Natürlich warten im Derby der Fußball-Landesliga zwischen dem Burger BC 08 und dem SV Union Heyrothsberge auf den Sieger auch nur drei Punkte. Wenn der Tabellenführer und der Aufsteiger jedoch morgen um 15 Uhr aufeinandertreffen, geht es noch um ein bisschen mehr.

Burg/Heyrothsberge l Nein, es ist kein Titel, der den Briefkopf ziert. Auch einen neuen Pokal wird sich morgen Abend keines der beiden Teams in die Vitrine stellen können. Und dennoch gibt es im Derby um die inoffizielle Fußball-Krone im Landkreis eine Menge zu gewinnen und zu verlieren: Prestige. "Die Spieler kennen sich natürlich untereinander. Viele haben auch miteinander gespielt, dann haben sich die Wege irgendwann getrennt. Das schafft eine gewisse Brisanz und das freut uns", blickt der Burger Coach Thomas Sauer freudig auf das Spiel voraus.

Einer, der noch gemeinsam mit Sauer auf dem Feld gestanden hat, ist Marcus-Antonio Bach, mit fünf Treffern aus vier Spielen Top-Scorer der Unioner. Für den 22-Jährigen, der Seite an Seite mit dem Coach des morgigen Kontrahenten für die SG Blau-Weiß Gerwisch spielte, steht dann auch außer Frage, ob es sich um ein ganz gewöhnliches Landesliga-Duell handelt oder nicht: "Vor so einem Spiel knistert es, Aufregung macht sich breit. Ja, es ist etwas Besonderes. Es geht ja auch gewissermaßen darum, wer den Ton im Jerichower Land angibt", lässt der Heyrothsberger Torjäger einen kleinen Einblick in die Gefühlswelt zu.

Im Gegensatz zu vielen Lokalduellen ist die Paarung jedoch ein echtes Kuriosum. In den Fußball-Annalen des Landkreises sucht man vergeblich nach einem Ligaduell zwischen dem BBC 08 und dem SV Union. Unterschiedliche Ligen und Staffeleinteilungen sorgten in der Vergangenheit dafür, dass sich beide Vereine zumindest im Kampf um die Punkte aus dem Weg gingen. Vor gut drei Jahren trafen sich die Kreisstädter und Unioner dann aber doch aber zum fußballerischen Kräftemessen. Im Kreispokalfinale der Saison 2010/2011 in Möser setzten sich die Burger mit 4:1 nach Elfmeterschießen durch. Aus dem damaligen Endspiel stehen allerdings gegenwärtig nur noch vier Spieler im Kader des BBC, bei den Heyrothsbergern sind es immerhin noch sechs.

Dass dennoch die Devise "man kennt sich, man schätzt sich" gilt, bestätigt Goalgetter Bach: "Außerhalb des Fußballplatzes läuft man sich selbstverständlich auch über den Weg. In der Disco kommt dann abends vielleicht ein kleiner Kommentar, gestichelt wird aber nicht wirklich." Den vornehmlich aus dem bezahlten Sport bekannten "Trash Talk" zur Einschüchterung des Gegners gibt es demnach vor dem Kreisderby nicht. Stattdessen begegnen sich beide Seiten mit viel Respekt.

"Wollen uns möglichst teuer verkaufen."

Union-Coach Torsten Völckel etwa geht es vornehmlich darum, dass "wir uns gegen den Favoriten auf den Staffelsieg möglichst teuer verkaufen. Seien wir ehrlich: Sollten wir verlieren, ist alles normal verlaufen. Gewinnen wir aber, ist uns eine ziemlich große Überraschung geglückt." Diese um jeden Preis vermeiden will natürlich die Gegenseite. Etwa mit der gewohnt stabilen Defensive, die in der Vorwoche trotz des Ausscheidens im Fußball-Landespokal einen guten Auftritt ablieferte: "Natürlich müssen wir uns in der Mannschaft vorab auch über einen `Toni` Bach unterhalten. Er ist ein schneller, technisch versierter Spieler, der noch dazu viel Gefahr bei Kopfbällen ausstrahlt. Ihm wenig Raum zu geben, wird eines der Hauptaugenmerke im Spiel sein. Da mache ich mir bei unseren Innenverteidigern allerdings wenig Sorgen", schätzt Sauer ein.

Auf Überstunden in der Defensivabteilung stellt sich allerdings auch die Gegenseite ein. Angesichts der geballten Burger Offensivkraft samt beeindruckender 11:1-Torbilanz in vier Spielen wirkt es nicht wie Tiefstapelei, wenn Völckel ausspricht: "Da kommt wirklich ein schwerer Brocken auf uns zu." Anders als im zurückliegenden Duell gegen die TSG Calbe (4:3) darf davon ausgegangen werden, dass eine durchschnittliche Tagesform in der Abwehr kaum ausreichen wird, um für eine Überraschung zu sorgen.

Eine gesonderte Vorbereitung auf den Gegner gab es übrigens auf beiden Seiten nicht. "Wir wollen uns auch im Training ganzheitlich weiterentwickeln. Aber natürlich sind wir Fußballer genug, um zu wissen, dass wir nach vorn mehr machen müssen als im Pokalspiel gegen Weißenfels", blickt Sauer auf die Trainingswoche zurück. Die Unioner nutzten derweil das vergangene spielfreie Wochenende für eine zusätzliche Übungseinheit - auch um die Spannung möglichst hoch zu halten. Zusätzlich motivieren musste aber auch der Union-Coach seinen Mannen vorab nicht: "Durch die Kontakte untereinander ist genug Feuer in der Partie."

Es fehlen: Mathias Herms (krank), Tim Schaarschmidt, Hannes Schock (krank, fraglich), Philipp Baumgartl (langzeitverletzt), Marco Westhause (rekonvaleszent) - Christian Krümling, Max Zimmermann (beide langzeitverletzt), Nico Nazare Vaz (Urlaub); SR: Michael Müller (Oranienbaum), Christoph Blasig, Christian Schütze