Drei Tage hochklassigen Reitsport hat der RV Ihleburg mit seinem 43. Turnier am vergangenen Wochenende geboten. Von Freitag bis Sonntag verzeichnete der Verein: rund 1000 Nennungen, beste Stimmung und den Triumph eines Lokalmatadoren beim abschließenden Turnierhöhepunkt.

Ihleburg l Dirk Holländer und Celli befanden sich gerade im Sprung über das letzte Hindernis, da riss der Starter vom RV Ihleburg bereits den Arm nach oben, ballte die Faust und setzte ein Lächeln auf. "Eigentlich habe ich das bislang nur einmal in Wörmlitz gemacht; damals über einer Wand, nun also bei einer Stange. Natürlich ist so etwas immer riskant, aber in Ihleburg - bei diesem tollen Publikum - musste es einfach sein." Der fehlerfreie Ritt hatte ihm einen Platz in der Siegerrunde bei der S-Springprüfung vom Sonntag beschert. Endgültig aus dem Häuschen waren Holländer und die Zuschauer dann aber, als feststand, dass der Lokalmatador auf seinem eigentlichen Erfolgspferd Lansdown im Stechen die schnellste Zeit unter den Finalisten hingelegt hatte. "Alle acht Reiter, die dabei vertreten waren, sind schnelle Leute. Vorhersehbar ist ein Sieg da nicht. Umso mehr hat es mich natürlich gefreut, dass mit das vor heimischer Kulisse gelungen ist."

Eine besondere Atmosphäre

Spätestens beim abschließenden Höhepunkt vom Sonntag war sie allgegenwärtig: eine besondere Atmosphäre, wie sie wohl nur bei den wenigsten Turnieren in Sachsen-Anhalt vorherrscht. Sobald Reiter und Pferd zu einer Runde ansetzten, herrschte im Ihleburger Rund und auf der Tribüne absolute Ruhe - nur gelegentlich durch ein einzelnes, kehliges "Iiih-jaaa" unterbrochen, wenn es zwischen Huf und Stange wieder einmal ganz knapp wurde. Die Stille vor dem Sprung endete jedoch meist abrupt, wenn das letzte Hindernis passiert und der Umlauf fehlerfrei absolviert war. "Man merkt, dass das Publikum bei jedem einzelnen Sprung mitfiebert."

Eine Gastgeberbilanz, die sich sehen lassen kann.

Gänsehaut-Atmosphäre herrschte dann auch bei den anderen Ihleburger Startern des S-Springens vor. Etwa bei Steffen Buchheim, der gleich mit drei Pferden im Stechen vertreten war, am Ende die Plätze vier bis sechs für sich in Anspruch nahm. Oder bei Lisa Naujok, deren achtjähriges Deutsches Sportpferd Quebo überhaupt erst seine zweite Prüfung der schweren Klasse absolvierte. Kompliment vom Champion: "Beide haben ihre Sache sehr gut gemacht."

Dann war da auch noch Hendrik Holländer. Der Cousin des späteren Siegers haderte nach mehreren vorderen Platzierungen zunächst lautstark mit sich. Mit Claire hatte er die Siegerrunde aufgrund eines Fehlers bei der dreifachen Kombination am vorletzten Hindernis verpasst. Doch immerhin rutschte er in die Liste der Platzierten und durfte sich damit trösten, nicht als Einziger an den Tücken des Parcours gescheitert zu sein. Schließlich wurde der Schwierigskeitsgrad erst unmittelbar vor der Prüfung noch einmal angehoben. "Ich habe den Parcours wirklich als schwer empfunden. Es war aber okay, denn es waren sehr gute Sportler am Start", schätzte Dirk Holländer ein.

Insgesamt konnte sich das Abschneiden des Gastgebervereins jedoch sehen lassen. "Natürlich war der Sieg von Dirk im Hauptspringen ein wunderbarer Abschluss. Aber auch alle anderen haben gute Ergebnisse und Platzierungen hingelegt. Manch einer wird nicht ganz zufrieden gewesen sein, aber so ist es eben: Mal fällt die Stange, mal bleibt sie liegen", schätzte die Ihleburger Vereinsvorsitzende Sabine Behrendt ein.

Mächtig ins Zeug gelegt haben sich natürlich auch die übrigen Teilnehmer aus dem Jerichower Land. Unter den "einheimischen Auswärtigen" verbuchte etwa Carmen Dreusicke vom RV Jerichow-Steinitz je einen und zweiten Platz in L-Springprüfungen. Anne-Katrin Gotzel vom RV Eichenhof Schermen-Pietzpuhl war in den Springen der mittelschweren Klasse eine sichere Bank. Sie nahm unter anderen die Schleifen für je einen ersten, zweiten und dritten Platz entgegen. Vereinskollegin Joan Wecke demonstrierte hingegen ihre Ausnahmestellung unter den Nachwuchsreitern: Die Elfjährige heimste unter anderem fünfmal Rang drei und den Sieg in der A*-Stilspringprüfung vom Sonntag ein.

Abzeichen für Top-Leistung

Als der sportliche Teil Geschichte war, wurde es für Dirk Holländer noch einmal emotional. Aus den Händen von Heidi Hame, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Reit- und Fahrvereine in Sachsen-Anhalt, erhielt er das Goldene Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Diese höchste der elf Leistungsauszeichnungen wurde im Fall Holländers für insgesamt zehn Karrieresiege bei S-Springen verliehen. Dass im "Heimspiel" Nummer elf dazukam, dürfte ihn mindestens genauso gefreut haben.

 

Bilder