Die D-Jugend-Fußballer des Burger BC 08 sind derzeit ärgster Verfolger des 1. FC Lok Stendal, dem Spitzenreiter der Talenteliga, Staffel Nord. Das neue Konstrukt ist mehr als die gewohnte Landesliga im neuen Gewand und stellt Spieler, Trainer und Vereine vor neue Herausforderungen.

Burg l Neymar Jr., Freddie Ljungberg, Bastian Schweinsteiger: Gemessen an den großen Vorbildern ist bei den D-Jugend-Fußballern des Burger BC 08 alles beim Alten geblieben. Doch bis auf die gedruckte Heldenverehrung auf den Trainingstrikots ist seit der aktuellen Saison vieles doch ganz anders. "Schuld" ist die vom Fußball-Verband Sachsen-Anhalt (FSA) eingeführte Talenteliga, für die auch die Ihlestädter gemeldet haben. Von einer "völligen Umgewöhnung" spricht etwa Michael Hucke, einer der beiden verantwortlichen D-Jugend-Trainer beim BBC 08.

Das liegt zum einen an Huckes persönlichem Werdegang. Nachdem er bis zum Sommer 2013 drei Jahre lang die Geschicke bei den Landesklasse-Herren in Niegripp gelenkt hatte, kam für den B-Lizenz-Inhaber zügig das Angebot als Trainer am DFB-Stützpunkt Burg. Im Hintergrund liefen beim FSA bereits die Planungen für die Talenteliga. "Mir ist es dann nicht schwer gefallen, ja zu sagen. Das Konzept hatte Hand und Fuß." Die Umstellung vom Senioren- auf den Nachwuchsbereich verlief einfacher als gedacht. Doch die neue Eliteklasse für D-Jugendliche mitsamt ihrem gänzlich erneuerten Regelwerk (siehe Infotext rechts) sorgte für eine zusätzliche Herausforderung. "Mit dem bisherigen Spielbetrieb in der Landesliga ist das nicht mehr zu vergleichen."

Unstrittig ist, dass die Talenteliga leistungsorientierter und reizvoller geworden ist als ihr Vorläufer. Dafür sorgt neben dem Modus inklusive späterer Meister- und Platzierungsrunde auch die Fokussierung auf die 16 Stützpunkt-Standorte des Bundeslandes. Die BBC-Spieler stammen so beispielsweise aus Theeßen, Genthin, Tucheim, Güsen, Gerwisch oder eben Burg und dürfen so im weiteren Sinne als Kreisauswahl des Jerichower Landes gelten.

Ein stattliches Pensum

Ohnehin ist die Verzahnung ein wichtiger Begriff. Ein großer Teil der jetzigen D-Jugendlichen trainiert auch am DFB-Stützpunkt - und wird eben nicht nur gefördert, sondern auch gefordert, wie Hucke zu berichten weiß: "Mit je zweimal Stützpunkt- und Vereinstraining in der Woche ist das Pensum nicht zu unterschätzen. Wir achten aber sehr darauf, ob etwa auch die schulischen Leistungen stimmen oder ob Umgangsformen und das Verhalten untereinander passt. Funktioniert es nicht, alles unter einen Hut zu bringen, muss man mit dem Training eben etwas zurückfahren."

Neben Hucke wird der BBC-Nachwuchs vom 48-jährigen Thomas Schulze gecoacht. Außer der Landesauswahl U 12 zieren etwa auch die Verbandsliga-Herren des 1. FC Lok Stendal, die er in der Saison 2012/2013 in Doppelfunktion als Trainer und Sportmanager führte, seinen Lebenslauf. Als Rückschritt sieht er seinen Job rund um den Nachwuchs im Jerichower Land aber nicht: "Die Verbandsliga ist eine schöne Sache, aber ich stand in Stendal unter permanentem Druck. Hier kann ich mich in Ruhe auf eine Sache konzentrieren, die Spaß macht: Talente finden und fördern."

So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass eigentlich zu jedem Spiel der Talenteliga Scouts größerer Vereine am Spielfeldrand gesichtet werden. Denn wer weiß - vielleicht ziert jene Spielergeneration, die derzeit auch beim Burger BC 08 die großen Idole auf dem Rücken trägt, eines Tages auch das Fantrikot eines hoffnungsvollen Jugendspielers.

 

Bilder