Fußball-Kreisoberligist FSV Borussia Genthin hat seine Trainerfrage mit einer internen Lösung beantwortet. Neben viel Vertrauen bekam das Trainertrio Kevin Wolf, Jan-Rocco Paschel und Tobias Wolf bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag allerdings auch einen kleinen Euphoriedämpfer mit auf den Weg.

Genthin l Der Borussia-Trainer Kevin Wolf unterscheidet sich vom Borussia-Spieler Kevin Wolf nur in winzigen Details. Das wurde bei der Jahreshauptversammlung in einem Genthiner Gartenlokal deutlich, als die neue Übungsleiter-Troika offiziell vorgestellt wurde. So wie er als Stürmer auf dem Platz stets den direkten Weg zum Tor sucht, stellte er auch vor den Mitgliedern klar: "Entweder es ziehen alle in der Mannschaft mit oder wir können es lassen." So wie ihn Gegentore seines Teams selten beeindrucken, verdeutlichte er am Donnerstag, dass mit Rückschlägen zu rechnen sei: "Wir stecken alle in einem Lernprozess - Spieler wie Trainer. Von jetzt auf gleich lassen sich bestimmte Dinge aber einfach nicht ändern."

Dass sich bei den Genthiner Fußballern bestimmte Dinge wandeln müssen, steht außer Frage. Dass nicht nur kleine Stellschrauben gedreht, sondern der Gesamtverein gefordert ist, wurde noch einmal deutlich. So bleibt das Sorgenkind der Borussia die zweite Mannschaft in der Kreisliga, Staffel Nord. In seinem Bericht machte der FSV-Vorsitzende Detmar Gronwald unmissverständlich klar: "Die Absprachen werden sich ändern müssen. Es kann nicht sein, dass die Zweite mit neun Spielern zum Auswärtsspiel fährt und bei der Ersten sitzen vier auf der Bank." Trotz vier weiterer Abgänge in beiden Teams, denen mit Dirk Fischer und Christopher Dziony zwei Rückkehrer gegenüberstehen, hat der Verein seine Reserve für den Spielbetrieb gemeldet.

Deutliche Worte gab es auch von Versammlungleiter Jörn Döbbelin: "Man verspürt dieselbe Euphorie wie zu Beginn der Traineramtszeit von Bernd Schmidtchen. Aber das kann sich schnell ändern. Als Trainer mag man vielleicht die Richtung vorgeben, doch für das sportliche Wohl oder Wehe sind letztlich die Spieler verantwortlich." In kollektiver Negativerinnerung sind etwa dunkle Oktoberabende, in denen zu Trainingseinheiten beider Teams nur fünf Akteure erschienen. Damit diese Zeiten der Vergangenheit angehören, haben die drei neuen Übungsleiter, von denen Kevin Wolf die Rolle des Spielertrainers übernimmt, während sich Paschel und Tobias Wolf auf das reguläre Coaching während der Spiele konzentrieren, eine erste Änderung veranlasst: "Es trainieren ab sofort erste und zweite Mannschaft mit den B-Junioren zusammen", informierte Kevin Wolf. Auf diese Weise soll auch die Kluft zwischen Nachwuchs- und Seniorenbereich, die durch das Fehlen einer A-Jugend entsteht, überbrückt werden.

Apropos Nachwuchs: Jugendwart Ralf Werner konnte eine positive Bilanz zum abgelaufenen Spieljahr ziehen: "Die Zahlen liegen mit 72 Nachwuchsspielern konstant, wir haben das Jahr ohne Spielabsage durchbekommen. Allen voran ist dies ein großer Verdient der Übungsleiter." Zusammen mit dem ausgeglichenen Haushalt, den Kassenwart Reinhard Templin den Mitgliedern präsentierte, war dies sicher die erfreulichste Nachricht, die bei der Versammlung überbracht wurde. Damit auch das "Aushängeschild" in der Kreisoberliga wieder mehr positive Schlagzeilen schreibt, sei vor allem Nachhaltigkeit gefragt. Oder wie es Kevin Wolf ausdrückte: "Die Euphorie, die wir jetzt verspüren, muss sich länger als zwei Wochen halten."