenermaßen sehr sehenswerte Weise.

Auch Marko Bittersmann mag im Moment, als der Ball den Spann von Schulze verließ, gewusst haben: "Der passt". Auf ähnliche Weise hatte der heute 40-Jährige sein erstes Pflichtspieltor im Herrenbereich erzielt; vor über 20 Jahren; für den Schönebecker SV. Marko Bittersmann? Richtig gelesen. Von 2009 bis 2012 selbst in Diensten der Eintracht und danach in den fußballerischen "Vorruhestand" verabschiedet, gab der einstige SVE-Kapitän an alter Wirkungsstätte im Sportforum sein Comeback im offensiven Mittelfeld - wohlgemerkt beim Gegner. "Sterne"-Coach Bodo Thiele, bis Anfang Januar ebenfalls für die Gommeraner verantwortlich, hatte seine Kontakte spielen lassen und sorgte mit der Reaktivierung für anerkennendes Staunen - wenngleich die Maßnahme eher aus der personellen Not heraus geboren wurde. "Wir sind mit einer `jungen Altherrenmannschaft` aufgelaufen. In dieser war Marko Bittersmann neben Enrico Kunze ein wichtiger Pfeiler. Hut ab, dass er auch nach eineinhalb Jahren noch einmal so eine Leistung gebracht hat", so der Gästetrainer.

Allein, das bemerkenswerte Comeback von "Pitti" und die starke Leistung von Kunze nutzten den Magdeburgern wenig. Die junge Eintracht war über volle 90 Minuten läuferisch und spielerisch überlegen. Das frühe 1:0 vom aufgerückten Daniel Gropius, der nach einem Eckstoß am zweiten Pfosten höher sprang als zwei Sudenburger, war nur folgerichtig (14.). Während die Gäste allenfalls nach Standardsituationen Torgefahr andeuteten, erspielten sich die Gommeraner weitere hochkarätige Chancen, zeigten sich aber im Abschluss zu inkonsequent. SVE-Trainer Tino Garbisch schwante Böses: "Es war genau dasselbe Spiel wie in der Vorwoche, als wir uns in Tucheim nach 0:3-Rückstand auf 3:3 herangekämpft haben. Im Abschluss fehlt die Konsequenz. Aber - meine Güte - ein Großteil der Mannschaft besteht aus A-Junioren."

Dem Ego in jeder Hinsicht förderlich war dann der wichtige Treffer von Schulze - dem ersten echten Höhepunkt in der zweiten Hälfte. Bis dahin spielte die Eintracht nach Wiederbeginn nicht mehr mit dem ganz großen Druck, die Gäste taten sich weiter schwer, überhaupt in Tornähe zu gelangen. So erwies sich schließlich das 2:0 als Startschuss für ein furioses Gommeraner Finale. Nur sechs Minuten nach seinem ersten Treffer nutzte Schulze den ihm eingeräumten Platz, bewies Übersicht und führte mit dem 3:0 die endgültige Entscheidung herbei. "Körperlich und auch im Kopf sind wir danach völlig zusammengebrochen. Dieser Sieg ging dann letztlich auch in Ordnung", bekannte Gästecoach Thiele. Für die Seinen kam es noch dicker: In der Schlussminute staubte Robert Isensee zum 4:0 ab. Von Zuordnung mochte bei den Magdeburgern da schon niemand mehr sprechen.

Dagegen sorgte der Heimsieg beim SVE nicht nur für wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg, sondern auch für ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis. Garbisch maß dem Sieg daher vornehmlich psychologische Bedeutung bei: "Das sorgt wieder für Selbstvertrauen." Diese Worte wird sicher auch Tom Sindermann vernommen haben. Gommerns Mann für die linke Seite schien am Sonnabend nämlich fast als einziger an seinem Schicksal zu verzweifeln. Wie Teamkollege Schulze machte er bei seinen Freistößen in Tornähe fast alles richtig, doch überwinden ließ sich "Sterne"-Schlussmann Kunze von ihm nicht. Meist noch als der Ball in der Luft war, schickte Sindermann einen lauten Fluch hinterher - das Gespür trog eben nicht.

SV Eintracht Gommern: Hoffmann - Michaelis, Gropius, Namshaa (34. Schulze), Bea, Isensee, Christel, Wittpahl, Sindermann, Simon (83. Wipper), Freitag (81. Jieanu)

Roter Stern Sudenburg: Kunze - Schaar (60. Kessler), In der Au, Schimmelpfennig, Seidel, Scharke (77. Jaap), Bittersmann, Krzysko, Kleißle (46. Pritschow), Staab, Kreiser

Tore: 1:0 Daniel Gropius (14.), 2:0, 3:0 Florian Schulze (76., 81.), 4:0 Robert Isensee (90.); SR: Mario Lach (Redekin), Tim Lach, Gerhard Herrmann; ZS: 60