Wolfen/Gommern (bjr) l So mancher Patient des Bitterfelder Kreiskrankenhauses mag am Samstagabend seinen Ohren nicht getraut haben: Da stand eine fast vollzählige Handballmannschaft vor den Kliniktoren und schmetterte ein Ständchen mit der Kernbotschaft: "Wir lassen dich nicht hier". Spät, spontan und auch ein wenig schief gestaltete sich das Empfangskommitee für Gordon Kaffenberger. So kam nämlich auch der Rückraumrechte des SV Eintracht Gommern noch dazu, den 34:31 (15:20)-Auswärtssieg in der Sachsen-Anhalt-Liga bei der HSG 2000 Wolfen gemeinsam mit den Kollegen auszukosten.

Der Umweg, den der SVE-Mannschaftsbus auf dem Heimweg von der Sporthalle Wolfen-Krondorf nahm, hatte jedoch einen ernsten Hintergrund: Für Kaffenberger endete der Abend ausgesprochen schmerzhaft. In der 40. Minute - der Gäste liefen wie bereits zur Pause einem Fünf-Tore-Rückstand hinterher - bekam der 20-Jährige einen heftigen Schlag im Gesicht ab und blieb benommen liegen. Glück im Unglück: Der befürchtete Bruch eines oder mehrerer Gesichtsknochen bestätigte sich nicht. Stattdessen ergab die Diagnose "nur" einen ausgerenkten Kiefer. "Es gehört dazu, ihn dann geschlossen als Mannschaft aus dem Krankenhaus abzuholen", erklärte Trainer Dirk Heinrichs. Denn so seltsam es auch wirkte, mit dem Ausfall Kaffenbergers startete die Eintracht eine Aufholjagd, die letztlich belohnt wurde: "Es ging ein Ruck durchs Team. Alle wollten für den verletzten Mitspieler das Blatt wenden. `Jetzt erst recht` lautete die Devise", schilderte der Coach.

Abwehr als Trumpfkarte

Tor um Tor holten die Gäste ab der 45. Minute auf. Über das 23:25 und 28:28 übernahmen sie in der Schlussphase das Kommando und drängte die Wolfener ab dem 30:28 in die Zuschauerrolle. Allen voran Rückraum-Youngster Stephan Lindner, am Ende mit zehn Toren bester Werfer, spielte im Angriff wie entfesselt und die offensive 4-2- und 3-3-Abwehrformation tat ihr Übriges.

Schon gegen Ende der ersten Hälfte hatte der Eintracht-Coach gemerkt, dass die anfängliche 6-0-Variante sich nicht auszahlen würde: "In den letzten fünf Minuten vor der Pause war zu sehen, dass sich Wolfen gegen eine offensive Deckung schwer tut." Die Hypothek, welche die Gäste bis dato jedoch angehäuft hatten, war beachtlich. Nach einer guten Startphase, in der die Gommeraner zum 6:2 vorgelegt hatten, berappelte sich die HSG nach einer Auszeit, übte viel Druck auf die zu passive Eintracht-Abwehr aus und legte mit einfachen Treffern einen Lauf zum zwischenzeitlichen 13:9 hin.

Dass sich die Anfahrt zum letzten Spiel des Jahres dennoch aus Sicht des Teams und der zahlreichen mitgereisten Fans lohnte, war letztlich dem Comeback zu verdanken, über das sich natürlich auch Heinrichs entsprechend freute: "Dieser Erfolg war enorm wichtig. Einerseits für das Punktekonto, andererseits für den Zusammenhalt im Team." Die Gesangseinlage im Nachgang des Abends lieferte den besten Beweis.

SV Eintracht Gommern: Hartung, Salm - Kaese (5), Herrmann (5), Schmidt (2), Böttcher, Lindner (10), Hennig, Kaffenberger (7), D. Einwiller (4), Bomke