Gnadau/Güsen (bjr) l Man schlage im Lexikon unter dem Begriff "Willenskraft, absolute" nach und finde seit dem Sonnabend neben dem Eintrag ein Foto von Andreas Henning. So ähnlich könnte es zumindest laufen, wenn es nach seinem Trainer Hartmut Kober geht. So ging der rechte Außenverteidiger im "Sechs-Punkte-Spiel" der Fußball-Landesklasse II bei der SG Gnadau nämlich für seinen SV Germania Güsen mit gutem Beispiel voran und trug maßgeblich zum 4:1 (0:1)-Auswärtserfolg bei.

Nachdem in der 56. Minute zunächst zwei Anläufe scheiterten, ließ sich Henning auch im dritten Versuch nicht beirren und beförderte den Ball doch noch irgendwie an Gnadaus Keeper Ronny Merker zum wichtigen 1:1-Ausgleich ins Tor. "Genau das haben wir in der Halbzeitpause angesprochen. Der Wille, die Bereitschaft und das Selbstbewusstsein müssen da sein. Ich finde, davon steckte eine ganze Menge in diesem Treffer und man hat danach gemerkt, wie beim Gegner die Köpfe herunter gingen", schilderte Kober. Innerhalb der nächsten 20 Minuten wusch sein Team in Person von Eric Kopp (67.) und Tobias Pohl (70., 76.) noch dreimal nach und gab dem Schlusslicht aus dem Salzlandkreis den Rest. Die breite Brust der Güsener veranschaulichte vor allem das "Traumtor" von Kopp, der aus einiger Entfernung abzog und den Ball sehenswert ins Tordreieck beförderte.

Bei aller Euphorie über die starke zweite Halbzeit spielte jedoch in der Endauswertung des Spiels auch der wenig überzeugende Auftritt aus dem ersten Durchgang eine Rolle. Beiden Seiten war die Bedeutung der Partie im Kampf um den Ligaverbleib bewusst, doch nur die Gastgeber traten nach dem ersten Anstoß auch entsprechend auf. Güsen fand kaum in die Zweikämpfe, erzeugte im Spiel nach vorn wenig Druck und wurde für seine Unentschlossenheit prompt bestraft. Nach knapp einer Viertelstunde jubelten nämlich zuerst die Gastgeber über eine Führung. Doch dank der Energieleistung nach dem Seitenwechsel nahm der Nachmittag aus Gästesicht noch den erhofften Ausgang und der SV Germania konnte vorerst die Abstiegsränge verlassen.

Entsprechend gilt es, am Sonnabend, 7. März, im Heimspiel gegen den SC Vorfläming Nedlitz nachzulegen. Ohnehin hat der SVG in Sachen Heimbilanz gehörigen Nachholbedarf. Kober: "Nur auf unser Selbstvertrauen können wir uns nach einem einzigen Sieg nicht verlassen." Es sollte allerdings gewiss nicht schaden, wenn seine Schützlinge mit einer zusätzlichen Portion Willenskraft an die Aufgabe herangehen.

Gnadau: Merker - Paasch, Rudloff, Bläsing, Könning (74. Ladebeck), Glode, Böhme (84. Mohn), Frauendorf, Rasche, Kühne, Steigleder

Güsen: Meier - Schüßler, Huth, Henning (74. Maeße), Buchheim, F. Golz (15. Pohl), Brakowksi, Vormeister, E. Kopp (81. Heinrich), F. Lamprecht, Bonitz

Tore: 1:0 Nico Steigleder (13.), 1:1 Andreas Henning (56.), 1:2 Eric Kopp (67.), 1:3, 1:4 Tobias Pohl (70., 76.); SR: Steffen Look (Magdeburg), Martin Seidl, David Görlitz; ZS: 62