Offiziell ruht der Ball in der Kreisoberliga noch gut zweieinhalb Wochen. Bevor am 28. Februar die Rückrunde startet, lässt sich die erste Halbserie aber schon jetzt als ein Versprechen auf Spannung in den ausstehenden zwölf Spieltagen werten: ein ausgeglichenes Titelrennen, starke Neulinge und bis hinein ins Tabellenmittelfeld kann sich niemand dem Ligaverbleib sicher sein.

Jerichower Land l Natürlich würde man auch in Theeßen die Gültigkeit einer alten Fußballer-Weisheit unterschreiben, laut der zwischen Nikolaus und Osterhase keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. Abgerechnet wird immer noch zum Schluss und von seinem inoffiziellen Titel als Herbstmeister wird sich der SV 85 in einem halben Jahr herzlich wenig leisten können, wenn er die Leistungen der ersten zwölf Saisonpartien nicht bestätigt. "Ein wenig ist in der angelaufenen Vorbereitung bei uns der Schlendrian eingekehrt. Diesen müssen wir vor dem Rückrundenstart heraus bekommen", warnt Spielertrainer Martin Prost vor zu viel Gemütlichkeit.

Dass seine Mannschaft zum Jahreswechsel den Spitzenplatz, den sie seit dem fünften Spieltag nicht wieder hergab, beansprucht und als einziges Team der Liga ungeschlagen durch die Hinrunde marschierte, war jedoch keine Selbstverständlichkeit. Vor rund einem Jahr vollzogen die 85er einen Neuanfang. Prost übernahm das Team als Spielercoach, krempelte vor allem im Sommer die Altersstruktur gehörig um und auch in Sachen Spielstil hat sich einiges geändert: "Das Theeßen, bei dem vor drei Jahren noch der Libero das Spiel mit langen Bällen eröffnet hat, gibt es nicht mehr."

Dennoch trägt der Wandel erstaunlich frühe Früchte. Ein konkretes Saisonziel wurde etwa vor der Serie trotz vorderer Platzierungen in den vergangenen Jahren nicht formuliert. "Auf der Weihnachtsfeier hat man gemerkt, wie die Spieler regelrecht auf eine Ansage gewartet haben. Dort haben wir dann das Ziel formuliert, oben dranbleiben zu wollen", schildert Prost.

Damit befindet sich sein Team in guter Gesellschaft. Auch ein Verfolgertrio aus Genthin, Gladau und Gehrden muss Platz eins, beziehungsweise einen der beiden Aufstiegsränge längst noch nicht abschreiben. Mit der Genthiner Borussia und dem VfL bestätigten zumindest zwei der "üblichen Verdächtigen" die Erwartungen, die ligaweit vor der Saison in sie gesetzt wurden.

Ein Aufsteiger mischt die Liga auf

Deutlich aus der Reihe fällt dagegen der Aufsteigervon der DSG Eintracht. "Unser Abschneiden kommt völlig überraschend. Sicher sind wir gut durch die Saison in der Kreisliga gekommen, aber dass uns nach dem direkten Wiederaufstieg ein derartiger Start gelingt, war nicht zu erwarten", erklärt Trainer Kai Weber den wohl angenehmsten Betriebsunfall der Gladauer Fußballgeschichte. Tatsächlich schien das Jahr nach dem Kreisoberliga-Abstieg 2013 weniger ein Rückschritt gewesen zu sein, als vielmehr ein Anlauf, der genutzt wurde. "Man merkt, dass unsere jüngeren Spieler mit ihren 23, 24 Jahren deutlich gereift sind. Weil es aber ohne Routiniers nicht funktioniert, ist es die mannschaftliche Geschlossenheit, die uns in der Hinrunde ausgezeichnet hat", erklärt Weber das Erfolgsrezept.

Das nach Eigenbezeichnung fußballverrückte "gallische Dorf", in dem der Trainer auch regelmäßig auf die Euphoriebremse treten muss, hat damit dem breiten Tabellenmittelfeld derzeit einige Meter voraus, die es auch über die Ziellinie bringen will: "Oberstes Ziel bleibt natürlich der Klassenerhalt. Aber wenn wir am Ende unter den ersten Sechs landen, wäre dies auch eine tolle Sache."

Eine ähnliche Zielstellung hatte sich eigentlich auch der SV Ihleburg/Parchau vor Saisonbeginn auf die Fahnen geschrieben. Nach mehreren Jahren, in denen das Team stets knapp am Abstieg vorbeischrammte, "wollten wir diesmal frühzeitig die Punkte sammeln, um nichts damit zu tun zu haben", blickt Coach Timo Gehn zurück und fügt an: "Natürlich müssen wir uns eingestehen, dass wir derzeit hinter den eigenen Erwartungen liegen."

Dabei verzweifelten Gehn und Mannschaft jedoch auch teils an höherer Gewalt: "Die Verletzungsmisere begann pünktlich zu Saisonbeginn. Phasenweise hatten wir acht Langzeitverletzte zu beklagen." Da jedoch nach und nach das Personal zurückkehrt, mit Maik Zimmermann (SV Schlagenthin), Patrick Mund und Christoph Heilig (beide PSV Burg) ein Trio den Verein verstärkt und auch der erste Test (5:1 gegen Schermen) erfolgreich verlief, keimt vorsichtiger Optimismus auf: "Unser Startprogramm hat es sicher in sich. Aber die Jungs wollen und werden das Unterfangen anpacken."