Flandern-Rundfahrt, Paris - Roubaix, Burg? Was als Klassiker im Radsport gelten will, braucht sein Kopfsteinpflaster. Der Vergleich zu den Monumenten in Belgien und Frankreich mag hinken, doch auch die Kreisstadt hatte beim 7. Rolandpokal eine der unter Zuschauern beliebten und unter Fahrern gefürchteten Passagen zu bieten; packenden Straßenrennsport natürlich auch.

Burg l Wer sich nicht auf seine Augen verlassen und das Begleitfahrzeug als Orientierung heranziehen wollte, hatte also immerhin noch die eigenen Ohren. Anders als in den Vorjahren fiel das Fahrerfeld nämlich am Sonntag aus akustischer Sicht nicht als sonor brummender Bienenschwarm auf. Entlang der Karl-Marx-Straße, auf Höhe der Diesterwegschule, bot der 7. Burger Rolandpokal auf einem kurzen Pflasterabschnitt auch hörbaren Straßenrennsport. Die Innenstadtstrecke rund um das namensgebende Wahrzeichen hatte in den Vorjahren ein wenig an Reiz eingebüßt, Baumaßnahmen verschärften die Situation zusätzlich. "Wir haben daher nach einer Alternativstrecke gesucht, rechtzeitig beim Ordnungsamt der Stadt Burg angefragt und uns für diese Runde entschieden. Und wir können wirklich zufrieden sein. Von den Aktiven kamen viele positive Rückmeldungen", fasste Frank Zettelmann, stellvertretender Vorsitzender des ausrichtenden Radclubs Lostau, zusammen.

Der Blick des Cheforganisators richtete sich zwar einige Male in Richtung Himmel, doch das Wetter spielte mit und so rückte glücklicherweise der sportliche Aspekt in den Vordergrund. Insgesamt fünf Rennen, allesamt als Kriterium auf der 1,4 Kilometer langen Runde im Norden der Stadt ausgetragen, waren für die Schüler, über die Hobbyfahrer bis hin zu den Elitefahrern der C-Klasse ausgeschrieben. Ganz im Sinne der bedauerlicherweise recht überschaubaren Zahl an Zuschauern hielten die Wettbewerbe auch, was sie versprachen: Knappe Entscheidungen und verbissen geführte Duelle bestimmten die Rennverläufe.

Nachdem die jüngsten Fahrer der Altersklasse U 11 über sechs Runden den Startschuss gaben, stand mit Christoph Heitzmann im zweiten Rennen gleich ein Lokalmatador des Gastgebervereins im Fokus. Im starken Feld der U 13 verpasste der Youngster zwar das Podium, konnte mit Platz fünf aber gut leben. Ähnlich erging es in der nächsthöheren Altersklasse Christophs Schwester Dorothea. Auf jeder der insgesamt 16 Runden vergrößerte sich der Abstand zur Spitze um Julius Müller. Der Ausreißerfahrer vom RSV Osterweddingen vereinte wenig überraschend am Ende auch die meisten Wertungspunkte auf sich. Doch dahinter führte mit Hannah Steffen vom Genthiner RC 66 eine weitere Einheimische das Verfolgerfeld an, sicherte sich taktisch überlegen den zweiten Platz. Eine Woche vor den Deutschen Straßen-Meisterschaften im pfälzischen Queidersbach nutzte sie die Gelegenheit, sammelte Trainingskilometer unter Wettkampfbedingungen und kann demnach am kommenden Sonntag, 29. Juni, mit einem guten Gefühl die "Operation Titelverteidigung" starten.

Obwohl die Lostauer Fahrer die Siegerehrung nur aus der Beobachterperspektive erlebten, zeigte sich Zettelmann mit dem Abschneiden zufrieden: "Die Konkurrenz schläft eben nicht und kam der Ausschreibung entsprechend auch aus anderen Bundesländern. Außerdem spielen Motivation und Tagesform eine wichtige Rolle. Ich denke, die Plätze fünf und sechs schmälern die Leistungen von Christoph und Dorothea nicht." Zudem hatte der Verein ja auch im Hauptrennen der C-Fahrer noch ein heißes Eisen im Feuer: Wolfgang Witte streifte sich zwar das Trikot vom Radmitte-Team Magdeburg über, dennoch galten beim RCL natürlich alle Sympathien ihrem "Wolle". Mit Platz vier schrammte dieser zwar wiederum knapp am Podest vorbei, schlug sich jedoch im Feld der Einsteiger-Profis durchaus wacker.

In jedem Fall ohne Fehl und Tadel war die organisatorische Leistung des Ausrichtervereins - auch auf der Alternativroute. Geht es nach dem 2. Vorsitzenden, steht einer achten Auflage im Jahr 2015 nichts im Weg: "Wenn man uns lässt, würden wir im kommenden Jahr gern wieder auf dieser Strecke fahren. Bis dahin und generell würde ich mir aber wünschen, dass das Interesse an Radsportveranstaltungen in der Bevölkerung wieder wächst und ein wenig mehr Verständnis für die notwendigen Straßensperrungen aufgebracht wird."

   

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