Mit der 0:8 (0:6)-Niederlage des SV Union Heyrothsberge gegen den Halleschen FC ist am Sonnabend das Erwartbare in der zweiten Runde des Fußball-Landespokals eingetreten. Grund zur Scham bestand aus Sicht des Landesligisten nicht, eher haderten die Unioner gegen den einzigen Drittligisten im Wettbewerb mit dem Schicksal.

Heyrothsberge l Karsten Völckel hat innerlich geflucht. Stefan Groth suchte für jeden sichtbar verzweifelt Halt an der Barriere neben der Auswechselbank. So verschieden die Ausdrucksformen auch gewesen sein mögen, in ihrer Enttäuschung waren die Unioner am Sonnabend vereint, inklusive ihrem Trainer: "Wir sind auf einen übermächtigen Gegner getroffen, der unsere Fehler gnadenlos bestraft hat. Wir hätten immer zwei Spieler da haben müssen, wo ein Hallenser stand", veranschaulichte Torsten Völckel.

Im Fall seines Sohns fehlten allerdings nur die gern zitierten Zentimeter zu einer Änderung im vereinseigenen Geschichtsbuch. Hinter Karsten Völckel hätte da fortan gestanden: offensiver Mittelfeldspieler, erster Torschütze des SV Union gegen einen Drittligisten. Nach einem Einwurf tänzelte er sich in der 42. Minute in den HFC-Strafraum vor und scheiterte erst an einer starken Fußabwehr von Lukas Königshofer. Der Schweizer Torwart-Export in Diensten der Saalestädter vereitelte somit die einzige Chance der Platzherren in 90 Minuten.

Dem gescheiterten Ehrentorschützen zum Trotz war der unrühmliche Titel als "Pechvogel des Spiels" zu diesem Zeitpunkt Union-Kapitän Groth nicht mehr zu nehmen. Bereits nach zehn Minuten war sein Arbeitstag wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel gelaufen. "Stefan fällt im Spiel zehnmal, steht aber ebenso oft wieder auf. Diesmal ging es aber nicht mehr weiter", so Coach Völckel, der zugleich verneinte zugleich, dass es sich um eine "Risiko-Personalie" gehandelt hatte: "Er hat sich vorher zu 100 Prozent fit gefühlt."

Bittersüßer Trost: Groth musste nicht mehr miterleben, wie die Hallenser nach knapp einer Viertelstunde per Doppelschlag durch Osayamen Osawe (13.) und Sascha Pfeffer (14.) ernst machten und fortan Gefallen daran fanden, den Gastgeber in die Zuschauerrolle zu drängen. Auffällig: Fast alle Treffer fielen nach traumwandlerisch sicheren Kombinationen aus unmittelbarer Nahdistanz. Union-Keeper Clemens Behrenwald war in den meisten Situationen ebenso chancenlos wie die aufopferungsvoll kämpfende Abwehrreihe, die sich über weite Teile als Fünferkette mit den beiden zurückgezogenen Flügelspielern Tom Raue und André Seipold präsentierte. "Die ersten beiden Gegentreffer sind zu früh gefallen. Wenn wir ehrlich sind, war das Spiel danach im Grunde gelaufen."

Mit der sicheren Führung im Rücken griff der Favorit tief in die Trickkiste. Nach Foul an Robert Schick verwandelte Andy Gogia den Elfmeter zum 5:0 (35.) im Panenka-Stil: Der HFC-Kapitän chipte den Ball in die Mitte des Tores, als Behrenwald längst ins linke Toreck abgetaucht war.

Dass die Grenze zur Vorführung nicht überschritten wurde, lag zum einen daran, dass Heyrothsberge in der zweiten Halbzeit noch ein paar Meter tiefer stand. Zum anderen nahm der Favorit auch das Tempo aus dem Spiel. "Sicher haben wir die ein oder andere Chance noch liegen lassen", bekannte HFC-Coach Sven Köhler, fügte aber an: "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass noch etwas passiert." Daran hätte sich wohl auch nichts geändert, wäre der Ehrentreffer gefallen. Der Jubel wäre kurz und bescheiden ausgefallen und den Unionern allemal zu gönnen gewesen.

Tore: 0:1 Osayamen Osawe (13.), 0:2 Sascha Pfeffer (14.), 0:3 Dominic Rau (28.), 0:4, 0:5 Akaki Gogia (31., 35., FE), 0:6 Sascha Pfeffer (45.), 0:7 Tony Schmidt (48.), 0:8 Sascha Pfeffer (67.); SR: Torsten Felkel (Salzwedel); ZS: 552