Mit dem Vize-Titel bei den Deutschen Zeitfahrmeistenschaften hat Hannah Steffen vom Genthiner RC 66 am Wochenende einen erfolgreichen Abschluss der diesjährigen Straßensaison hingelegt. Bei den Titelkämpfen in der niedersächsischen Gemeinde Springe präsentierte sich die Radsportlerin gereifter als je zuvor.

Eldagsen/Genthin (rew/bjr) l Noch vor drei Jahren stand am Start stets ein kleines Nervenbündel. Der Körper bebte vor Aufregung wie bei einer schlimmen Schüttelfrostattacke. Am vergangenen Sonntag hingegen stand dort: Hannah Steffen, in sich ruhend, durch und durch ein Wettkampftyp und fähig, in entscheidenden Situationen über sich hinauszuwachsen.

Eine Minute vor dem Beginn, als die vor ihr Startende die Rampe verlassen hat, begann bei Hannah die Phase maximaler Konzentration. Geistig und körperlich topfit ging die 15-Jährige die Meisterschaft in der Hildesheimer Börde an. Mit der Startfreigabe übernahmen schließlich Erfolgshunger und Siegeswille die Kontrolle. Der Puls schnellte sprichwörtlich auf 200 hoch, pendelte sich im Bereich 170 bis 180 ein, um sich dann wieder in den schwierigen Passagen an der 200er-Grenze entlang zu bewegen.

Auf dem anspruchsvollen und welligen Kurs, der sich wesentlich vom flachen Genthiner Kurs der vergangenen Jahre unterscheidet, ging es lange, kräftezehrenden Anstiege hinauf und relativ ähnliche Abfahrten hinab. Die kurvenreichen Ortsdurchfahrten erforderten viel fahrerisches Geschick. Außerorts präsentierte sich die Strecke windanfällig und auf den letzten 800 Metern zum Ziel stetig ansteigend. Keine Frage: Dieser Kurs ließ keine gleichmäßige Fahrweise zu. GRC-Trainer Wolfgang Fischbach beschrieb die Strecke in wenigen Worten: "Es ist ein harter Ausdauer-Kraft-Kurs, der es in sich hat."

Hannah war erste Starterin unter den sieben Titelanwärterinnen. Eine Minute hinter der Genthinerin startete ihre befreundete gleichaltrige Dauerrivalin Jasmin Cunert aus Cottbus, die ebenfalls zu den Titelaspiranten zählte. In der "letzten Welle" holte Hannah die zwei vor ihr gestarteten Fahrerinnen ein und gewann stetig an Vorsprung. 500 Meter vor dem Ziel signalisierte Trainer Fischbach im Begleitfahrzeug: Daumen hoch - eine Topleistung. Mit Bestzeit ging es ins Ziel.

Anschließend galt es jedoch, die Zielankunft von Jasmin abzuwarten, um den Wert der eigenen Leistung abzuschätzen. Hannahs Vorsprung betrug nach 13,6 Kilometern schließlich 28 Sekunden. Noch vor sechs Wochen hatte die Cottbuserin Hannah um zwei Sekunden bei einem Zwölf-Kilometer-Zeitfahren geschlagen. Gewissheit bestand aber erst nach der letzten Starterin Lena Ostler. Die aktuelle Deutsche Meisterin im Straßen-Einer aus Bayern unterbot die Bestzeit um 3,31 Sekunden, was etwa 15 Metern Vorsprung entsprach.

Hannah und Lena waren schließlich die einzigen, die eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 38 Kilometern pro Stunde erzielten. Für Hannah und die Genthiner Verantwortlichen war es ein erfreulicher, da erfolgreicher Abschluss der Straßen-Saison - und für die junge Genthinerin sicher auch ein weitere bestandene Reifeprüfung.