Heyrothsberge/Burg (bjr) l Dass ein Derby im Nachgang für Gesprächs- und Zündstoff sorgt, gilt nicht als bahnbrechend neue Erkenntnis. Doch dass die Partie in der Landesliga Nord zwischen dem SV Union Heyrothsberge und dem Burger BC 08 (1:3) am Sonnabend schon vor dem Anpfiff ihren ersten Aufreger produzierte, dürfte auch in der Fußballwelt des Jerichower Landes ein Novum darstellen. "Dass auf der Heimseite drei Euro, von Gästefans dagegen vier Euro Eintritt verlangt wurden, finde ich ungeheuerlich. Es wurde gefragt, wer zu welcher Seite gehört, und anschließend kassiert", schilderte BBC-Trainer Thomas Sauer. Tatsächlich war am Einlass manch lebhafte Diskussion zu beobachten. Der Burger Vizepräsident Sport, Detlef Zimmer, der mit der Nachwuchs-Landesauswahl im Trainingslager weilte und am Sonnabend nicht in Heyrothsberge zugegen war, bestätigte: "Mir wurde von sechs Personen geschildert, dass Gästezuschauer einen Aufpreis zahlen mussten."

Das Pikante: Die Erhebung eines "Zuschlags" am Einlass geschah offenbar ohne Wissen oder Billigung des SV Union: "Von Vereinsseite ist mir eine solche Festlegung nicht bekannt. Wir werden dieses Thema auf der nächsten Sitzung aufarbeiten", sagte Vorstandsmitglied Stephan Kunze, zuständig für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit.

Wer es am Sonnabend diesseits des Zauns schaffte - immerhin verfolgten 176 Zuschauer die Partie -, erhielt in jedem Fall viel fußballerischen Gegenwert für sein Geld. Anders als es die tabellarische Ausgangslage Erster gegen Vorletzter versprach, boten beide Teams ein rassiges "JL"-Derby. "Wir müssen uns ob unserer Leistung nicht schämen. Anders als vielleicht erwartet, war ein Punktgewinn nicht aussichtslos", zollte Union-Trainer Torsten Völckel seiner Elf Respekt.

Dass sich der Favorit ungeachtet einer frühen 1:0-Führung bis in die zweite Hälfte hinein schwer tat, lag nicht zuletzt an einer Reihe taktischer Experimente auf Seiten der Gastgeber. Zum einen hatte die Hereinnahme des wiedergenesenen Christian Krümling einen stabilisierenden Effekt auf die Defensive. Mit Ausnahme des dritten Gegentreffers hatten die Unioner so zumeist die Lufthoheit im eigenen Strafraum. Zudem verrichteten Maik Hoppe und Christian Kloska vor der SVU-Abwehrreihe einen guten Job, unterbanden eine Vielzahl von Burger Angriffen bereits vorzeitig.

Indes stand sich der BBC 08 vorwiegend in der ersten Halbzeit auch häufig selbst im Weg. "Uns hat bis zur Umstellung auf Hannes Schock ein zweiter Stürmer gefehlt", erklärte Sauer die Tatsache, dass seine Elf verhältnismäßig wenige Abschlüsse verbuchte. Ansonsten sah der Burger Coach die Taktik aber vollends aufgehen: "Wir haben versucht, in Abwehr und Mittelfeld viel Zweikampfstärke aufzubieten." Vorn sorgten die "Individualisten" Patrick Bartsch, Tim Kolzenburg und Martin Krüger für Gefahr in den Eins-gegen-Eins-Duellen.

Tatsächlich brauchte es aber den kontrovers diskutierten Pfiff nach vermeintlichem Foul an Bartsch im Strafraum, um per Elfmeter das 2:1 vorzulegen (47.). Nicht nur in dieser Szene, sondern auch bei mehreren Freistößen in Strafraumnähe witterten die Hausherren einen "Bonus" des Spitzenreiters, der aber abwiegelte: "Angesichts der Zweikampfintensität in dieser Partie ist doch normal, dass der ein oder andere Standard dabei herausspringt, wenn wir im Spiel 20, 30 Mal in oder an den Strafraum gelangen", so Sauer.

Anschließend geriet der Spitzenreiter nur noch in einer Szene ins Wanken, als die Heyrothsberger Sturmspitze Daniel Stridde nach einem Abpraller an BBC-Torhüter Sascha Krüger scheiterte (78.), im Schlussgang wischten die Kreisstädter durch Bastian Benkels Kopfballtor letzte Zweifel beiseite (84.). Somit setzte sich auch ein zuletzt häufig auftretender Trend fort: Die Burger Defensivkräfte erweisen sich nicht nur vor dem eigenen Tor als sichere Bank, sondern sorgen vor allem nach Standards auch vor dem gegnerischen Gehäuse für Alarm, Treffer und letztlich Punkte. Neben "Allzweckwaffe" Hannes Schock, der in der Luft ebenso wie in Sachen Technik und Athletik überzeugt, glänzen auch die Nebenleute: "Es ist doch logisch, dass wir von der Kopfballstärke unserer Innenverteidiger wie Tim Schaarschmidt oder Bastian Benkel ebenso profitieren wie von der Schusstechnik eines Alexander Siemke - vor allem gegen Teams, welche die Räume zustellen und den Platz eng machen", erklärte der Burger Coach.

Es fällt folglich immer schwerer, zu glauben, dass der BBC 08 in den restlichen zehn Saisonspielen noch einmal ohne passende Antwort vor einem Gegner steht. Derweil gilt es für die Unioner im gleichen Zeitraum, möglichst schnell wieder die Rote Laterne abzugeben und Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Das ist auch dem Trainer klar: "Was bleibt uns anderes übrig?! Es ist schade drum, dass wir für unseren Auftritt nicht mit Punkten belohnt wurden, aber jetzt haben wir die dicken Brocken mit Halberstadt II und Burg hinter uns und müssen an die gezeigten Leistungen anknüpfen.